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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-21 · Heft 26 (21.6.1864) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 26 (21.6.1864)
Date
1864-06-21
Page
Seite 398 (sequence 4)
Language
German
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388 lidjett Gesinnung allerdings. Sie ist nicht auf Abschaffung der Culte, wohl aber auf gleiche Berechtigung der Culte gerichtet; sie will nicht Exclusivität einer Staatskirche, aber ebenso wenig Abschaffung der Kirche. Sie verlangt das Recht des Individuums auf seine religiöse Ueberzeugung, aber auch die Berücksichtigung allgemeiner Einrichtungen des Staates nach der Mehrheit seiner Angehörigen; sie sieht in dem Rechte des Staates und dem Rechte der individuellen Freiheit keinen objeetiven Widerspruch, sondern strebt und ringt nach dem Rechtsausgleich beider durch eine dem Rechte entsprechende Beschränkung beider. Tultscha (Türkei), 29. Mai. Die Sobotniki. Die Zeitungen berichteten vom Uebertritt mehrerer Sobotniker-Familien zum Judenthume, voraussetzend, daß jeder Leser jene Secte kennt, und doch war es mir bis jetzt unmöglich, etwas von ihr zu erfahren, seit wann sie besteht, welches ihre Glaubensartikel sind rc. rc.; nur das erfuhr ich, daß sie die Offenbarung glauben, das Alte Testament in russischer Sprache allein lesen (Hebräisch kennen sie nicht), den Sabbath feiern, am selben kein Feuer anzünden und keine Arbeit verrichten, keine Gebetbücher haben, sich aber entweder allein, wo sie zahlreich sind, oder mit den sogenannten Niewolaken oder Molokanern zu Andachtsübungen versammeln. Fast alle (selbst schon als Juden) enthalten sich des Tabakrauchens wie die Molokaner. Diese letzteren, auch eine russische Secte (vielleicht identisch mit den in Rußland verbreiteten Bezpopowey), haben weder das Sacrament der Taufe noch das der Priesterweihe (somit keine Popen, keine Vorbeter, an Sonn- und Feiertagen, die sie mit den Orthodoxen zugleich feiern, singen sie gemeinschaftlich im Chore religiöse Lieder und Psalmen), weder das Sacrament des Altars noch das der Firmung oder der Buße, noch, das der letzten Oelung rc. Bon dieser Seele sollen oft Uebertritte zum Judenthume stattsinden. In der Nähe von Silistria leben viele Sobotniki, theils zerstreut Iheils in größerer Anzahl beisammen, hier in Tultscha leben mehrere ehemals Sobotnikerfamilien, die hier Juden geworden. Ihre Haus- und Familiensprache ist die russische, sie sprechen schlecht das Jüdisch-deutsche. Die meisten ihrer Frauen sind geborene Jüdinnen (Töchter jüdischer Polen), einige sind geborene Sobotnikerinnen, die sich zum Judenthume bekehrt halten. In Rußland soll diese Secte zahlreich und reich sein und Mischeheu mit den orthodoxen Russen eingehen. — Ich tarnte hier eine Frau aus Odessa, deren zwei Brüder, Sobotniki, hier Juden geworden sind. Jene Frau war mit einem sehr reichen Russen orthodox-christlicher Confesston verheirathet. Hier in Tultscha lebt auch ein fleißiger jüdischer Grobschmied, dessen Vater ein russischer Pope gewesen. Dieser Schmied liest und schreibt gut russisch, machte sich eine Sammlung hebräischer Wörter mit beigefügter russischer Uebersetzung, verfaßte somit ein kleines Lexikon russieo-hebraicum und erzählte mir, daß blos durch das Studium der heiligen Schrift er sich zum Judenthume aus innigster Ueberzeugung bekehrt habe. — Möglich, daß ich mich täusche, allein bemerken konnte ich, daß fast alle zum Judenthume bekehrten Sobotniki die charakteristischen jüdischen Gesichtszüge haben. Einer von meinen Bekannten äußerte sich darüber, daß dem Juden der Schemhameforesch auf der Stirn liege, daher er unter allen Völkern, selbst unter den Orientalen, leicht erkennbar ist. Ich sage noch mehr, nicht blos die Gesichtszüge machen den Juden kenntlich, sondern auch die Stimme. Ich habe noch immer jeden jüdischen Italiener oder Franzosen von seinen christlichen Landsleuten gleich erkannt, obwohl die Sprache rein und elegant, wie die Franzosen sagen sans accent, gesprochen wurde. Ich glaube daher, daß die Sobotniki Abkömmlinge der Juden sind, die vielleicht damals, als in Rußland bereits die Frucht zu reifen begonnen, die aus der Lehre oder richtiger dem Ausspruche entsprossen: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert" und „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich." Die kurdischen Juden und die Nestorianer sehen sich ganz gleich, wie ein echter Armenier dem andern, mögen sie sprechen welche Sprache immer, der Klang der Stimme ist derselbe. vr. Bares, kaiserl. ottom. Contumaz-Arzt. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 7. Juni. Angekommen: „Maximilian der Gerechte." Trauerrede von vr. Hirsch seid, Districts- Rabbiner. Augsburg, 1864. Der Ertrag dieser bereits jetzt in dritter Auflage erscheinenden Rede ist dem zu

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