Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1864)
- Date
- 1864-07-05
- Page
- Seite 431 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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431 feit gehoben werden. Auch die Errichtung einiger Schulen nach europäischem Schnitt mit europäischen Lehrern, die nicht einmal die Landessprachen sprechen, kann wenig nützen und bewegt die Masse selbst nicht von der Stelle. Möge man diese meine Auslassung, die ich auch noch specieller ausführen könnte, nicht unberücksichtigt lassen! vr. Rares, kais. ottoman. Contumazarzt. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 27. Juni. MoYse et le Talmud par Alexander Weill. (Fortsetzung.) Herr Weill erachtet den Pentateuch, sowie er uns vorliegt, nicht ganz von Moses verfaßt. Aber er hält ihn nicht etwa aus verschiedenen Documenten zusammengesetzt, oder dieses oder jenes Buch für authentisch und die übrigen nicht, wie die andern Kritiker, sondern nur im Interesse der Priesterkaste von Esra oder den Pharisäern bald hier bald dort interpolirt. Dies ist nun eine sehr bequeme Ansicht, denn man kann nun bestimmte Sätze und Ansichten für echt mosaisch ausgeben und alles, was in diesen Kram nicht paßt, für eingeschoben erklären. Man macht sich einen beliebigen Moses zurecht und streicht aus, was sich hierfür nicht eignet. Schon das Motiv, das Herr W. angibt, ist ein völlig falsches. Denn wenn eine Priesterkaste zu ihren Gunsten den Pentateuch interpolirt hätte, so würde sie sich doch ganz anders versorgt haben, als sich zu der politischen Ohnmacht, zu dem Mangel an Grund- und Bodenbesitz und zur Abhängigkeit von den durch keinen Steuerexecutor einzutreibenden Gaben des Volkes zu verurtheilen, wie es in der Thora geschieht. Herr W. hat natürlich seine Beweise und er ist bescheiden genug, sie so stark zu finden, daß kein „vernünftiger Mensch" sie anders zu finden „nur versuchen werde." Es thut uns leid, demnach uns unter die unvernünftigen Menschen des Hrn. W. rangiren zu müssen. Nun hält zwar unser Autor die Talmudisten für ziemlich unvernünftige Leute, aber so viel Vernunft haben sie doch gehabt, seiner (des Herrn W.) Meinung zu sein. Weil nämlich ein Rabbi gesagt, Esra wäre auch würdig gewesen, die Thora von Gott zu empfangen, und weil es einmal eine Streitfrage war, ob Koheleth und Ezechiel in den Kanon ausgenommen und dem allgemeinen Publicum in die Hände gegeben werden sollen (denn das heißt doch 735, nicht aber vernichten), so gilt dies Hrn. Weill als Beweis, daß der Talmud den Pentateuch für interpolirt ansieht! Wir können hier nicht auf sammtliche Argumente des Verf. eingehen, sondern nur einige hervorheben. Im 5. Buch Mos. spreche Moses in erster Person, in den vier ersten in der dritten Person. Aber kündigt das 5. Buch alle die Stücke, welche in der ersten Person lauten, nicht als Reden Mosens an das Volk vor seinem Tode an? Tragen diese Stücke nicht vollständig den Charakter als Reden an das Volk formell und sachlich an sich? Sind nicht daher auch 5 Mos. 1, 1—5. 4,41—49. 5, 1. 31, 1. 2. 7. bis zum Ende des Buches in der dritten Person abgefaßt? Der Grund ist also nicht im entferntesten stichhaltig, aber wenn er es wäre, müßte dann nicht Hr. W. entweder die vier ersten oder das fünfte Buch für untergeschoben erklären? Aber er thut dies nicht, sondern citirt frischweg aus allen Theilen, was ihm mosaisch scheint. Ferner: das 732 (4 Mos. 12, 3.) könne Moses nicht von sich gesagt haben, ist ein längst abgenutztes Argument. Hr. W. will zwar alle deutschen Exegeten kennen, wie er S. 5 behauptet, wir hegen aber bescheidene Zweifel daran, denn er hätte dann aus den Untersuchungen über die wirkliche Bedeutung des 735' erfahren, daß es an allen Stellen einen Niedergedrückten, Hilfsbedürftigen bedeutet, der, ergeben in Gottes Willen und Fügung, keine Feindseligkeit wider die Menschen hegt, sondern von Gottes Hand Abhilfe erhofft. Es paßt daher dieses Wort genau zur Situation, die auch schon im vorhergehenden Capilel angedeutet worden. (Siehe den Erweis in unserm Bibelwerk z. St.) Weil die Schrift verbietet, Zauberer in Israel zu dulden und solche, wie auch Wahrsager, Wolkendeuter, Todlenbeschwörer u. s. w., zu befragen, erklärt Hr. W. alles, waS von Wundern in der Schrift berichtet, für eingeschoben. Folgerichtig hätte er auch alles streichen müssen, wo von Propheten und der Prophetie die Rede ist, denn wie die Wunder zu den Zauberern, so verhalten sich die Propheten zu den Wahrsagern. Zum Unglück beruft sich aber Hr. W. selbst als echt mosaisch auf das, was über die Propheten von Moses gesagt wird, und geräth so, statt einen Widerspruch zu erweisen, selbst mitten in einen solchen. Er beruft sich dabei auf den Ausspruch 5 Mos. 30, 11.: „Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, nicht zu wunderbar ist es für dich und nicht fern ist es u. s. f." Hier ist aber nur von N722 die Rede, und was hat dies mit den Wundern zu schaffen? — Hr. Weill hat keine Ahnung davon, daß man zwischen den