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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-05 · Heft 28 (5.7.1864) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 28 (5.7.1864)
Date
1864-07-05
Page
Seite 436 (sequence 10)
Language
German
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436 gaben." Die Verfasserin der „Jenny" war bereits in früher Jugend zum Christenthum übergetreten, hat aber in diesem Romane wie in vielen ihrer späteren Werke, besonders in ihrer vielgelesenen Selbstbiographie, die höchste Achtung vor der Sittenreinheit des jüdischen Familienlebens und einen edlen Zorn gegen alle bornirten oder nichtswürdigen Anfeindungen des Judenthums an den Tag gelegt. Ich mag nicht in Abrede stellen, daß in einer ihrer Schriften möglicherweise behauptet wird, die mosaische Religion kenne nicht die Lehre von der Unsterblichkeit, oder das Jndenthum theilc nicht den Begriff einer göttlichen Vorsehung, wie ihn das Christenthum aufstelle; aber wenn sie dies behauptet, so hat sie es gewiß in ganz objectiver Weise, ohne Haß und Vorurtheil, gethan — vielleicht auch nur, um ihre eigenen nichts weniger als dogmatisch christlichen Ansichten über Gott und Religion zu rechtfertigen. Mit ihrem Oheim, August Lewald, einem kindisch gewordenen Greise, der-vor einigen Jahren zum zweitenmale die Religion gewechselt und katholisch, vielleicht auch Jesuit geworden, mit dem Verfasser des abgeschmackten Romans „Clarinette", darf Fanny Lewald in keiner Hinsicht irgendwie in Parallele gebracht werden. Joseph Lehmann. Mit Vergnügen nehmen wir obige Bemerkungen des auch von uns verehrten Redakteurs des „Magazins für die Literatur des Auslandes" auf. Da sie sich aber auf eine von der Redaction selbst ausgegangene Note beziehen, so müssen wir Folgendes hinzufügen. Das absprechende Urtheil über die Unsterblichkeitslehre im Judenthume findet sich gerade im ersten Bande der Selbstbiographie und das über die Vorsehungslehre in dem letzten, im Feuilleton der kölnischen Zeitung veröffentlichten Romane „Von Geschlecht zu Geschlecht." Wenn wir diese Art Schriften mit denen früherer Jahrhunderte verglichen, so hätten wir uns allerdings etwas deutlicher auösprechen sollen. Wir schreiben der Frau Fanny Lewald keine judenfeindlichen Absichten zu, wohl aber spricht sich wiederholt in ihren Werken das Motiv aus, den Abfall vom Judenthume nicht blos zu beschönigen und zu rechtfertigen, sondern plausibel zu machen, als etwas ganz Natürliches hinzustellen und die Behinderung daran nur als von Umständen und Verhältnissen verursacht nachzuweisen. Dies zeigt sich sogar als Tendenz in einigen ihrer Schriften. Mag sie also durchaus keine Feindin der Juden sein, so ist sie doch die des Judenthume, und da sie, wie sie selbst ausspricht, alles Religionsunterrichts in ihrer Jugend entbehrte, so durfte sie sich selbst kein kompetentes Urtheil darüber zutrauen. Stimmt sie in ihren Ansichten mit ihrem jetzigen ReligionSbekenntniß auch nicht überein, desto schlimmer für sie. Nachdem eine Zeit lang die Juden zu Personnagen auf dem Theater sich hergeben mußten, ist es jetzt Mode bei den dentschen Romanschreibern, Juden eine Rolle spielen zu lassen, und es erscheint fast kein Roman, wo nicht, und wenn sie mit Haaren herbeigezogen werden sollen, ein Jude oder eine Jüdin austritt, und wie werden diese da gezeichnet? Entweder sie sind sittliche Mißgeburten oder ästhetische Krüppel, oder religionslose Subjekte, oder in trostlosen Aberglauben versunkene Fanatiker. Sollen wir dessen uns nicht wehren? Sollen wir für solche Schilderungen noch dankbar sein? Alle diese Schriften gehen täglich durch Tausende von jüdischen Häusern, werden von der jüdischen Jugend gelesen und oft sehr schlecht verdaut. Haben wir da nicht die Pflicht, soweit es in unseren schwachen Kräften steht, davor zu warnen? Da nun, wo die Juden aus dem Pinsel solcher Sittenmaler als Carricaturen hervorgehen, hat es allerdings nichts zu sagen und wir können lächelnd darüber hinweggehen. Wo aber von der einen Seite vertheivigt und gelobt, von der andern Seite aber mit täppischer Hand in das Heiligthum unserer Religion hineingegriffen und es vor den Augen der Welt und unserer Jugend entstellt und entweiht wird, da dürfen wir allerdings nicht ganz schweigen. Die Redaktion. Bon», im Juni. (Privatmitth.) Die öffentlichen Blätter enthalten folgende Notiz: „Nach den amtlichen statistischen Tabellen vom Jahre 1863 erreicht die Zahl der Juden in Preußen eine halbe Million, während sie 1847 erst etwa 200,00V betrug." — Es beruht dies aus einem Jrrthume, denn die jüdische Bevölkerung Preußens beträgt jetzt eine Diertelmilliou. Münster, 19. Juni. (Privatmitth.) Cs wird den vielen Freunden des hiesigen jüdischen Seminars in Westfalen und Rheinland lieb sein, über den Fortbestand desselben seit dem Ableben des Gründers der Anstalt, des Professors vr. Haindorf, ein Näheres zu erfahren, weshalb der Unterzeichnete, der in den Stand gesetzt ist, folgende erfreuliche Wittheilungen zu machen,

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