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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-14 · Heft 25 (14.6.1864) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 25 (14.6.1864)
Date
1864-06-14
Page
Seite 384 (sequence 6)
Language
German
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384 entsprechen und in qualitativer wie in quantitativer Beziehung vom Leichtern zum Schwerern gemessenen Schrittes fortzuschreiten und jeden Sprung sorgfältig zu vermeiden bemüht sein. Die Rabbinerschule darf auch bei der Verfolgung ihres Zweckes ihr Augenmerk nicht ausschließlich den Großgemeinden und den hohen Anforderungen zuwenden, welche diese an ihre geistlichen Führer stellen, und dabei die Bedürfnisse der überwiegend größeren Zahl kleinerer Gemeinden außer Acht lassen. Sie soll sich vielmehr derart einrichten, daß jene Jünger, welche den gewünschten Grad der Ausbildung und die höheren Elasten der Anstalt nicht erreichen, immer noch Ersprießliches leisten könnten durch ihre Verwendbarkeit für die nicht zu unterschätzenden Functionen der Religionsweiser und Unterrabbiner. Ja, was noch höher anzuschlagen ist, die Unterabtheilung der Rabbinerschule sollte uns ein zahlreiches Contingent tüchtiger Religions¬ und Hauptschullehrer stellen, wie solche für ein gedeihliches jüd. Schulwesen erforderlich, von den gewöhnlichen Präparandien aber nie und nimmer zu erwarten sind. Endlich mag ein nicht geringer Rest nach wenigen Jahrgängen ohne Qualification für irgend ein Amt die Anstalt verlassen, ins Privatleben zurücktreten, hier den Kern der jüdischen Volksintelligenz bilden, den in unserer Mitte stets rege und wach gewesenen Sinn für Wissen und Bildung neu beleben, allen etwaigen hierarchischen Uebergriffen Schloß und Riegel vorlegen und überhaupt das leisten, was früher die homüirn und Bne-ldrah, diese aus den Jesehiboih hervorgegangenen Talmuddilettanten, geleistet halten. Wir glauben, es liege der Aufgabe einer Rabbinerschule jedenfalls weit näher, den eben gedachten Bedürfnissen Rechnung zu tragen, als dafür zu sorgen, daß der Präparand am Schluffe seines fünfjährigen Curses nach Neigung und Fähigkeit sich ebenso dem Mediciner- und Advocatenwie dem Rabbinerstande widmen könne. Ja wir betrachten es als einen der Hauptfehler des vorliegenden Entwurfes, daß nach dem darin vorgezeichneten Lehrgänge, welcher die Ethik, die systematische Darstellung der Glaubens- und Pflichtenlehre und endlich Pädagogik und Katechetik für den höheren Candidatencurs aufspart, der aus der Anstalt tretende Präparand für die Volksschule unverwendbar ist, weil ihm die ebengenannten und für das Lehramt am meisten erforderlichen Disciplinen vorenthalten wurden, indem man der schon bestehenden und aus den Mitteln des jüd. Schulfonds erhaltenen Lehrerbildungsanstalt keine Concurrenz machen wollte, und weil es überhaupt nicht anders kommen konnte, nachdem man das ganze Obergywnasium in die Unterabtheilung der Rabbinerschule hineingezwängt hatte. — Bezüglich der Verkeilung des speciell talmudischen Lehrmaterials ist es uns unerklärlich, weshalb für die Unterabtheilung Kuba mezia und Kethubolh, also die schwerern, zumeist m-TOB *i:*,*i behandelnden Tractate, dagegen die verhältnißmäßig leichtern Tractate Giltin und Chulin und hierbei wieder zuerst Gitlin und dann Chulin für den höheren Cursus vorgeschrieben werden? Dieselbe umgekehrte Reihenfolge kommt beim cursorischen Talnrudunterrichte wieder zum Vorschein, indem Beraeholli und Mcgilla für die höhere Classe aufgespart werden. Soll etwa die Confequenz des Planes darin bestehen, daß man den einmal eingeschlagenen Gang vom Schwerern zum Leichtern auch hierin Leibehalten hat? Allein dann ist es andererseits eine augenfällige Jnconsequenz, Baba mezia und Kelhuboth beim talmudischen Unterrichte voranzustellen und hinterdrein bei den Ritualien den CIiosehen hamischpat gänzlich zu ignoriren und die für die rabbinische Praxis unentbehrlichen Partien desselben, als rvra, msbn wegzulassen! — Mit Bedauern vermissen wir in dem Lehrplane die Erwähnung des R. Bechai und seines für die Unterabtheilung gewiß angezeigten Cliöwath halcwawoih. Jndeß darf man im Eifer der Kritik nicht vergessen, daß viele der gerügten Mängel der Kürze der Zeit zuzuschreiben sind, welche dem ehrwürdigen Comite zur Ausarbeitung dieses Elaborats gegönnt war, nur darf uns weder dieser Umstand noch irgend eine andere Rücksicht bestimmen, einem Entwürfe von solcher Tragweite gegenüber gleichgilttges Schweigen zu beobachten. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 6. Juni. Am ersten Juni ist die Bersendüng der zweiten Sendung der diesjährigen Jnstitutsschriften (1. Mai 1863 — 1. Mai 1864, Jahrg. IX.) in Leipzig beendet worden. Wenn durch unvorhergesehene Uebelstände diesmal das Institut den vollen Umfang seiner diesjährigen Leistungen erst etwas später in die Hände seiner Abonnenten kommen lassen konnte, so waren diese doch so bedeutend (105 Druckbogen), daß die Theilnehmer die Verzögerung um einen Monat gern Nachsehen werden. Die Befriedigung über die Gaben

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