Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 26 (21.6.1864)
- Date
- 1864-06-21
- Page
- Seite 403 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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403 seiner christlichen wie jüdischen Mitbürger Bevollmächtigter der politischen Gemeinde in Altenstadt und ebenso lange Vorsteher der israelitischen Gemeinde daselbst, ist ein Mann von Geist und Bildung, voll regen Interesses für die Angelegenheiten des Judenthums; und hat sich derselbe ein Verdienst dadurch erworben, daß er durch sein obenerwähntes Ansuchen zur Feststellung des obigen humanen Princips geführt hat. Preußen. Bonn, 8. Juni. (Privatmitth.) In dem Mai- Heft deS „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" finden wir eine Ministerial- Bersügung folgenden Inhalts: „Da die evangelischen Mitglieder der Schulgemeinde N. zur Unterhaltung der dortigen katholischen Schule beitragen, so können sie, wie ich der Gemeinde auf die Beschwerde vom 14. v. Mts. hierdurch eröffne, mit Recht verlangen, daß auch für den Religionsunterricht ihrer Kinder gesorgt werde. Daher war auch die kgl. Regierung zu N. befugt, dem Lehrer, welcher den evangelischen Religionsunterricht ertheilt, eine angemessene Remuneration auf Kosten der Schulgemeinde zu bewilligen. Der confessionelle Charakter der Schule wird dadurch nicht berührt. Berlin, den 21. April 1864. Der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten. In Vertretung: Lehnert." Jedermann wird die Gerechtigkeit dieser Verfügung anerkennen müssen. Aber unwillkürlich drängt sich uns die Frage auf: warum tragen die Juden zur Erhaltung der katholischen oder evangelischen Ortsschule bei, und sie müssen dennoch für den Religionsunterricht ihrer Kinder selbst sorgen und ihn selbst bezahlen? Ist nicht dem einen billig, was dem andern recht? Berlin, 5. Juni. Der ausgezeichnete Botaniker Professor Dr. Pringsheim, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, hat den Ruf an Schleiden's,Stelle nach Jena angenommen und unsere Universität somit verlassen. (In Jena hat also dieser bedeutende Naturforscher eine ordentliche Professur gefunden.) Berlin, 12. Juni. Es ist hier ein vorläufiges Cvmite, zu welchem die HH. vr. Badt, I. Bamberger, I. T. Goldberger, A. H. Heymann, B. Liebermann gehören, zusammengetreten, welches sich die Aufgabe gestellt hat, für die Colon isirung Palästinas durch jüdische Bewohner zu wirken. Nächstens wird eine Generalversammlung berufen. (Wie es scheint, will dieses Comite dem in Frankfurt a. d. O. Concurrenz machen.) — Die öffentlichen Blätter enthielten neulichst eine statistische Notiz, daß in Preußen auf eine Million unter den Protestanten 153, Katholiken 47, unter den Juden 51 Selbstmorde kämen. Diese Behauptung stammt aus Paris — und wir tonnen ihr nach unserer Erfahrung hinsichtlich der Juden die Glaubwürdigkeit nur absprechen. Jahre vergehen, ehe hier unter unseren Glaubensgenossen nur ein Selbstmord vorkommt. (Wir können dies nur bestätigen. Redact.) — Unter dem Nachlasse Meyerb eer's befindet sich auch die Composition eines Slabat Mater und Miserere! Ist dies von einem Juden nicht eine Misere? Krefeld, im Mai. (Privatmitth.) Mit Vergnügen haben wir heute über ein herrliches Zeichen der Zeit zu berichten, welches einen jeden Leser mit Freude erfüllen dürfte. Die hiesige israelitische Elementarschule, in welcher über 140 Kinder durch zwei Lehrer unterrichtet werden, genießt schon seit einer Reihe von Jahren einen jährlichen Zuschuß von 350 Thalern aus der Communalkasse. Der Vorstand der Shnagogengemeinde, dem das Wohl und Interesse der Gemeinde ernstlich am Herzen liegt, der das Fortkommen der Lehrer und die Verbesserung ihrer Lage ins Auge faßte und zugleich eine factische Gleichstellung beabsichtigte, beantragte in einer wohlmotivirten Eingabe eine Erhöhung des Zuschusses resp. die Aufnahme der israel. Elementarschule unter die Zahl der städtischen Schulen. Und diese Eingabe hat vollständige Anerkennung gefunden, es wurde die Gleichberechtigung vom 1. Januar 1865 an ausgesprochen. So ist die Schule nun unter Gottes Segen zu einer städtischen Schule erhoben und sie darf mit Zuversicht einer schönen Zukunft entgegenblicken. Ein solcher Beschluß liefert nicht allein den triftigsten Beweis von dem in der Mitte dieser Verwaltungsbehörde herrschenden Geiste der Humanität und Liberalität und für deren Sinn für Recht und Gerechtigkeit, sondern legt auch das beste Zeugniß ab für die Achtung, welche die Gemeinde am hiesigen Orte genießt. Möge diese That an vielen Orten unseres Vaterlandes Nachahmung finden. Wir werden nun 26