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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-19 · Heft 30 (19.7.1864) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 30 (19.7.1864)
Date
1864-07-19
Page
Seite 465 (sequence 7)
Language
German
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465 Beachtung, da Fossilien eines menschlichen Körperteils bisher vergebens gesucht wurden." Seit 3—4 Jahren sind aber, wie allbekannt, auch Fossilien von Menschenknochen in Höhlen gefunden worden, und überhaupt haben die entdeckten Kiesel- und Bronzwerkzeuge den Beweis geliefert von dem Dasein eines gewaltigen Riesengeschlechtes in vorgeschichtlicher Periode. Die weiteren geologischen Untersuchungen im h. Lande dürften in kürzester Zeit die interessantesten Belege zu Tage fördern — und die alten Riesen, vor denen sich unsere Vorväter wie Heuschrecken dünkten, aus ihren Gräbern auferstehen lassen. Jedenfalls wäre es interessant, wenn in der Gegend von Chebron die Nachgrabungen ausgenommen werden möchten, da der Bericht des Josephus die nun unzweifelhaften Thalsachen darlegt, daß daselbst Gebeine und Ueberreste des einst daselbst hausenden Riesengeschlechtes gefunden wurden. Immerhin ist es wichtig, daß die Erzählungen der Bibel von den Riesen von der Wissenschaft bestätigt werden. — Der Mährchenerzähler und Visionär R. Bar Chana (Baba Bathra 74a und Eu Jakob), dessen fabelhafte Berichte den alten Predigern und Allegoristen soviel zu schaffen machten, erzählt auch in seiner münchhausenschen Manier von den ungeheuren Fossilien und Menschengebeinen, die er in der Wüste Sinai gesehen haben will — und es dürfte gerade hier, abgesehen von den Uebertreibungen, ein Körnchen Wahrheit in der Erzählung liegen. Oppenheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Landau i Waldeck), 21. Juni. (Privatmitth.) Wie ich vernommen, wird demnächst ein Prediger der Mission hier und in der Umgegend Vorträge halten, welche die Judenbekehrung zum Zwecke haben sollen. Er ist aber nicht damit zufrieden, diese Borträge kirchlich rc. zu Tage zu fördern, sondern begibt sich auch in die Wohnungen meiner College» und Glaubensgenossen, um sein Bekehrungswerk zu betreiben. Nun ist es zwar bekannt, mit welcher Erfolglosigkeit diese Leute trotz ihrer schlauen Mittel*) bisher ihr Wesen betrieben ha¬ *) Ein schlaues Mittel muß man es z. B. nennen, wenn die Missionäre ein Tractätlein vertheilen, auf welben, und es dürste kaum nothwendig erscheinen, darüber ein Wort zu verlieren; dessenungeachtet finde ich mich veranlaßt, meine College» und Glaubensgenossen auf diese Tractatenkrämer aufmerksam zu machen. Man muß es bewundern, daß diese Leute, denen zur Genüge bekannt, daß sic nicht im Stande sind, einen Israeliten, der mit seiner Religion einigermaßen vertraut ist, im Glauben seiner Väter wankend zu machen, immer ihr Handwerk noch nicht aufgeben, was zum Schlüsse führen dürfte, daß sie sich gut dabei stehen mögen. — Predigt nur immer zu; ihr werdet doch nicht im Stande sein, uns zu beweisen, daß das Heil schon dagewesen, wie es Israel erwartet. Noch strömt Erkenntniß des Einigen nicht durch die Erde, noch durchweht Gerechtigkeit nicht alle menschlichen Verhältnisse, noch ist die Liebe ein unterirdisch Feuer. Ist jene Einheit schon in der Menschheit, wovon die Propheten weissagen? Ist das Wort der Religion schon zur That geworden? Hat sich die menschliche Gesellschaft zu einer großen Familie gestaltet? Hat der Krieg schon aufgehört? Oder ist jener sittlich-moralische Zustand schon da? Darum gebt euch keine Mühe. Die Schäflein, die ihr allenfalls Israels Herde entreißt, sind uns kein Verlust. Vor allem entfernt doch das Unkraut erst aus eurem eigenen Felde, ehe ihr fremdes sucht, und ihr werdet Arbeit genug finden. M. Kaufsmann, isr. Lehrer u. Cant. Hamburg, 6. Juli. (Privatmitth.) Gestern wurde hier ein junger Mann, Albert Cohnheim aus Prenzlau, mit großer Feierlichkeit beerdigt. Derselbe, welcher in seiner preußischen Heimath bereits seiner Militärpflicht genügt hatte und hier als Handlungsdiener chem zuerst die zehn Gebote hebräisch und deutsch abgedruckt sind, dann „vier wichtige Fragen" hinzugefügt, welche mit herausgerissenen Stellen aus den Psalmen, Hiob und Jesaias, die in der Missionswelse übersetzt sind, versehen worden, Stellen, die in bekannter Art von den Missionären gedeutet werden. So will man der jüdischen Masse beikommen, indem man mit Unverfänglichem beginnt und mit aus dem Zusammenhang genommenen Sprüchen schließt, welche, nach ihrer Weise gedeutet, eine Brücke schlagen sollen. Sehr wundern muß es uns, daß sich eine jüdische Buchdruckerei, welche z. B. einen Siddur herausgegeben, mit dem Druck solcher Misstonstractätlein abgibt. Sieht sie nicht ein, daß ihre Firma auf diese Weise den Eingang bei den Juden erleichtern soll?

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