Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 26 (21.6.1864)
- Date
- 1864-06-21
- Page
- Seite 404 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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404 f. Z. über die Ausführung selbst ausführlichen Bericht erstatten, erlauben uns aber heute schon, den interessanten Commissions-Bericht hierneben wörtlich mitzutheilen. „Der Unterzeichneten Commission wurde ein Antrag des Vorstandes der Synagogengemeinde auf völ- '' lige Gleichstellung der jüdischen mit den christlichen Elementarschulen event. auf Erhöhung des städtischen Zuschusses zur Untersuchung und Berichterstattung zugewiesen. Wenn sich nach Ansicht des Vorstandes die jüdische Elementarschule in einer traurigen Ausnahmestellung befindet, so liegt die Schuld keineswegs an der Vertretung der bürgerlichen Gemeinde, da die Gleichstellung jener Schule früher nie beantragt worden ist, die Anträge auf Zuschüsse aus städtischen Mitteln stets bereitwillig nach einem billigen Verhältniß zugestanden wurden und die in der Eingabe beispielsweise erwähnte Theilnahme am Turn-Unterrichte auf die desfallsige Anzeige sofort eingerichtet worden ist. Obschon nun die beantragte Gleichstellung insofern nicht herbeigeführt werden kann, als die jüdische Elementarschule wegen der geringeren Schülerzahl der Civil-Gemeinde einen größeren Kostenaufwand verursachen, den jüdischen Kindern dagegen aus dem nämlichen Grunde einen besseren Unterricht gewähren wird, so glaubt die Commission doch, daß die Stadt im Interesse der bürgerlichen Gleichstellung aller Confessionen das Opfer von einigen 100 Thlrn. nicht ansehen und die Aufnahme der jüdischen Elementarschule in den städtischen Schulverband bewilligen müsse, vorausgesetzt, daß ein billiges llebereinkommen über Local-Miethe, über die Einreihung der jüdischen Lehrer in die Gehaltskasse u. s. w. zu erzielen sein wird, daß jedoch diese neue Ordnung aus Zweckmäßigkeitsgründen erst mit dem t. Januar 1865 zu verwirklichen, dagegen für das lausende Jahr ein der künftigen Einrichtung entsprechender Zuschuß zu entrichten sei. Der Maßslab der Communalsteuer ist in der Eingabe des Vorstandes unrichtig angewandt, bei demselben kommt es nicht auf die Ausgabe sondern auf den Zuschuß für Schulzwecke an. Die Ausgabe beträgt Thlr. 23,170. — Davon gehen Thlr. 8000 Schulgelder der christlichen Schulkinder ab, bleiben also Thlr. 15,170 — Zuschuß aus städtischen Mitteln. Von diesem Betrag kommen zu 3 . 34°/o berechnet Thlr. 506.20, sodann eine Mieth-Entschädigung von Thlr. 200, — also in Summa Thlr. 706.20 auf die jüdische Schule. Dieselbe bezieht einen Zuschuß von Thlr. 350 — und stände also nur mit Thlr. 356 . 20 — nicht wie angegeben mit 463.153/« im Nachtheil. Der Maßstab der Communalsteuer, wenn er auch nach §. 67 des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden berücksichtigt werden soll — ist indessen ein durchaus verkehrter, weil er die bürgerliche Gemeinde einer armen israelitischen Bevölkerung gegenüber zu einem geringen, einer vermögenden zu einem starken Beitrage verpflichten würde, während das gerade Gegentheil im Interesse eines geordneten Schulunterrichts liegt. Dagegen gibt das Zahlenverhältniß der Schulkinder einen ziemlich richtigen Anhaltspunkt. Die jüdischen Kinder machen 2°/v von den christlichen aus; demnach würde die jüdische Gemeinde auf 2"/« von dem erwähnten Zuschuß aus städtischen Mitteln ad Thlr. 15,170 in runder Summe mit Thlr. 300 — und auf ein Quantum von Thlr. 200 für Miethe Anspruch zu machen haben und der Zuschuß von Thlr. 350 auf Thlr. 500 — zu erhöhen sein. Die Commission beantragt demgemäß: Die Stadtverordneten-Vcrsammlung wolle sich damit einverstanden erklären, daß die jüdische Elementarschule vom 1. Januar 1865 ab den christlichen Schulen völlig gleichgestellt werde; sie wollen ferner den Herrn Vorsitzenden ersuchen, die zu diesem Zwecke nöthigen Verhandlungen und Abänderungen vorzubereiten und endlich den Zuschuß der Gemeinde-Kasse für die jüdische Elementarschule pro 1864 von Thlr. 350 auf Thlr. 500 erhöhen." B. Oösterreichisch er Kaiserstaat. Wien, 12. Juni. Die hiesige Judengemcinde veröffentlicht soeben ihren Rechenschaftsbericht, der die alte Fabel, daß sie eine reiche sei, völlig vernichtet, indem sie ein Deficit von 4393 fl. 32 kr. nachweist und die Passiva die Activa um 187,891 fl. 74 kr. übersteigen, was durch den Bau des Bethauses und der besten Flügelgebäude in der Leopoldstadt veranlaßt ist. Dagegen bewährte sich der bekannte Wohlthätigkeitösinn dieser Gemeinde wieder in glänzender Weise, indem an 100,000 fl. an Kranke und Hilfsbedürftige aller Art verausgabt worden sind. — Ein hiesiges Blatt enthält folgendes „Eingesandt": „Mit Beziehung auf eine Notiz in der gestrigen „Morgen-Post", betreffend einen