Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1864)
- Date
- 1864-06-14
- Page
- Seite 390 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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390 bune entnommen zu haben. Es thut UNS leid, ihr darin nicht nachgeben zu können, denn der gedachte Artikel war eine Original-Correspondenz, in welcher wir selbst einige Veränderungen vorgenommen, die von den Archive» wörtlich übersetzt wurden. Auch hatten wir noch andere Artikel bezeichnet und könnten auS jedem Hefte der Archive» solche anführen, die von uns entnommen worden und ohne Angabe der Quelle seitens der Archive» geblieben sind. Doch wir wollen diesen Streit nicht fortführen, sondern werden fortan allen anderen Journalen gegenüber nach dem Grundsätze verfahren: Gleiches mit Gleichem. — Aus den Archive» tritt uns diesmal eine Erscheinung entgegen, welche eine wahrhafte Befriedigung zu bereiten geeignet ist. Es ist eine zwischen einem Banquier und einem Escadronchef der Artillerie geführte Discussion über eine religiöse Frage, geführt mit ebenso vielem Enthusiasmus für das Judenthum wie mit Würde und Einsicht. Die Frage betrifft die jüdische Nationalität, welche von Hrn. Levh-Bing in einer Mederherstellung innerhalb des h. Landes gesichert verlangt wird, wohingegen Herr Eseadronches Nathan sie im Geiste, in der treuen Anhänglichkeit an unfern Glauben und in der strengen bürgerlichen Pflichterfüllung verbürgt glaubt. Wir gehen hier auf die Streitfrage nicht ein und wollten nur die Persönlichkeiten hervorheben, um zu zeigen, daß auch jetzt noch das innigste Interesse für die Religion und für religiöse Fragen in den Söhnen Israels vorhanden ist, auch wenn sie den verschiedensten Ständen und Beschäftigungen angehören. — Im Städtchen Schirrhofen ist ein Jude, L. Weill, zum Maire erwählt worden. — Der Altmeister Rossini hat dem Vorbeter der Consistorial-Synagoge in Paris, Herrn Naumburg, über sein Werk „8chire Kodesch“ ein sehr schmeichelhaftes Schreiben zugesandt, in welchem er mehrere Pieren als ganz vorzüglich, die Stimmen als meisterhaft rühmt und dem ganzen Werke einen großen Erfolg voraussagt. Schweiz. Endingen, im Mai. (Privatmitth.) Es dürfte für die Leser der Ztg. d. I. nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, daß der vieljährige Correspondent derselben, Herr Oberlehrer Bernheim von Lengnau, durch Gesundheitsrücksichten verhindert, seinem Amte länger vorzustehen, sich in das Privatleben zurückzieht. Seine Gemeinde läßt ihm einen jährlichen Ruhegehalt von 480, die Regierung von 142 gleich 622 Franken — zukommen. Bernheim's Leben und Wirken verdient diese Anerkennung in hohem Maße. Er steht seit 36 Jahren seiner Schule mit musterhaftem Fleiße, mit einer äußerst seltenen Energie und Ausdauer vor und hat er sich auch des segensreichsten Erfolges zu erfreuen. Die Culturintereffen seiner Gemeinde sowie des aargauischen Israels im allgemeinen zu vertreten, war Bernheim's Lebensaufgabe von Jugend auf. Die Hebung und Aufklärung seiner Religionsgenossen sind ihm eine Herzensangelegenheit, und zweifeln wir nicht, daß er auch jetzt nicht aufhören wird, .sein Mögliches zur Förderung edler Zwecke beizutragen. Dr. Rußland. Mitau, 13/25. Mai. (Erklärung.) Die Correspondenz aus Mitau in No. 18 und 19 d. Bl. unter der Ueberschrift „Zustände in Mitau" hat hier viel Sensation und bei vielen Gemeindegliedern große Erbitterung erregt. Ohne über die Tendenz und Darstellungsweise dieses Artikels ein Urtheil zu fällen, ohne eine Meinung darüber laut werden zu lassen, ob einzelne Glieder einer Gemeinde sich dadurch getroffen fühlen dürfen, wenn jemand öffentlich behauptet, daß der größte Theil der Gemeinde noch nicht zum Hochpunkt der moralischen Kraft gelangt ist, alte tieswurzelnde Mißbräuche mit einem Male fortzuschaffen, ob nicht eher schon die Versuche, die alte Phalanx durchzubrechen, eine Gemeinde als geistige Krastäußerung, nach dem Grundsätze ynsmr nuiwri ■'braus mpssn Tinrb ■pb-D1’ am« d'-iims hoch ehren dürste, fühle ich mich zu folgender Bemerkung veranlaßt: Aller Wahrscheinlichkeit and aller Vernunftberechnung zuwider hat sich bei manchem hier der Argwohn eingeschlichen, als wäre ich der Verfasser dieses Artikels. Da es aber nach meiner individuellen Ansicht von einem Rabbiner, dem doch die Möglichkeit geboten ist, die Fehler und Schäden seiner Gemeinde in ihrer Mitte durch das freie Wort aufzudecken, im höchsten Maße ungebührlich sein dürfte, in öffentlichen Blättern seiner Gemeinde tadelnd zu erwähnen, so halte ich es für nöthig, öffentlich die Erklärung zu geben, welche auch die Redaction bestätigen wird, daß ich nicht der Verfasser dieses Artikels bin. Rabbiner S. Pucher.