Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1864)
- Date
- 1864-06-07
- Page
- Seite 373 (sequence 11)
- Language
- German
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373 ten derer, die sich als die echten und rechten Juden geberden. Da spielt z. B. das Wort spart eine große Rolle und kommt wiederholentlich in den Polemiken vor. Schade, daß nicht noch etwa jemand zu m:rt p -iiran angesprochen wird. Die eigene sittliche Entwürdigung und Erniedrigung geht aber noch weiter. Wo auf politischem, socialem, religiösem Gebiete rc. Parteien bestehen, nehmen sie Anstand, zweideutige Charaktere als Parteigenossen aufzunehmen und sich mit ihnen zu identificiren. Es kann eine Partei, wenn sie sich nicht zu einem Club umgestaltet, wohl nicht eine Purification vornehmen, aber sie wird sich hüten, derartige Personen als Fahnen- und Bannenträger zu wählen, und eine Partei, die dieses thäte, ist im vorhinein gerichtet. Nun bemerken wir ein solches Vorgehen bei der Partei, die sich par excellence die orthodoxe nennt. Herr Kohn veröffentlichte vor einiger Zeit „die jüdischen Tartüffe." Er hat den Wienern und Preßburgern darin nichts Ncues gesagt, ja wir behaupten, er hat vieles verschwiege» dtidb rtcom neu ftbm, und wir könnten das Sündenregister verdoppeln und verdreifachen. Der Verfasser hat sich darauf beschränkt — wir möchten sagen — in mildester Form den Beweis zu führen, daß der sogenannte Herzog von Jerusalem nicht die Berechtigung habe, der Führer einer Partei zu sein und am allerwenigsten einer jüdisch-religiösen, weil das Vorleben sowie die jetzige Lebensweise des Genannten in crassem Widerspruche mit den religiösen Satzungen des Judenthums steht und weil Hr. D. ein Denunciant ist, über welchen die jüdischen Gesetzesartikel die schwersten Strafen verhängen t.vergl. □loschen hamischpat §. 388 alinea 15). Daß das Bild trotz der milden Behandlung nicht freundlich ausfiel, war nicht die Schuld des Verfassers. Man kann eben nicht die Nacht mit hellen Farben malen. Man erwartete, daß der Angegriffene sich vertheidigen oder einen Preßproceß anstrengen werde, oder, daß seine Freunde den Beweis führen werden, daß die Beschuldigungen unwahr seien. Doch keines von beiden ist geschehen, und zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil die vorgebrachten Klagen vollkommen wahr sind. *) *) Cs wird gedroht, Denunciationseingaben beim Finanz- und Kriegsministerium von seiten der sogenannten Neologen gegen die angeblichen Orthodoxen zu verösfenttichen. Wir glauben vorläufig nicht an die Existenz die- Und trotz alledem und bei alledem gibt es Personen, die so tief gesunken sind, daß sie ein derartiges Individuum auf den Schild heben und für dasselbe einstehen. Wir glauben nicht, daß unter den Juden der Grundsatz: der Zweck heiligt das Mittel, je in der Weise zur Anwendung gekommen ist. Sonst hieß eS 'T b» mar ■pbaba». Die unablässigen Denunciationen und das ewige Hervorkehren des Gegensatzes von Orthodoxie und Neologie oder Reform ist jedoch nach dem bekannten Sprichworte: Cal»rnniai°e audacter, semper aliqtiid liaeret, nicht ganz ohne Erfolg geblieben und manches Regierungöorgan glaubte, daß vielleicht doch etwas Wahrheit an der Spaltung und Sonderung unter den Juden sei. Dazu kommt noch, daß manche Juden mit der sogenannten Orthodoxie Handel und Schacher treiben und z. B. an den hohen Festtagen Betstuben eröffnen, um den orthodoxen Anforderungen in der Liturgie zu genügen. Daher kam es, daß jüngst die Policeidirection bei mehreren in den Vorstädten wohnenden Israeliten Umfrage halten ließ, ob sie orthodox oder reformatorisch gesinnt seien. Manche, die soeben ein Schinkenstück verzehrt hatten, antworteten, sie seien orthodox, da sie ein Bethaus, wo nach altem Ritus gebetet wird, besuchen rc. Die Journale bemächtigten sich endlich dieses Themas und die Nachfragen hörten auf. Ob eS übrigens nicht vielleicht zum Heile der Gemeinde wäre, wenn diejenigen, die sich orthodox nennen, sich selbständig constituiren möchten, — die Gemeinde würde dadurch weder an Kräften noch an Mitteln einbüßen — behalte ich mir vor, ein anderes Mal zu erörtern. Vorläufig will ich nur noch bemerken: In einem Hause, das eben jetzt erbaut wird, werden Localitäten zu einem Bethause hergerichtet, welche von Personen gemiethet werden, die noch die alte "Liturgie beim Gottesdienste beibehalten haben wollen. Zu dem Zwecke werden milde Beiträge gesammelt und die wiener „Neologen" und „Reformer" geben mit vollen Händen. Der Leser kann daraus entnehmen, wie sehr die sogenannten Orthodoxen hier unterdrückt werden. ser Documente, bis nicht der Beweis geführt ist. Sollte dieses jedoch der Fall sein, so werden wir den oder die Urheber derselben ebenso verdammen wie die veröffentlichten Eingaben. Denunciationen bleiben Denunciationen, mögen sie von wem immer ausgehen. 24 —