Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1864)
- Date
- 1864-06-07
- Page
- Seite 372 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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372 fen werden können. Diese Entscheidung mußte den Bittsteller umsomehr überraschen, als es ihm bekannt war, daß mehrere Juden schon nach dem Jahre 1850 zur Richteramtsprüfung zugelassen und auf Grund der abgelegten RichteramtSprüfung in die Vertheidiger-Lifte eingetragen worden waren. Der Doctor wendete sich nun an das Justizministerium, führte in seinem Gesuche an, daß eS kein Gesetz gebe, welches die Juden von der Richteramtsprüfung ausschließe, daß die Richteramtsprüfung gar keinen confessionellen Charakter habe; hob insbesondere hervor, daß bereits mehrere seiner Glaubensgenossen die Prüfung abgelegt hatten und daß die jetzigen Verhältnisse doch nicht derart seien, daß man in der Frage der religiösen Gleichberechtigung minder freisinnig sein solle als vor dem Jahre 1860. Trotz aller dieser Gründe soll auch vom Justizministerium ein abschlägiger Bescheid erfolgt sein. (Tout comme chez nous!) Wien, 18. Mai. (Privatmitth.) Ich bekenne aufrichtig, ich würde Anstand nehmen, Ihnen folgende Zeilen zur Aufnahme für die Judeuzeitung zuzusenden, wenn eben nicht die Judenzeitung das Journal wäre, aus welchem die Geschichtschreiber der Juden schöpfen und schöpfen werden. Um dieser Anforderung zu genügen, werden Sie wohl folgenden Zeilen ein Plätzchen gönnen. Vier Monate sind verflossen, seitdem die Hetze gegen die Herren Mannheimer und Horwitz losgelassen wurde. Hundert und so und so viel Ober-, Groß- und gewöhnliche Rabbiner und Rabbinatsbeisitzer haben sich zusammengethan, um einen großen Scandal in Scene zu setzen, und jüdische Journale haben ihre Spalten geöffnet und haben Oel in die Flamme geschüttet und nach besten Kräften gewirkt, um den Funken zur Flamme anzublasen, welche das Band, das alle Juden umschließt, verzehren sollte. Was haben alle diese Anstrengungen gegen die oben genannten Herren und gegen den dritten im Bunde, Herrn vr. Jellinek, für Folgen gehabt. Wir haben hier auch vr. Jellinek genannt, und ehrlich gestanden, glauben wir, daß Herr vr. Jellinek den ganzen Spektakel verschuldet hat, und zwar durch die Errichtung des Bet-hamidrasch. Dieses Bet-Hami» drasch ist der Stein des Anstoßes für die protestantischen Rabbiner. Statt sich zu freuen, wenn die Herren es ehrlich mit der Sache meinen würden, daß eine Stätte für die Thora errichtet wurde, erkannten sie darin den heftigsten Gegner und Widersacher ihrer Bestrebungen und in dem Blühen und Gedeihen desselben sahen sie das Hinsiechen und Absterben ihrer Institutionen. Seit der Errichtung dieses Bet-hamidrasch, welches durchaus nicht polemisch auftrat, finden wir daher auch den Kampf auf das heftigste und in der leidenschaftlichsten Weise gegen Jellinek, gegen Mannheimer und Horwitz und gegen alle die, welche das Gedeihen dieser Stätte zu fördern bemüht sind. Der Proceß Kompert gab nun vollkommen, wie die Herren in ihrem Eifer meinten, die Handhabe, das sündige Wien sammt seinen Institutionen zu begeifern. — Fragen wir uns nun, welches sind die Folgen dieses Angriffes? Ich wüßte nicht, daß genannte Herren infolge dieser Angriffe irgendwie hier in Wien an Achtung, Ehre und Anerkennung etwas eingebüßt hätten, wir möchten sogar sagen, daß sich die Achtung und Anerkennung, wenn möglich, für genannte Herren noch gesteigert hat. Der freundliche Leser wird jedoch vielleicht glauben, daß nach außen hin das Ansehen und der Einfluß der genannten Männer etwas eingebüßt haben mag. Aber auch dieses ist nicht der Fall, wie ich das sofort durch Thatsachen beweisen werde. Herr Prediger vr. Jellinek wird wiederholentlich von fremden Gemeindevorständen eingeladen, neuerrichtete Synagogen einzuweihen rc., wie dieses jüngst in Bisenz in Mähren der Fall war. Herr Prediger Mannheimer erhielt in letzter Zeit aus zwei Gemeinden Briefe, in welchen er über die zu berufenden Rabbiner um Rath gefragt wird. Diese zwei Gemeinden sind Berlin und — MatteSdorf in Ungarn, und Herr Rabbiner Horwitz erhielt infolge seines offenen Briefes von zahlreichen Seiten Zustimmungsantworten. Es hat sich auch dieses Mal auf das glänzendste daS ''«p rrvDip bewährt. Es sei jedoch bei dieser Gelegenheit noch eines anderen Momentes erwähnt. Es ist dieses nicht die erste journalistische Fehde, die unter Juden geführt wurde, und wird wohl auch nicht die letzte sein. Die Juden sind ein leicht erregtes Bölklein, das bald in Hitze kommt. ES fallen daher im Laufe der Debatte öfters Worte, die man später, wenn das Blut ruhiger geworden ist, bereut. Ich bekenne aber aufrichtig, mich nicht erinnern zu können, daß ein Kampf so würde- und anstandslos geführt worden wäre wie diesesmal von sei-