Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1864)
- Date
- 1864-07-05
- Page
- Seite 433 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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433 und hebt ihre Schuldhaftigkeit auf. Das ist kein Widerspruch, sondern im Gegentheil die höchste Lehre und die Wahrheit. Noch mehr. Hr. W. lese das Buch Hiob' noch einmal. Da wird er schon die Widerlegung jener alten Meinung, daß alles Uebel, das dem Menschen begegnet, die Folge seiner bösen Thaten, alles Gute die Folge seiner guten Handlungen sei, finden. Das Leben erweist dies hundertfach. Wie oft bringen wir bei der besten Absicht durch Jrrthum die traurigsten Folgen herbei, durch die wir unser und der unserigen Lebensglück vernichten, und wie oft schafft die abscheulichste Absicht durch denselben Jrrthum segensreiche Wirkungen! Wie? Ist der Jrrthum ebenso strafbar wie die böse Absicht, und vermag er andererseits die gute Absicht zu ersetzen? Hrn. W.'s System führt auf die alte Brandmarkung jedes Unglücklichen als eines Sünders und die Anerkennung jedes Glücklichen als eines Tugendreichen zurück. Wir werden uns also wohl veranlaßt finden, alle die vielen Stellen noch ferner in der Thora stehen zu lassen, die Hr. W. streichen gewollt. Diese Beispiele mögen hier genügen, die Kritik des Vers, zu charakterisiren und in ihrer Schwäche zu zeigen. Daß ein System, welches auf so gebrechliche Grundlage gebaut ist, auf irgend eine Objectivität keinen Anspruch machen kann, ergibt sich von selbst. Wir erkennen gern an, daß Hr. W. in dem folgenden ausführlichen Capitel über daS Fundamentalgesetz Mose's manche richtige Bemerkung, manche geistreiche Beobachtung ausspricht. Aber der parteilosesten Beurtheilung wird die ganze Darstellung voller Einseitigkeiten erscheinen, wozu kommt, daß es an einer systematischen Darstellung, an festem Zusammenhang gebricht. — (Fortsetzung folgt.) Am 14. Jjar (23. Mai) verschied der allgemein verehrte Rabbiner Herr Gabriel Cohn in Samter, der Nestor der deutschen Rabbiner, im Alter von 8V Jahren. Rabbi Gabriel Cohn, im Jahre 5644 a. m. ta Wreschen geboren, war schon in seinem 13. Lebensjahre ein für die Jeschibah reifer Jüngling und ging nach Posen, wo er mit unermüdetem Eifer zu den Füßen der großen Lehrer in jener Hauptgemeinde, des p'iLr, riov und cpti Dinas ’ai saß. Im Alter von 24 Jahren verheirathete er sich nach Gnesen und Tag und Nacht dem Studium des Talmud ergeben, verwaltete er hier bis zu seinem 31. Lebensjahre zeitweise, noch bei Lebzeiten des bekannten Rabbi Joel Heilfron, das Rabbincramt. Bon Gnesen wurde er nach Tirschtiegel als Rabbiner berufen, wo er 16 Jahre segensreich wirkte und dann einem Rufe als Rabbiner der Gemeinde Samter folgte. In dieser Gemeinde wirkte er bis zu seinem Ende 33 Jahre lang so friedlich und heilbringend, daß er stets die allgemeine Liebe und Werthschätznng besaß. In beiden Gemeinden hatte er große Jeschiboth, aus denen Talmudisten und Rabbinen von echtem Schrot und Korn hervorgegangen sind. Durch eine edle, wahrhaft schöne Gesichtsbildung, verbunden mit der höchsten Sauberkeit und stets würdigem Aeußern waren Körper und Seele des Verblichenen in inniger Harmonie vereint, und dies machte ihn zu einer imposanten Erscheinung. In Demuth, Wohlthätigkeit und Friedensstistung zeichnete er sich aus. Mehrere rabbinische Schriftwerke, darunter ein wegen seiner Geradheit der Auffassung und Eleganz im Ausdrucke sehr beliebter Commentar zur Gedah, sind von ihm verfaßt und mit vielem Beifall ausgenommen worden. Auch seine übrigen Werke athmen denselben ästhetischen Geist. Der in unseren Tagen gewiß seltene Mann entschlief sanft infolge seiner Altersschwäche, ohne auch nur von einer Krankheit geplagt worden zu sein, np'w:a nrv'7:* Sein Leichenbegängniß bekundete die achtungsvolle Theilnahme und Anhänglichkeit nicht nur der seiner geistlichen Obhut unvertrauten Gemeinde, sondern auch andere Confessionen aus allen Ständen und selbst die hervorragendsten Persönlichkeiten unserer Stadt und Umgegend eilten herbei, um dein Dahingeschiedenen den letzten Liebesgang zu erzeigen. Nur seine christlichen College«, die Ortsgeistlichen, waren unsichtbar. Seine Collegen aus Obrzhtzko, Wronke, Obornik und ein hiesiger Freund hielten tiefergreifende Worte an der Bahre. Bevor der Leichnam in die Gruft gesenkt wurde, hielt der Sohn des Dahingeschiedenen, Kaufmann I. S. Cohn aus Schönlanke, ein Gebet in hebräischer Sprache.