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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-12 · Heft 29 (12.7.1864) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 29 (12.7.1864)
Date
1864-07-12
Page
Seite 453 (sequence 11)
Language
German
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m die Aufmerksamkeit aller Edelgesinnten und wollen Hochwürden diesen Fall um so geneigter in Ihrem Blatte registriren, da Einsender dieses diese Zeilen Wort für Wort zu verbürgen in der Lage ist. Ein katholischer Geistlicher (Probst) wurde bei der Wahl eines Beamten vom Comitatsvorstande in der sicheren Voraussetzung angegangen, sein Votum abzugeben, da man nur auf diese Weise hoffte, gegen den vorgeschlagenen Candidaten, der Jude war, eine Majprität zu erhalten und die Präsentation der adeligen Familie höhern Orts null und nichtig zu machen. Der ehrwürdige geistliche Herr gab jedoch zu Protokoll, daß er sich nicht veranlaßt sehe, gegen den vorgeschlagenen Beamten, weil Jude, zu stimmen, sich doch, um unliebsamen Erörterungen auszuweichen, der Abstimmung enthalte. Infolge dieses Vorgehens konnte die Agitation der Judenfeinde keine Wurzel schlagen und hat der betreffende Beamte bereits sein Decret seitens eines hohen kgl. ungarischen Statthaltereirathes erhalten und sein Amt bereits angetreten. Z. Aus Oberungarn, im Juli. (Privatmitth.) Wie wir aus einem Briefe des pesther Vorstehers, Hrn. v. Schosberger, an einen Vertrauensmann Oberungarns ersehen, dürfte die Rabbinerseminarangelegenheit einstweilen vertagt sein, nicht sobald ihre Erledigung finden. Wie dem aber auch immerhin sei, jedenfalls sind wir der hohen Regierung für die Aufnahme der Pensionsfrage für israelit. Lehrer Ungarns zum größten Danke verpflichtet und läßt sich um so mehr ein günstiger Erfolg versprechen, nachdem bereits die Herren Lehrer in Pesth und Ofen zu einer Conferenz im Aufträge der hohen Regierung zusammengetreten sind und bereits ihre bezüglichen Gutachten abgegeben haben. Solange der Lehrerstand am Hungertuche nagt, sind für ihn alle anderen pädagogischen Fragen nur Nebensache, und wären es die wichtigsten. Dessenungeachtet möchten wir in dieser Uebergangsperiode den Herren Lehrern rathen, ja auf ihrer Hut zu sein und bei der Umgestaltung des Schulwesens ihre Interessen im Auge zu behalten. — Der ungarisch-israelitische Verein bereitet die Herausgabe neuer Schulschristen vor und dürfte in Bälde die Schütze'sche Fibel in neuer Auflage erscheinen. An die Stelle des Magyar Izraeüla wird eine Monatsschrift treten, die sich mehr mit der Besprechung allgemein ungar.-israel. Fragen beschäftigen wird. Auch bereitet man die Herausgabe zweier Jahrbücher vor, wovon das eine der ungar.-israel. Verein, das zweite der Literat Ormody Bertalan herausgeben wird. Der Präses des ungar.-israel. Vereins, Herr Primärarzt Dr. I. Rüzsay, hielt vor kurzem in der ung. Akademie der Wissenschaften seinen mit seltenem Beifall aufgenommenen Antrittsvortrag und wird von dieser wissenschaftlichen Abhandlung die Akademie eine Separatausgabe veranstalten lassen. Die Predigten Jellinek's sind in gelungener ungar. Uebersetzung von Trencsenhi B. erschienen (pseudonym Dr. B.) In Oberungarn dauern die Wirren fort. Rebbe Hilel in Szikßo, der Hauptführer der Orthodoxen in der Seminarfrage, wird gleich seinem Vorgänger einem Rufe nach Siebenbürgen folgen. Seine Agitation hatte die Auflösung des aufgeklärten Vorstandes zu Miskolz zur Folge; jedoch gelang es der Intelligenz der Gemeinde, die Comitatsbehörde behufs Einsetzung einer dem Fortschritte huldigenden Gemeinde-Repräsentanz zu bewegen. Am Schebuothfeste weilten bei dem größten Heiligen Oberungarns an 250 Gäste, die er sammt und sonders bewirthete. Bei seinem Ausfluge nach Bartfeld, einem Badeorte unweit Polen, machte ihm auch sein Anhang in Miskolz die Aufwartung und wurde beschlossen, bei der höchsten Landesstelle Schritte zu thun, um so wenigstens die bekannte miskolzer Eingabe zu parallelesiren. In Erlau wurde der von der Gemeinde suspendirt gewesene Rabbi I. Weiß in aller Form von der Behörde feierlichst in sein Amt wieder eingesetzt. Z. Frankreich. Paris, 29. Juni. Die B. B. Z. schreibt: Der Kaiser hat den hiesigen Banquier Emile Berte in den Grafenstand erhoben. Der Vater Berle's ist Inhaber eines bedeutenden Bankhauses in Wiesbaden. Emile Bcrlü hat vor etwa 14 Tagen die Gräfin du Tremblier de Chauvigny geheirathet, welche in verwandtschaftlichen Beziehungen zur kaiserlichen Familie steht. Es dürfte von Interesse sein, daß bei der Trauung des Paares, welche, da Berte Israelit ist, zuerst in der Synagoge stattfand, der Kaiser sich persönlich in dieser eingefunden hat. 29 **

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