Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 30 (19.7.1864)
- Date
- 1864-07-19
- Page
- Seite 463 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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463 Schrift lehrte, man muffe seine Kinder in keiner positiven Religion erziehen, um ihnen die Wahl frei zu lassen; das heißt doch wohl nicht, daß sie Hebräisch lernen sollen. Darum hätten wir gewünscht, daß die Diatribe nicht so bitter abgefaßt, sondern vielmehr als ernste Mahnung gehalten worden wäre. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 5. Juli. Angekommen: 'paittn ‘miö ibö '■D\ Erläuterungen und Scholien zum Aruch. Mit beigefügten Emendationen und kritischen Notizen zur rabbinischen Literatur. Von Simon Lin de rman n, Rabb. Berlin, 1864. Wir werden ein ausführliches Referat bringen. — Eine Fortsetzung der Zeitschrift „Jeschurun" von Rabb. Dr. I. Kobak in Bamberg ist in einer hebräischen und einer deutschen Lieferung erschienen. Der hebräische Theil enthält Beiträge von Dr. I. Levy, Pollak, Weiß, Dukes, Luzzato, Reifmann, Oppenheim, Senior Sachs u. a., der deutsche von Dr. Lewysohn in Stockholm, Kayserling, Oppenheim u. a. und bieten beide Theile mannigfaltigen Stoff. Jedenfalls ist der hebräische Theil ungleich bedeutender, schon durch die Trefflichkeit der Sprache in manchen, ja in vielen Stücken. — 'n nbttA Also: ein hebräisches Jahrbuch auf das Jahr 56-25, von Naphthali Keller, Ister Jahrgang, Wien. Unsere Leser sehen, daß sich die hebräische Sprache einer sehr lebhaften Thätigkeit wieder zu erfreuen hat. Das Jahrbuch bringt außer einem Rückblick auf das letzte Jahr, einem Referat über in hebräischer Sprache erschienene Schriften und Nekrologe jüngst Verstorbener mannigfaltige Beitrage von Jellinek, A. Lewisohn, Lettens, Weiß, Langbank u. a. Möge es recht viele Abnehmer finden, um eine lange Reihe von Nachfolgern zu erhalten! — Jn San-Francisco (Kalifornien) erscheint jetzt eine neue jüdische Zeitschrift „th6 Hebrew“ Herausgeber: Philo Jacobh. Sie ist in englischer Sprache abgefaßt, enthält aber auch hin und wieder deutsche Artikel. Der Inhalt ist sehr mannigfaltig und, wie in den amerikanischen Blättern gewöhnlich, nicht blos auf das jüdische Gebiet beschränkt. Einen großen Raum nimmt auch die in Amerika so beliebte Freimaurerei ein. Jedenfalls ergibt die uns vorliegende Probe eine tüchtige Redaction. Einen sehr interessanten Artikel über die drei preußischen Abgeordneten jüdischen Glaubens haben wir für das „Jüd. Volksblatt" entlehnt. — „Die biblische und die moderne Erziehung. Ein Vortrag von Dr. S. Mühsam. Wien, 1864." Es gehört viel Kunst dazu, einen bedeutenden und umfassenden Gegenstand in dem engen Rahmen eines Vortrags zu behandeln. Es müssen die Hauptmomente hervorgehoben, übersichtlich geordnet und doch so weit auch speciell besprochen werden, um das Interesse der Hörer zu erwecken. Beiwerk und weitläufige Einleitungen müssen vermieden werden. Der vorliegende Vortrag entspricht diesen Anforderungen nicht ganz, denn weder von der biblischen noch von der modernen Erziehung wird uns ein klares Bild vorgeführt. Einerseits hätte die weitläufige Einleitung über das Wesen und die Nothwendigkeit der Erziehung wegbleiben können, andererseits hätte der biblische Stoff noch mehr verwendet werden müssen,- namentlich die Sprüche Salomonis, wo über die Zucht der Kinder so goldene Worte enthalten sind, z. B. 19, 18. 29, 15. 17. Dagegen hat der Verf. oft mit vielem Scharfsinn sich an die Wörter gehalten, welche in der Schrift als Erziehen gedeutet werden können, und da manche scharfsinnige Bemerkung gemacht. Bisweilen freilich zu scharfsinnig. Wenn er z. B. aus den Verhaltungsregeln, welche der Engel der Mutter Simson's während ihrer Schwangerschaft vorschreibt und der Grund dafür angegeben wird, den Schluß zieht, daß bei den alten Hebräern eine besondere Beobachtung während der Schwangerschaft nicht üblich gewesen sei, so liegt der entgegengesetzte Schluß um vieles näher. Die alten Hebräer haben gewußt, daß das Verhalten der Mutter Einfluß auf das Kind übte. Auch ist es unrichtig, wenn der Verf. sagt: „In neuerer Zeit stimmen alle Erzieher darin überein, daß die Erziehung erst mit der Geburt zu beginnen habe." Der Verf. lese nur Hufeland's „Rath an junge Mütter" und alle ähnliche Schriften, und er wird sich vom Gegentheil überzeugen. Sonderbarer Weise rechnet der Verf. die Sitte, „für einen bestimmten Kaufpreis eine Frau für den Sohn zu besorgen", für ein „Moment der Erziehung", das „die moderne Erziehung nicht kenne." Dann kennt die moderne Erziehung das Moment, für eine möglichst große Mitgift der Tochter einen Mann zu besorgen. Aus den Vorschriften, der zu scheidenden Frau einen Scheidebrief und an die Thürpfosten die Worte Gottes zu schreiben, ist nicht zu schließen, daß die Bibel jedem zur Pflicht macht, schreiben und lesen zu lernen, denn wer dieses nicht konnte, ließ es sich schreiben. Bekanntlich schreibt auch jetzt noch nicht jeder