Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 29 (12.7.1864)
- Date
- 1864-07-12
- Page
- Seite 448 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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448 bahnen. Die Texte sind aus verschiedenen Sammlungen entnommen, hier aber nicht vollständig mitgetheilt, sondern man muß sie in dem Gesangbuche der Kneseth- Jsrael-Gemeinde zu Philadelphia suchen, sowie einige liturgische Gesänge für die Sabbathfeier, zu dem Gebetbuche des Dr. Einhorn gehörend. Dadurch wird die Brauchbarkeit des Werkes in Europa vermindert. Jedenfalls gehört dem Vers, das Verdienst, die Pflege des deutsch-israelitischen Liedes betrieben zu haben. Denn während Werke über Werke erscheinen, welche die alten Melodien der hebräischen Texte immer von neuem bearbeiten oder auch diese Texte von neuem componiren, ist das deutsche Lied noch durchaus vernachlässigt und wir müssen immer noch zu fremder Aushilfe greifen. Die wenigen Arbeiten von Lewandowsky, Breslauer u. a. machen eine rühmliche Ausnahme, genügen aber selbstverständlich dem gesummten Bedürfnisse nicht. Wir empfehlen daher die fleißige und geschickte Arbeit des Herrn Fischer, der übrigens noch einen zweiten und dritten Band seines Werkes verspricht, sehr der Beachtung. — Das Itodtz Werk ist aus Paris: iBip Nouveau recueil de chanls reiigieux a Tusage du culLe israiilite, contenant 96 cantiqiies, psaumes, hymnes et aneiennes recitalicms ü 2, 3 et 4 parties. S. Naumbourg, Ministre- Officiant au templc consistorial de Paris. 1864. Der durch sein früheres musikalisches Werk auf diesem Gebiete bereits rühmlich bekannte Herr Naumburg hat hier abermals in 96 Nummern ein A.don Olam, die Gesänge zu Freitag Abend, Sabbath Vormittag und Minchah für Chasan und vierstimmigen Chor componirl. Eme Nummer ist von Löwe, drei von Halevy componirt. Ueber den Werth einiger dieser Pieren hat sich Rossini sehr anerkennend ausgesprochen und deren Widmung angenommen. — Die früher in vier Bänden erschienenen Sippurim, herausgegeben von Wolf Pascheles in Prag, eine Sammlung von Erzählungen und Legenden, sind wieder auferstanden, und zwar bereits fünf Hefte. Die darin enthaltenen Erzählungen sind natürlich von verschiedenem Werthe — bis jetzt zeichnet sich der Inhalt der neuen Hefte nicht durch Originalität aus: mittelalterliche Verfolgungen, moderne Blut- und Liebesgeschichten zwischen Juden und Christen u. dgl. — Dieselbe Buchhandlung hat auch bereits ihren „Jllustrirten israelit. Volkskalender auf 5625" erscheinen lassen und enthält derselbe mannigfaches Gutes. — Zum Schlüsse wenden wir die Aufmerksamkeit der Leser noch aus zwei soeben erschienene interessante Schriften des Rabbinen Dr. M. Duschak zu Gaya: ,,-nTi ‘ie Flavius Josephus und die Tradition. Wien, 1864", und „Das mosaischtalmudische Eherecht mit besonderer Rücksicht auf die bürgerlichen Gesetze. Wien, 1864." Beide Werke — das erstere erschien mit Subvention des Instituts zur Förderung der israel. Literatur — werden wir ausführlich besprechen. — Bonn, 1. Juli. Die herzlichen Ausdrücke des Dankes und des Beifalls, welche uns von so vielen Seiten für unser „Neues israelitisches Gebetbuch" zukommen, oft von Stellen, wo wir es kaum erwartet hatten, und der rasche Absatz auch der zweiten Auflage desselben verpflichten auch uns zum Danke und werden wir dauernd diesem Werke unsere Aufmerksamkeit zuwenden, weshalb uns jede Bemerkung zu Verbesserungen und Erweiterungen willkommen sein wird. — Wie man uns aus Frankfurt a/M. mittheilt, wird von dort in dem Mainzer Blatte von einem Hirschianer ein Schmähartikel erscheinen. Dies ist uns lieb, es würde uns unangenehm betroffen haben, wenn es nicht geschehen wäre. Weitere Beachtung können wir aber dieser verkappten Lobrede nicht schenken. — Dr. P h. Bonn, 1. Juli. In No. 15 und 16 haben wir das neueste Werk von David Strauß besprochen und ihm die auffallende Schwäche nachgewiesen, die Strauß sowohl in der Kenntniß als in der Auffassung des Juden! h ums, noch mehr unserer h. Schrift erweist. Soeben kommt uns eine Broschüre zu, welche dasselbe thut in größerer Ausführlichkeit: „Die alten Propheten u. Schriftgelehrten und das Leben Jesu für das deutsche Volk von Dr. David Strauß, Randbemerkungen von Dr. Jacob Weil. Frankfurt a/M., 1864." Der Verfasser, ein alter bewährter Kämpe, der, ein Jahr vor dem Beginn der französischen Revolution geboren, ein so reiches Leben hinter sich hat, zeigt in diesem Schriftchen (20 S.) nicht blos, daß er noch heute ein lebendiges Interesse an dem Ringen nach Wahrheit und Recht hat, sondern auch, daß ihm an Frische des Geistes, an Umsicht und Scharfsinn noch nichts verloren gegangen. Daß er hingegen an Milde des Urtheils, an versöhnlichem Geiste gewonnen, gibt sich an mehrfachen Stellen kund. Er vergleicht" zu Anfang seiner Schrift Strauß mit Lessing, deutet aber darauf hin, daß sie sich darin unterscheiden, daß Lessing jedes vorgefaßte Borurtheil in sich zu bekämpfen und die ihm vorliegenden Gegenstände vollständig zu er-