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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-05 · Heft 28 (5.7.1864) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 28 (5.7.1864)
Date
1864-07-05
Page
Seite 434 (sequence 8)
Language
German
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Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Rheinhessen, im Juni. (Privatmitth.) Es hat sich jetzt ein Comite zu einem „Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Witwen und -Waisen in Deutschland" gebildet, aus dessen Aufruf wir Folgendes herausheben: „Es gibt wohl für uns als Menschen und als Israeliten keine heiligere Angelegenheit, keine Aufgabe, deren Erfüllung das Interesse aller in so hohem Grade ansprechen und daher ein Zusammenwirken aller mehr erfordern könnte, als die Sorge für unsere Schulen, für unsere Lehrer. Er ist das leibliche und geistige Wohl unserer Kinder, unserer Zukunft, daö hier uns nahe tritt. In dieser Erkenntniß arbeiten die Gebildeten vereint an der Hebung und Besserstellung des lange noch nicht genügend gewürdigten Lehrer st andes, von dem die Hebung der Schule abhängt. Als eine der ersten und dringendsten Pflichten in dieser Richtung muß uns daher die Sorge für die in der Erfüllung ihres Berufes ergrauten, durch Alter und Krankheit dienstunfähig gewordenen Schulmänner und insbesondere ihrer Hinterbliebenen Witwen und Waisen erscheinen. — riMoeri □•'mm — Witwen und Waisen! Gott hat in so vielen Aussprüchen unserer heiligen Schriften sich den Annehmer der Witwen und den Vater der Waisen genannt, damit auch wir uns derselben, als der Aermsten der Armen, mit liebendem Herzen annehmen, ihnen väterliche Theilnahme zuwenden, ihnen unsere ganz besondere Fürsorge angedeihen lassen sollen. Und nun gar die Witwen und Waisen derjenigen, die, während sie ihr Leben dem Dienste Gottes und der Menschheit widmen, kaum im Stande sind, genügend für die Ihrigen zu sorgen, um wie viel weniger, ein Erkleckliches für sie zurückzulegen und zu hinterlassen. Gewiß, wenn wir dem Lehrer die zu seinem heiligen und schweren Berufe so unumgänglich nöthige Gemüthsruhe gönnen wollen, kann es nur dadurch geschehen, daß wir eine Anstalt schaffen, die ihm und den Seinigen Stütze und Hilfe in der Noth biete. In Anerkennung dieser Verhältnisse gibt es wohl in den meisten, wenn nicht in allen deutschen Landen von Staatswegen Pensions- oder Witwen- und Waisenanstalten für Lehrer. Allein, abgesehen davon, daß diese Hilfe zumeist eine sehr beschränkte, durchaus nicht zureichende ist,*) sind auch in vielen deutschen Staaten die israel. Lehrer überhaupt und die für unser Religionsleben so wichtigen Religionslehrer überall von jener Wohlthat ausgeschlossen. In neuester Zeit sind darum auch in einzelnen Provinzen und Ländern derartige israelitische Anstalten gegründet und in Aussicht genommen worden. Für den Sachverständigen bedarf es jedoch keiner Erläuterung, daß und warum solche Anstalten nur dann Gewähr für Dauer und ausreichende Hilfeleistung darbieten, wenn sie eine recht große Zahl von Teilnehmern vereinigen und sich innerhalb bestimmter Grenzen über ein möglichst großes Gebiet erstrecken. Wir nennen von vielen Gründen nur den einen, daß nur dadurch eine solche Anstalt entmuthigenden, unglücklichen Zufällen entrückt ist und eine sichere Durchschnittsberechnung ermöglicht wird. Ebenso dürfte es als ausgemacht gelten, daß, wenn ein solches Unternehmen sich ausschließlich oder doch größtentheils auf die Beiträge der ohnehin dürftig genug besoldeten Lehrer stützen müßte, auch mit Aufbietung aller Kräfte sich ein nur sehr zweifelhafter Erfolg Herausstellen könnte. Aus diesen Gründen hat sich das Unterzeichnete Comite gebildet, um die zersplitterten Kräfte zu sammeln und eine über ganz Deutschland hin sich erstreckende Anstalt zu gründen, welche sich zunächst wohl auf die „Selbsthilfe" der Lehrer, in weiteren Kreisen aber auf die Theilnahme edler Glaubensgenossen und Menschenfreunde stützen soll. Zu diesem Behufs rechnen wir auf literarische Unternehmungen überhaupt, insbesondere aber auf die Herausgabe eines Kalenders und Jahrbuchs für Israeliten. Zur ersten Begründung eines nöthigen eisernen Fonds rufen wir daher die Wohlthätigkeit bemittelter und hochsinniger Israeliten hiermit wiederholt auf. Bereits ist, wenn auch ein bescheidener, doch erfreulicher Anfang**) gemacht, und bauen wir sicher auf die gött- *) Es werden z. B. in Kurheffen einer Lehrerwitwe in erster Claffe 5, in zweiter Elaste 4 und in dritter 3 Thlr. jährlich von Staatswegen gegeben. **) Insbesondere verdanken wir der Munificenz des Hrn. Baron James v. Rothschild in Paris die Summe von 50 V Frcs.

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