Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 27 (28.6.1864)
- Date
- 1864-06-28
- Page
- Seite 419 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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419 notier gespendet worden, hätte sich nicht gedacht, daß diese vor sich gegangen, kurz nachdem den Israeliten daS passive Wahlrecht genommen worden!) Preußen. Berlin, 12. Juni. Hier in Berlin hatte sich ein Ausschuß gebildet, der namentlich den Invaliden des jüngsten schleswig'schen Krieges im Curorte Marienbad Pflege gewähren, diese Wohlthat aber nur den Bekennern aller christlichen Confessionen zukommen lassen wollte. Hiergegen bildete sich ein anderer Ausschuß, an dessen Spitze einer der Vorsteher der hiesigen Synagogen-Gemeinde und KaufmannschaftS-Aeltesten, Stadtrath Magnus, trat und erklärte, daß er gar keinen Grund sehe, Lei Erzeugung solcher Wohlthaten Glaubens-Unterschiede zu machen, und deshalb die Aufforderung zu Beiträgen mit dem Zusatze erließ, daß diese ohne Unterschied des Glaubens verwandt werden sollten. Diese Aufforderung hatte ein so glänzendes Ergebniß, daß der Ausschuß bereits dem consultirenden Generalarzte des preußischen combinirten Armeecorps, Geheimenrath Prof. Dr. Langenbeck, eine bedeutende Summe behufs der Absendung der der Cur benöthigten Krieger zur Verfügung gestellt und außerdem die Invaliden, welche die Moorbäder Marienbad's gebrauchen sollen, aufgefordert hat, sich unmittelbar mit den nöthigen Ausweisen zu melden. Der zuerst hervorgetretene Ausschuß hat nun auch jene anstößige Clausel fallen lassen. (Von solchen Vorgängen müssen wir sorgfältig Act nehmen, um zu erweisen, daß die Ausschließung in der Regel nicht von den Juden ausgeht, sondern wir uns stets gegen solche zu wehren haben. Bekanntlich sagen dieselben Herren, die uns auszuschließen suchen, hinterdrein, daß wir von einer unbezwingbaren Ausschließungssucht beseelt sind. Die Red. d. A. Z. d. I.) Berlin, Mitte Mai. (Privatmitth.) Bei der neulich stattgefundenen ersten Aufführung von Schülern des Stern'schen Conservatoriums der Musik kam auch ein Psalm von Emil Breslaur, dem Mitarbeiter dieser Zeitung, seit einem Jahre Schüler des Conserva- toriums und Lehrer an der Friedrichstädtischen Religivnsschule des Dr. Landsberger, zur Aufführung. Es ist der 137. Psalm (An Babels Flüssen), den Hr. B. für vierstimmigen Chor componirt und der von den Mitgliedern des berühmten Stern'schen Gesangvereins, unter des Componisten Leitung, mit seltener Präeiston ausgeführt wurde und sich den allgemeinsten Beifall errang. Die bedeutenderen hiesigen Zeitschriften haben sich über diese Composttion mit seltener Uebereinstimmung in höchster Anerkennung ausgesprochen. Berlin, 12. Juni. (Privatmitth.) Ueber die Besetzung der beiden Predigerstellen in hiesiger Gemeinde verlautet immer noch nichts und schon schreitet die Synagoge ihrer Vollendung entgegen, schon ist der Tag der Einweihung (wie wir hören, der erste Tag Rosch-haschanah) festgestellt. Ebenso wenig hört man etwas von den Aenderungen der Liturgie, die das neue Gotteshaus und die Einführung der Orgel bedingen. — Im vorigen Monat fand in Frankfurt a/O. eine große Ausstellung landwirthschaftlicher Maschinen, Geräthschaften, Products u. s. w. statt, an der sich auch viele jüdische Fabrikanten aus Berlin, Stettin, Frankfurt, Breslau als Aussteller betheiligten, und die meisten von ihnen sind theils durch Prämien theils durch belobende Anerkennungen ausgezeichnet worden. — Die neugegründete Handelskammer der genannten Stadt hat den Banquier Moritz Mende zum Vice-Vorsitzenden erwählt. — Der den Lesern dieser Zeitung wohlbekannte Lehrer L. Wehl zu Frankfurt a/O. macht sich um das Bereinswesen dieser Stadt sehr verdient. Er ist einer der Gründer des Handwerker-FortbildungS- VereinS, in dem er von Zeit zu Zeit Borträge hält, die mit vielem Beifall aufgenommeu werden. In letzter Zeit sprach er über Heinrich den Finkler, Hermann den Cherusker, die letzten Karolinger und über Nikolaus Kopernicus. — Derselbe führt auch im Repräsentanten-Collegium des Localsängerbundes den Vorsitz. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Böhmen, im Juni. Die „Presse" enthält folgendes Eingesandt: Es ist Gebrauch, daß ein jedes zahlungsfähige Mitglied einer israelitischen CultuSgemeinde in Böhmen zur Deckung der cultusgemeindlichen Erfordernisse jährlich einen auf dasselbe von seiten einer dazu gewählten Commission repartirten Betrag einzuzahlen hat und im Weigerungsfälle im Executionswege dazu verhalten wird. Seit der gesetzlich gestatteten Freizügigkeit verließen viele Israeliten ihren früheren Wohnort, in welchem sie der dasigen Cultuö- 27