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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-28 · Heft 27 (28.6.1864) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 27 (28.6.1864)
Date
1864-06-28
Page
Seite 420 (sequence 10)
Language
German
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420 gemeinde zugehörten, und ließen sich an einem andern, in welchem ebenfalls eine israelitische Cultusgemeinde besteht, nieder. Von einem solchen israelitischen Individuum fordert nun nicht nur diejenige Cultusgemeinde, von welcher dasselbe hinweggezogen, sondern auch noch diejenige, in deren Ort oder Bezirk es sich niedergelassen hat, jede besonders den dieSfälligen Beitrag, und wenn dann von einem derartig doppelt belasteten Israeliten wegen dieser Unzukömmlichkeit Beschwerde geführt wird, wird er damit zurückgewiesen; es liegen beispielsweise zwei behördliche Entscheidungen vor, wovon die eine anordnet, daß Bittsteller verpflichtet sei, den Cultusbeitrag an diejenige Cultusgemeinde, in deren Rayon er ehemals wohnte, deren Cultus-Jnstitutionen er doch durch seine Uebersiedlung nicht mehr benutzen kann, zu zahlen; die andere aber verfügt, daß man einen solchen zu erlegen hat dort, wo man sich etablirte. Ein solcher Israelit ist demnach verhalten, in einem und demselben Jahre an zwei Cultusgemeinden mitunter oft namhafte Beträge bei Executions-Vermeidung zu entrichten. Läßt sich dies wohl mit den Begriffen von Recht und Billigkeit vereinbaren? F—r. Der gerügte Uebelstand geht aus den mißlichen Verhältnissen der Landgemeinden hervor, aus welchen durch die jetzt vergönnte Freizügigkeit sich viele Mitglieder in anderen, namentlich größeren Städten ansiedeln, wodurch jene in ihrem Budget, ihren Verpflichtungen gegenüber, äußerst gefährdet sind. Andererseits kann aber der gerügte Zustand kein bleibender sein und es ist um so wünschenswerther, daß diese Gesetze bald gerichtlich geregelt werden. Aus Südungarn, 6. Juni. (Privatmitth.) Große Sensation hat in allen Kreisen Oesterreichs die Wahl des Mathematikers Koralek zum Lehrer des „Kindes von Frankreich" gemacht Herr Philipp Koralek ist in Kollin in Böhmen von israelitischen Eltern geboren und mußte wegen seiner Religion den Wanderstab ergreifen, da er natürlich als Jude in seinem Vaterlande nicht einmal in einer bescheidenen Realschule eine Anstellung hätte erlangen können, weil, wie z. B. Herr Schulrath K .. meint, man selbst in der Arithmetik Beispiele aus dem Neuen Testamente nehmen müsse. Das Concordat verbietet aufs strengste den Katholiken, ihre Kinder in jüdischen Schulen oder von jüdischen Lehrern unterrichten zu lassen, und die betreffenden §§. werden selbst von dem größtentheils liberalen Klerus in Ungarn strenge gehandhabt. So besuchen z. B. viele Protestanten und gr. n. Unirte die jüdischen Volksschulen; aber den katholischen Kindern ist der Zutritt trotz des Wunsches und Verlangens der Eltern verwehrt, weil die Lehrer sich die größten Unannehmlichkeiten dadurch zuziehen würden! Ich könnte Ihnen hierüber, Herr Redacteur, viele Beispiele anführen, doch wir übergehen dieses Thema, oxempla sunt odiosa. *) Pesth, 16 Juni. (Privatmitth.) Leider kann ich Ihnen aus zuverlässiger Quelle mittheilen, daß der ganze Entwurf zur Gründung eines Rabbinerseminars wieder ad acta gelegt worden ist. Ich kann mit Recht Ihnen sagen, daß Ihre in so gemäßigter Weise vorgetragenen Bemerkungen großen Anklang gefunden haben. Ob aber die grenzenlosen Gehässigkeiten, die sich auch an dieses Vorhaben sofort knüpften und die besonders in den beiden jüdischen Journalen Oesterreichs eine Ablagerung fanden, nicht den größten Theil der Schuld tragen, daß nunmehr gar nichts zu Stande kommt, will ich weder behaupten noch verneinen. Jene Journale haben ihrer Aufgabe vergessen. Statt das Volk zu belehren, reizten sie es zu Zank und Hader an, statt zu versöhnen, hetzen sie die Parteien gegeneinander auf. Unter solchen Umständen scheinen die Dinge hier zu Lande allerdings noch nicht reis genug zu sein, um dauernde Institute zu gründen. Ne«-Werbaß (Ungarn), im Juni. (Privatmitth.) Hochgeehrter Herr Redacteur! In dem literarischen Wochenberichte der diesjährigen No. 4 Ihres weitverbreiteten Blattes empfiehlt Herr Emil Breslaur zwei neu erschienene Jugendschriften von Lina Morgenstern, mit dem Zusatze: „daß man alle Werke dieser geschätzten Schriftstellerin jedem jüdischen Kinde dreist in die Hände geben könne, ohne zu fürchten, etwas Antijüdisches vorzufinden." Höchst erfreut, eine jüdische Schriftstellerin warm empfohlen zu sehen, die dem leider noch so spärlich bebauten Felde der jüdischen Jugendschriften-Literatur ihr reiches Talent widmet, bestellte ich die in jener Recension ebenfalls angepriesene „Storchstraße" für meine Zög- *) Einige Mittheilungen über Hrn. Prof. Koralek bringt das „Jüdische Volksblatt." Redact.

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