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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-19 · Heft 30 (19.7.1864) · p. Seite 467

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 30 (19.7.1864)
Date
1864-07-19
Page
Seite 467 (sequence 9)
Language
German
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467 den gegenwärtigen jüdischen Gottesacker zu schließen und bei später — unter Gottes Beistand aber hoffentlich noch lange nicht — vorkommenden Sterbefällen den vor zwei Jahren zu gleichem Zwecke angekauften und nunmehr mit einer Mauer umfriedigten Platz seiner traurigen Bestimmung zu übergeben. Zu Erbbegräbnissen auf dem neuen Friedhofe wollte die Majorität der Versammlung sich nicht verstehen; indeß wird dieser Beschluß wohl später wieder aufgehoben werden. Der jetzige Begräbnißplatz ist bereits seit mehreren Jahrhunderten im Gebrauche und wenn gleich der älteste entzifferte Grabstein erst vom Jahre 1654 datirt, so ist doch aus einer vom Dr. Wiener im Maihefte der Franket'schen Monatsschrift von diesem Jahre mitgetheilten Urkunde ersichtlich, daß die hiesigen Juden bereits vor dem Jahre 1573, also lange vor ihrer durch Herzog Heinrich Julius im Jahre 1591 erfolgten Vertreibung, ihre Tobten auf jenem Platze bestatteten. Auf unserem jetzigen Friedhofe ruhen auch die Gebeine inancher literarisch berühmten oder durch ihre Wirksamkeit hochverdienten Männer, von denen ich nur einige unter Angabe ihres Todesjahres hier auführen will: die sechs Landrabbiner Joseph Cohen, gest. 1703, Joseph Meher, gest. 1735, Selig Caro, gest. 1755, Meyer Cohen, gest. 1758, Arjeh Leb, Sohn des bekannten Pne Jehoschua und Verfasser des Pne Arjeh, gest. 1798, und Beresch, Sohn des Vorgenannten, gest. 1802; ferner Abraham Lisker, Verfasser des Misch na-CommentarS Beör Abraham, gest. 1684; Liepman Cohen, als Gemeindevorsteher und auch sonst sehr verdient, dessen ausführliche Biographie sich in dem gedachten Maihefte der Franket'schen Monatsschrift findet, gest. 1714; der ehemalige hollischauer Rabbiner und spätere Oberhoffactor Joseph Oppenheim, Sohn des bekannten Präger Oberrabbiners David Oppenheim, gest. 1739; der einflußreiche Michel David, gest. 1758; der ausgezeichnete Mathematiker Raphael Levi, Verfasser mehrerer mathematischer und astronomischer Schriften, gest. 1779, und noch viele andere in weiteren Kreisen bekannte Personen. Gegenwärtig weilt hier zum Besuche bei seinen Eltern ein junger Jsraeltt, namens Benjamin, aus Linden bei Hannover, welcher als Officier in der Armee des Kaisers von China dient und als solcher bereits mehrere Schlachten gegen die dortigen Rebellen mitgemacht hat. Diese Thatsache, schon an und für sich interessant, wird es vielleicht für die Zukunft noch mehr, wenn derselbe das mir gegebene Versprechen, nach seiner in einigen Wochen erfolgenden Rückkehr seine Aufmerksamkeit aus die dortigen Juden, deren er mehrere in der Provinz Honam gefunden hat, richten und mich von dem über sie Ermittelten in Kenntniß setzen zu wollen, hält; dann gewähren seine Nachrichten wohl Ersatz für die Auskunft, welche der unlängst verstorbene Benjamin II. über die Juden in China zu ertheilen beabsichtigt hatte. In Betreff der von Herrn vr. Jaraczewsky unlängst im jüdischen Volksblatte gemachten Mittheilungen über die in der Ministerialbibliothek zu Erfurt aufbewahrten hebräischen Codices erlaube ich mir, denselben auf das in Steinschneider's hebr. Bibliographie 1862, 70 s. enthaltene Referat des Dr. Wiener aus Hartung's Häuserchronik der Stadt Erfurt aufmerksam zu machen, in welchem er eine merkwürdige Uebereinstimmung mit seinen Mittheilungen entdecken wird, und damit er nicht in die Lage komme, in Rücksicht auf die beabsichtigten Nachrichten über die Judenschlacht in Erfurt bereits anderwärts Gesagtes zu reproduciren, wolle er zuvor Nachlesen, was Michelsen in der Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte und Alterthumskunde über diesen Gegenstand publicirt hat. Am 10. August d. I. feiert Zunz, der Schöpfer der jüdischen Wissenschaft, seinen 70jährigen Geburtstag. Mehr als dieser Andeutung wird es wohl nicht bedürfen, um sich die Verdienste zu vergegenwärtigen, die sich dieser durch seine unsterblichen Werke so ausgezeichnete Gelehrte um die gesammte jüdische Literatur und daher auch um alle diejenigen erworben hat, welche dem Studium derselben in ihren verschiedenen Zweigen obliegen, und es erscheint mir daher überflüssig, noch besonders darauf hinzuweisen, wie sehr dieser durch seinen biederen Charakter wie durch sein eminentes Wissen so hochstehende Mann unsere Anerkennung und Verehrung verdient. Preußen. Neuß, 5. Juli. Die hiesige israelitische Gemeinde hatte die Stadtgemeinde um eine Beisteuer zu ihrem Synagogenbau angesprochen. Die Stadtverordneten erklärten hierauf, daß die Stadt zwar gesetzlich zu einer Unterstützung nicht verpflichtet sei, daß sie aber eine moralische VerpflichMng dazu wohl anerkännten und daß sie der israelitischen Gemeinde deshalb denselben Betrag bewilligen wollten, welchen die hiesigen 30

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