Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1864)
- Date
- 1864-07-05
- Page
- Seite 437 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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437 gern bereit ist, dieselben zu allgemeiner Kenntniß zu bringen. Der jetzige Curator der Anstalt, Herr Rittergutsbesitzer Löb auf Caldenhofs bei Hamm, der schon in den letzten Lebensjahren des sel. Professor Haindorf wegen dessen Kränklichkeit die Leitung des Vereins übernommen, hat auch seither dieselbe mit vieler Umsicht fortgeführt und die Wirksamkeit desselben nicht nur auf dem bisherigen Standpunkte zu erhalten, sondern auch noch womöglich zu erhöhen sich bestrebt. In den beiden letzten Jahren war derselbe aber auch bemüht, der Anstalt eine festere Grundlage dadurch zu verschaffen, daß derselben die Rechte einer juristischen Persönlichkeit zuerkannt würden. Zu diesem Zwecke liegt gegenwärtig den höheren Behörden ein Statut vor und ist gegründete Aussicht vorhanden, daß jenes Ziel in kurzem erreicht wird. Wie sehr Herrn Lob das Gedeihen der Anstalt am Herzen liegt und er den Wünschen der Gemeinden in allen Beziehungen gerecht zu werden sucht, geht ferner daraus hervor, daß derselbe die Verantwortlichkeit der Leitung in Zukunft nicht mehr allein tragen, sondern sich einem Curatorium von 4 Mitgliedern, aus der Wahl der Gemeinden hervorgegangen, beigesellen will, dem alle Obliegenheiten übertragen werden sollen, die er bisher allein zu erfüllen hatte. In dieser Hinsicht fand gerade der Entwurf des erwähnten Statuts die meiste Schwierigkeit, einestheils in Anbetracht der nothwendig zu erfüllenden Wünsche des Gründers der Stiftung, andererseits aber auch, um den Gemeinden die nothwendige Einwirkung bei der Wahl des Curatoriums offen zu halten. Es sollen dem Statute gemäß die sämmtlichen jüdischen Gemeinden Westfalens uud Rheinlands, und zwar jede Gemeinde eine Person zu den Mitgliedern und Stellvertretern des Curatoriums, welches unter die Oberaufsicht des Prov.-Schul- CollegiumS gestellt wird, in Vorschlag bringen. Die Mitglieder werden auf 6 Jahre gewählt, alle 3 Jahre scheiden abwechselnd 2 Mitglieder aus, die aber wieder wählbar sind. — So viel für heute in Betreff des neuentworfenen Statuts. Sollte, wie es schon im Plane des Fundators, ebenso des Gründers der Anstalt gelegen, die Anstalt mit Zustimmung des zu wählenden Curatoriums später nach Hamm verlegt werden, so hat Herr Löb derselben eine werthvolle Schenkung, nämlich ein ziemlich großes Grundstück mit Gebäulichkeiten zugedacht. Letztere Mittheilung, wiewohl mir nur privatim erst in diesen Tagen gemacht, will ich doch um so weniger zurückhalten, als aus ihr am besten ersichtlich, von welcher Gesinnung Herr Löb gegen unsere Anstalt beseelt ist und ob unser Vertrauen auf eine weitere gedeihliche Entwickelung der Vereinsangelegenheiten ein gerechtfertigtes ist. Mögen nur auch die jüdischen Bewohner beider Provinzen nach Kräften dahin wirken, daß der Anstalt auch die Mittel geboten werden, um ihr Hauptziel, die Ausbildung der Lehrer ihrer Jugend, mehr und mehr zu erreichen; denn nur einmüthiges, aufopferungsfähiges Mitwirken aller kann unser Bestreben mit schönen Erfolgen krönen. Dr. Steinberg. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, im Juni. Der israelitisch-ungarische Verein „Izraelita Magyar Egylet“ hat über die von ihm zurückgelegten ersten drei Jahre seiner Thätigkeit einen Bericht veröffentlicht, und zwar in deutscher und ungarischer Sprache, in welchem er zuerst seinen Zweck darlegt und rechtfertigt und alsdann seine Leistungen bespricht. Auch in diesen Blättern ist dieser Verein stets gewürdigt und in seiner Verdienstlichkeit anerkannt worden, sobald die von ihm vertretenen Bestrebungen nicht fanatisch und exclusiv wurden. Man braucht durchaus nicht Magharomane zu sein, um die innere und äußere Nothwendigkeit zu begreifen, daß die jüdische Bevölkerung Ungarns, soweit dies magyarisch ist, sich die magyarische Sprache für Schule und Leben aneignen müsse, weil sie sonst dem Cultur- und bürgerlichen Leben des Volkes fremd bliebe. Gegenwärtig, wo wir Juden integrirender Theil des Volkes sein wollen und wo die vollen bürgerlichen Rechte uns nicht mehr abgesprochen und vorenthalten werden können, müssen wir hiernach streben. Keinenfalls aber kann dies wie mit Dampfkraft geschehen; es dürfen die Wur- O zeln der Bildung, aus denen wir bis jetzt erwuchsen, und diese waren das Hebräische und Deutsche, nicht mit einem Male abgeschnitten und alle diejenigen verfolgt werden, welche diesem Ziele nicht so rasch nahekommen können. Doch lassen wir dies. Die erste Sturm- und Drangperiode des israelitischen Magyarenthums ist vorüber, und um so unumwundener können wir auch den gedachten Verein begrüßen. Ueber seine bisherigen Leistungen lassen wir den Verein sich selbst folgendermaßen aussprechen: „Während der jüngsten drei Jahre haben mehr denn 400 Schüler — darunter auch mehrere Nichtjuden — 28 **