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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-26 · Heft 31 (26.7.1864) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 31 (26.7.1864)
Date
1864-07-26
Page
Seite 477 (sequence 3)
Language
German
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477 aufhören — sondern um endlich zum Bewußtsein zu bringen, daß jede neue Richtung aus der vorhergehenden Zeit eine Entwickelung, daß die Vergangenheit selbst die Mutter der neuen Zeit ist, daß in jener die ursächlichen Momente für diese liegen und daß dieser Entwickelungstrieb etwas Unwiderstehliches in sich trägt, das man hemmen und verlangsamen, aber niemals erdrücken kann. Und was ist nun die Tendenz der neuen Zeit auf dem religiösen, insonders auf dem Gebiete des Judentums? Wir wollen es einfach und schlagend sagen: sie ist, den Monotheismus, d. i. die Religion des einzigen Gottes, zur reinen Religion des Verstandes und des Herzens, die er von Beginn an gewesen, wieder zurückzuführen und von allen Gebilden der Phantasie, mit denen ihn die vergangenen Zeiten bekleidet haben, zu befreien. Hierüber ein Näheres im Folgenden.*) (Fortsetzung folgt.) Pesth, den 11. Juli. 2ur Hudrnfragc. Unter diesem Titel enthält der „Pesther Lloyd" folgenden Artikel, den wir wegen seiner trefflichen Abfassung in Form und Inhalt, und weil er leider noch auf die in vielen anderen Ländern herrschenden Ansichten und Zustände paßt, hier wörtlich folgen lassen. Unter der Ueberschrift: „Der Israelit als Grundbesitzer und Oekonom in Ungarn" bringen die „Ungar. Nachrichten" an der Spitze ihrer Sonntagsnummer einen Artikel, den wir bei aller uns seit lange schon inwohnenden Scheu, über „die Judenfrage" zu schreiben, doch nicht umhin können, etwas näher zu beleuchten und dessen mehrfache Jrrthümer zurückzuweisen. Ja, wir hegten eine gewiffe Scheu, über eine Frage noch viele Worte zu machen, worüber die Acten eigentlich schon geschloffen sein sollten und worüber sich im Grunde kaum noch anderes sagen läßt, als was schon hundert Male gesagt und gedruckt worden ist. Ändeffen, verwitterten Anschauungen gegenüber müssen die alten Wahrheiten zum hundert und ersten Male wieder herhalten. Ueberdies trägt der in Rede stehende Artikel das Gewand einer, wir *) Am Schluffe des vor. Art. dieser Rubrik No. 29, S. 444 muß es heißen: „daß hier dem Phantastischen Raum genug." wollen glauben, auch ernstlich gemeinten Juden- und Emancipations-Freundlichkeit und ist daher um so mehr geeignet irrezuführen. Hierzu kommt noch schließlich, daß das Erscheinen dieses Leitartikels im Amtsblatte die jüdischen Leser desselben leicht zu dem Glauben veranlassen könnte, daß die Idee der bedingten Emaneipation, bedingt von der Umwandelung der ungarischen Judenschaft in Großgrundbesitzer und Bauern, von den ungarischen Regierungskreisen getheilt werde. Ehe wir uns aber in weitere Erörterung des Artikels einlassen, müssen wir, um jedes Mißverständniß zu beseitigen, zuvörderst bemerken, daß wir am wesentlichen Inhalte der 7 Punkte des berührten Artikels, wenn solche als Wünsche und Rathschläge an die Israeliten ausgesprochen werden, an sich nichts auszusetzen hätten. Gewiß würde es auch jeder gebildete und einsichtige Israelit recht schön finden, wenn die reichen Israeliten „möglichst viel Capital der vaterländischen Bodenindustrie zuwendeten" eine ansehnliche Zahl von Grundbesitzern und gebildeten unternehmenden Landwirthen in ihrer Mitte zählten, durch Gründung von landwirthschaftlichen Bildungsanstalten sich auszeichneten, wenn die Israeliten auch einen stattlichen Bauernstand schon aufweisen könnten u. s. w. Wir sind auch überzeugt, daß solche Rathschläge keine vergeblichen, solche Wünsche nicht blos fromme Wünsche bleiben. Zu dieser Ueberzeugung ermächtigt uns die Thatsache, daß in vielen Gegenden Ungarns schon vor Jahrzehnten, demnach noch unter Herrschaft der Aviticität und vor Gestattung des Besitzrechtes, so viele reiche oder mäßig bemittelte Juden als Pfandbesitzer oder Pächter Feldbau und Landwirthschaft aufs eifrigste getrieben Habens dazu ermächtigen uns die Erfahrungen, welche die wenigen Jahre seit Gewährung der Grundbesitzfähigkeit aufweisen und welche auch in dem Berichte der hiesigen Handels- und Gewerbekammer als rühmliche hervorgehoben werden; dazu ermächtigen uns ferner anderweitige Erscheinungen, welche ein lebhaftes Streben nach derselben Richtung hin unzweideutig kundgeben. So hat der hier bestehende „Israelitische Handwerkerverein" feit kurzem auch die Heranbildung jüdischer Ackerbauer sich zur Aufgabe gemacht, hat auch schon mehrere Jünglinge bei Landwirthen zu dem Zwecke untergebracht und will auch dafür sorgen, diese Zöglinge nach vollendeter Ausbildung zum Landmanne mit einem kleinen Capitalchen auszustatten, um dereinst die eigene Wirtschaft ordentlich und rüstig betreiben zu können. Derselbe Verein will sich aber nicht mit dem beschränk- 31 *

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