Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 30 (19.7.1864)
- Date
- 1864-07-19
- Page
- Seite 466 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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466 auf dem Comptoir «'eines Verwandten engagirt war, trat, nicht ohne Mühe und förmliches Bittgesuch, freiwillig wieder in die preußische Armee und blieb, der allerersten und allervordersten einer, bei dem Angriffe auf Alfen durch einen Schuß in die Brust. Seine Leiche wurde dort beigesetzt und nun auf Betrieb der Familie hierher gebracht. Der Sarg blieb einstweilen in der Turnhalle, da die Turnerfchaft, deren eifriges Mitglied er seit einigen Jahren war, dringend darum bat. Auch ging der Leichen conduct von der Turnhalle aus und es folgten außer sämmtlichen Turnern (das hätte der sel. Jahn sehen sollen oder Prof. Fries!) noch eine sehr große Menschenmenge mit auf den Friedhof unserer Gemeinde. Der Sarg (sechseckig und mit Schrauben verschlossen) war indessen nicht geöffnet, vielmehr in dem Zustande gelassen, wie er angekommen war. Auf dem Friedhofe wurden verschiedene Reden gehalten, neben anderen von dem Bruder des Verstorbenen, einem Militärärzte. Der jüdische Prediger Dr. Frankfurter sprach sehr ergreifend nach den Textworten des Trauerliedes David's über seinen Freund Jonathan und ging dann erinnerungsweise auf die I. s. D. jetzt fast verschollenen Zeiten über, wo man einem Juden die. deutsche Nationalität sowohl als den militärischen Muth abzusprechen gewagt hatte. Preußisches Militär mit Musik hatte natürlich den Zug geführt und es waren viele Officiere und Damen verschiedener Coufessionen anwesend, die Blumen spendeten. Der Verstorbene war bereits decorirt und zum Bice-Feldwebel avancirt. Wäre er am Leben geblieben, so hätten wir vielleicht erfahren, ob seine Religion ihm beim wohlverdienten Avancement hinderlich gewesen sein würde. In der österreichischen Armee besteht bekanntlich ein solches Hinderniß längst nicht mehr. Cohnheim kam zufällig neben seinen neulich verstorbenen Principal zu liegen, der ihm, wie man sagt, auf jeden Fall die Stelle bei ihm gesichert hatte. Diesem Fall gegenüber wollen wir nicht unterlassen, einen anderen Beleg jüdischen Muthes zu berichten. Vor etwa 6 Monaten starb in Ritzebüttel an der Elbmündung ein jüdischer Familienvater an den sogenannten schwarzen Pocken. Dieser Todesfall machte an dem Orte die größte Sensation, so sehr, daß das Haus und selbst die Straße militärisch abgesperrt und alle Maßregeln getroffen waren, um weitere Contagion zu verhüten. Nun wollte aber niemand die Leiche anfassen und die kleine Judenschaft' daselbst, welche keine besondere Todtengräber-Brüderschaft besitzt, war in der größten Verlegenheit. Sie schrieben also hierher und siehe da — von den hiesigen Kabranim fanden sich ohne weiteres die erforderliche Zahl von Männern, welche ohne weitere Gratification als freie Reise die Sache übernahmen, nach R. gingen, die Leiche nach jüdischem Ritus reinigten und bekleideten und sie dann auf ganz übliche Weise zu Grabe brachten. Es ist niemand von diesen in ihrer unmittelbaren Naivität heroisch handelnden Männern zu Schaden gekommen und weder sie noch ihre Freunde dachten daran, daß sie etwas Ungewöhnliches gethan hätten. Bückeburg, Anfang Juni. (Privatmitth.) Die neuesten schaumburg-lippischen Landesverordnungen bringen eine landesherrliche Verordnung, der zufolge, auf Grund und in weiterer Ausführung deö Gesetzes vom 5. December 1848 (!), betreffend die Unabhängigkeit der politischen Rechte vom religiösen Bekenntnisse, das höchste Rescript vom 4. October 1785, betr. Entrichtung der Stolgebühren von den Juden, ausdrücklich aufgehoben wird. Ist das nicht in diesem stabilen, ohne Landesvertretung absolut regierten Lande — ein Fortschritt? Hannover, im Juli. (Privatmitth.) Der schleöwig-holsteinsche Krieg erregte hier bei manchem in Rücksicht auf eine inmitten unserer Gemeinde bestehende isr. Knabenschule einige Besorgniß, die sich indeß glücklicherweise als ungegründet erwies. Die Hierselbst nämlich von dem ehemaligen Kammeragenten Meher Michel David durch ein bei der Krone von Dänemark niedergelegtes Capital von 100,000 Gl. gestiftete Freischule wird durch die halbjährig eingehenden Zinsen jenes Capitals erhalten, und da dieselben zur Zeit des Krieges in Schleswig-Holstein im Jahre 1849 längere Zeit auöblieben und erst später durch Vermittelung des dänischen Gesandten in London eingingen, so befürchtete man auch diesesmal infolge des Krieges ein Ausbleiben derselben; allein die Zinsen sind rechtzeitig eingegangen und dadurch Lehrer wie Schüler, von denen mehrere neben freien Schul-Utensilien auch noch eine Geldunterstützung erhalten, vor Verlegenheit bewahrt worden. Bei der jüngsten General-Versammlung des hiesigen israel. WohlthätigkcitsvereinS wurde unter anderm der Beschluß gefaßt, mit nächstem kosoti-dsscimnsli