Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 29 (12.7.1864)
- Date
- 1864-07-12
- Page
- Seite 454 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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454 Italien. Aus Obcritalien, 21. Juni. (Privatmitth.) In Triest hinterließ der jüngst verstorbene Hr. Jacob Coen beinahe 100,600 Gulden ö. W. für die Armen und für die israelitischen Wohlthätigkeitsanstalten, deren Bertheilung dem Gutdünken der derzeitigen Gemeindeverwaltung anheim gestellt wurde. Herr I. Coen war ein edler junger Mann, manchmal in die Gemeindevertretung berufen, und hintcrließ eine junge Witwe mit einem einzigen Sohne. — Einige junge Mädchen, zu den vornehmeren Familien Triests gehörig, hatten den zarten Einfall, ein schönes Tapet zu wirken, dasselbe mit 300 Loosen auszuspielen und den Ertrag derselben, 600 Gulden, der Direction der vor einiger Zeit daselbst errichteten israel. Kleinkinderbewahranstalt zu übermachen. In jener Gemeinde ist auch eine Moutefiore-Stiftung im Entstehen. Herr Prof. S. D. Luzzatto veröffentlicht den Katalog der vom Herrn Giuseppe Almanzi von Padua hinterlassenen höchst bedeutenden und reichen Bibliothek. Diese Notizen sammelte ich im Corriere israelitico vom Monat Juni. Hierzu habe ich noch eine andere hinzuzufügen, daß die Constituirung der Israeliten-Gemeinde von Neapel zwar langsam, jedoch schrittweise von statten geht. Jüngst hat Herr Baron A. Rothschild und dessen Schwester der Gemeinde 2500 Frcs. jährlich zugesichert, während sie natürlich bereit sind, die Gemeindelasten verhältnißmäßig gleich allen übrigen Gemeindemitgliedern zu tragen. Schweiz. Endingen, 3. Juli. lPrivatmitth.) Nach mehrjährigen Verhandlungen ist der französisch-schweizerische Handelsvertrag in dreißig Conferenzsitzungen, welche sich in der letzten Zeit fast täglich, folgten, zum Abschluß gelangt und wird, wie die „Neue Züricher Zeitung" sagt, der nächsten Bundesversammlung jedenfalls vorgelegt werden, wobei es ihr denn überlassen bleibt, ob sie den Gegenstand diesmal oder später erledigen will. Unter den conclitiones sine quibus non, welche Frankreich beim Beginne diessallsiger Verhandlungen stellte, war das Verlangen , daß die Schweiz auch nicht-christlichen Franzosen gleiche Rechte gewähre. Und wirklich entschied sich der Bundesrath für diejenige Redaction, welche die Frage am grundsätzlichsten löst. „Alle Franzosen", sagt der Vertrag, „ohne Unterschied der Religion (sans distinction du culte) sollen zur Niederlassung in der Schweiz berechtigt sein." Wir dürfen diese Thatsache als ein Ereigniß von nicht geringer Tragweite begrüßen und sind dadurch zu der Hoffnung berechtigt, daß die Zeit der Judenklauseln auch in der Schweiz hinter uns liegt. Die schweizerischen Vertreter werden fernerhin bei Abschließung von Verträgen nicht mehr darauf bedacht sein müssen, für Juden eine Barriöre zu errichten. Dr. Rußland. Petersburg, im Juni. «Privatmitth.) Daß die Emancipation der Juden — denn bei dem Rückblick auf die früheren Verhältnisse kann man hier mehr als irgendwo von einer Emancipation reden — immerhin einige Schritte vorwärts macht, ersehen Sie wohl daraus, daß jetzt ein Jude in den Büreaus des Senates ängestellt worden ist. Ueber 30 jüdische junge Männer studiren jetzt Jura und Philologie auf der hiesigen Universität, dagegen hat die Zahl der Medicin-Studirenden abgenommen und beträgt auf der hiesigen medicinischen Akademie nur 14. Was aber das Hauptbedürf n iß und ohne was eine wesentliche Umgestaltung unserer Verhältnisse niemals zu erwarten steht — die Freizügigkeit der Juden durch das ganze Reich, dazu ist noch wenig Aussicht. Vielmehr sind die Juden aus Kiew gänzlich ausgeschlossen und die frühere dortige Judenherberge aufgehoben worden. — Vor einiger Zeit hat der General von Berg englische Missionäre aus Warschau ausgewiesen. — Der Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden Rußlands gewinnt an Umfang und steht es zu hoffen, daß er eine große Bedeutung erlangt. Viele hohe Beamte sind Mitglieder geworden. Die Zwecke und Mittel des Vereins werden sich in kurzer Zeit consolidiren. Vorläufig werden viele arme Studenten unterstützt und es werden z. B. 25 Exemplare der Allg. Zeitg. d. Judenthums zur Gratisvertheilung bezogen. Marokko. Paris, 26. Juni. Laut Abend-Moniteur haben der französische Geschäftsträger und die übrigen Mit-