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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-21 · Heft 26 (21.6.1864) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 26 (21.6.1864)
Date
1864-06-21
Page
Seite 399 (sequence 5)
Language
German
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399 errichtenden National-Denkmal des Königs gewidmet. An der Hand des einfachen Textes V'i'r: „Das Andenken des Gerechten ist zum Segen und sei gesegnet!" entrollt der Redner das Bild des verstorbenen Königs nach allen Momenten seiner Regierung und seiner Persönlichkeit mit einem Freimuth, mit einer Kraft und Sicherheit, welche die Rede zu einer gediegenen, der großen Verbreitung, welche sie gefunden, würdigen machen. Der Redner schildert offen die politischen Klippen, an welchen der gerechte, sein Volk mit Liebe umfassende Sinn des Königs glücklich vorüberzuschiffen verstand, und warnt den jungen König vor denselben. Den Beinamen „der Gerechte" verdiente Max II. schon durch die Energie, mit der er die Gleichberechtigung seiner israelitischen Baiern durchführte. Wenn wir an dieser vortrefflichen Rede etwas zu bemerken hätten, so wäre es, daß die Fülle der Sprache, die dem Redner zu Gebote steht, ihn wohl dann und wann verleitet, dessen etwas zuviel zu spenden. Eigenthümlich ist ihm, daß er es liebt, in der Prosa den Reim anzubringen, was bei richtiger Betonung im Vortrage öfters sehr wirksam ist, beim Lesen weniger. Ganze Verse in der Predigt anzubringen lieben wir nicht, der Prediger wird dadurch zu leicht Declamator. Wir wünschen wohl, daß der Herr vr. H. öfter Predigten veröffentliche. — Denkrede auf die Frau Erzherzogin Hildegarde v. Oesterreich, gehalten von W. Fried mann, Kreisrabbiner. Teschen, 1864. Auf gleiche Veranlassung von Dr. L. Frankfurter, Prediger in Bielitz. Sehr würdige Worte bei einem Trauerfalle, der in dortiger Gegend sehr interessirte. Rede zur Todtenfeier für rc. Giacomo Meyerbeer von vr. S. Apolant. Berlin, 1864. — „Freund und Marx. Präparalion zum Pentateuch. Heft IH. Leipzig, 1864." Hiermit ist dieses von uns empfohlene und gewiß höchst brauchbare Merkchen vollendet. — Bonn, 1. Juni. Angekommen: „MoYse el le Talmud par Alexandre Weil!. Paris, 1864." Das vorliegende Werk besteht aus vier Theilen, dem ersten, eine Widmung an Meyerbeer und eine Selbstbiographie des Verfassers enthaltend, dem zweiten, mit der Ueberschrift Moses, dem dritten, der Talmud, und dem vierten, Paraphrase überschrieben. Folgen wir dieser Eintheilung in unserer Besprechung. Die Widmung an Meyerbeer besteht in einem Gespräche, welches der Verfasser zehn Tage vor dem Tode des großen Tonsetzers mit diesem gehabt haben will. In diesem erklärt Herr Weill, daß Musik und Philosophie einerlei sind und Meyerbeer ein großer Philosoph; daß seit Spinoza kein solches Genie aus dem Judenthume hervorgegangen, ja daß er der größte schöpferische Geist dieses Jahrhunderts sei; daß er (Meyerbeer) keinen Fehler habe, daß er „vollkommen" sei. Solchen Lobsprüchen gegenüber mußte Meyerbeer sich dankbar erweisen und er spricht daher sein Bedauern ans, daß die Zeitgenossen dem Herrn Weill niemals hätten Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Presse spreche niemals von seinen Schriften. Dem Herrn Weill fehlt die Antwort nicht: „Ich gehöre nicht meinem Jahrhundert an;" seine Ideen würden erst in sehr entfernten Zeiten Einfluß üben. — Wir haben dies hier hervorgehoben, weil es für den Vers, kennzeichnend ist, und da dieser es für nothwendig gefunden, seinem Werke, dem Moses und dem Talmud, eine Selbftbiographie voranzuschicken, so liegt darin nicht blos für den Leser, sondern auch für den Kritiker die Aufforderung, den Standpunkt des Autors in Betracht zu ziehen. Es kommt hinzu, daß wir uns als Publicist desselben Fehlers gegen Hrn. Weill haben schuldig gemacht, indem wir nur selten und flüchtig von seinen Schriften Notiz genommen. Allein die Ursache dieses allseitigen Schweigens muß doch eine andere sein, als Herr Weill sich denkt. Denn obschon auch Spinoza, mit welchem Herr Weill sich so gern auf eine Linie stellt, „für ferne Zeiten" geschrieben hat, so nahm doch dessen Jahrhundert Notiz von ihm, ja allzuviel Notiz, denn das Verdammungsurtheil, welches es über ihn aussprach, hat das Studium desselben eine lange Zeit aufgehalten und verdunkelt. Wenn aber nach der von Herrn Weill berichteten Meinung Meyerbeer's den Schriften des ersteren keine Gerechtigkeit widerfährt, so geschieht ihnen doch auch keine Ungerechtigkeit und wir haben ebenso wenig von einer Verketzerung derselben gelesen. Die Ursache scheint uns vielmehr darin zu liegen, daß es einer Zeitschrift geradezu unmöglich ist, sich mit den Schriften des Herrn Weill wirklich zu beschäftigen. Sie sind einerseits nicht so unbedeutend, daß man mit einem kurzen Berichte darüber hinweggehen könnte, ja, wir gestehen gern, wie wir es schon mehrmals ausgesprochen, Herrn Weill einen glänzenden Esprit, merkwürdige Einfälle, scharfe Blicke und lebhafte Phantasie zu; aber von der andern Seite ist er so voller Extravaganzen, übertreibt alles in dem Maße, daß er eine theilweis wahre Beobachtung sofort in den gröbsten Jrrthum verwandelt, spricht mit dilatorischer Gewißheit die sonderbarsten Behauptungen aus, die er dann, statt gründlich I

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