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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-07 · Heft 24 (7.6.1864) · p. Seite 368

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 24 (7.6.1864)
Date
1864-06-07
Page
Seite 368 (sequence 6)
Language
German
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368 genannten Männer zu Theil werden läßt. Wenn er aber sein schönes Raisonnement über „Hiob" mit dem Satze eröffnet: „Hiob beginnt das Drama",— so ist das weiter nichts Neues, nichts Originelles, da selbiges anderweitig schon vielfach gesagt und auch nachgewiesen*) worden — doch wollest du uns gestalten, lieber Leser, die betreffende Stelle in ihrer Vollständigkeit wiederzugeben. Sie lautet: „Hiob beginnt das Drama, und dieser Embryo ist ein Coloß. Hiob beginnt vor 40 Jahrhunderten das Drama durch die Vorführung Jehova's und Satan's. Das Böse fordert das Gute heraus und die Handlung ist eingeleitet. Die Erde ist der Schauplatz und der Mensch der Gegenstand des Kampfes. Die Leiden sind die Personen." Eine „schauerliche Großartigkeit des Gedichtes" findet der französische Autor darin, daß in ihm (dem Gedichte nämlich) '„die Sonne düster" ist. Bei Hiob sei die Sonne aufgegangen wie bei Homer; nur sei es bei jenem nicht mehr Morgen, sondern schon Mittag. „Die tödtliche Ermattung unter den ehernen Strahlen, die gerade herunterfallen auf die Wüste, erfüllt dieses glühheiße Gedicht." — Die grausenhafte Lage des furchtbar Geprüften schildert der Verf. in folgender originell-drastischer Weise: „Hiob liegt im Schweiße auf seinem Miste. Sein Schatten ist klein und unter ihm versteckt wie die Schlange unter dem Steine. Die tropischen Fliegen summen um seine Wunden und über seinem Haupte hat die schreckliche arabische Sonne, die Erzeugerin von Ungeheuern, welche die Leiden in das Unerträgliche steigert, die Katze in den Tiger, die Eidechse in das Krokodil, das Schwein in das Flußpferd, den Aal in die Boa, die. Nessel in den Cactus, den Wind in den Samum, das Miasma in die Pest verwandelt." — Die Zeit anlangend, in welcher Hiob gelebt, so läßt ihn Hugo (gleich einem jüdischen Bibel-Commentator) einen „Zeitgenossen Abrahams" sein. Und wie Abraham ein jüdischer, so sei Hiob ein arabischer Patriarch, wie jener der Nomaden Häuptling, so sei dieser der Ackerbauer Fürst gewesen. — Hiob habe das gewaltige Priesterthum der Einsamkeit geübt, er habe geopfert und geheiligt, jeden Abend das Land gesegnet u. s. w. — Wer sieht hier nicht augenscheinlich die echte französische Willkürlichkeil oder mehr noch die echte französische Oberflächlichkeit in der Wiedergabe dessen, was wir den „nackten Text" nennen? (Vgl. Jjob II. 3 u. 5.) — In der Schilderung Hiob's fortfahrend, sagt Hugo: „Er war gelehrt, er kannte den Rhythmus. Sein Gedicht, dessen arabischer Text verloren gegangen, war in den schönsten Versen geschrieben, sicherlich wenigstens vom 3. Verse des 3. Kapitels bis an das Ende." — Wieder eine kleine Ungenauigkeit. Denn woher dieser Schluß für den arabischen Text, der verloren gegangen? Doch nur aus dem vorhandenen hebräischen Texte? In diesem aber ist schon V. 21 des 1. Kapitels rhythmisch geschrieben und reicht auch die Versification oder rhythmische Schreibweise nicht ganz bis an das Ende des Buches, sondern hat vielmehr schon mit dem 6. Verse des 42. (letzten) Kapitels (das 17 Verse zählt) völlig aufgehört. — Hiob wird noch weiter geschildert: „Er war gutherzig. Nie begegnete er einem armen Kinde, ohne ihm eine kleine Gabe zu geben. Er war des Blinden Auge und des Lahmen Fuß. Und von dieser Höhe ward er herabgestürzt. Aber nach seinem Falle ist er riesengroß. Er ist majestätischer im Unglücke als im Glücke. Der Aussatz wird ihm zum Purpur. Die Tiefe seines Falles fetzt die um ihn in Schrecken. Sie sprechen zu ihm erst nach einem Schweigen von 7 Tagen und 7 Nächten." (Bgl. Text 6. 2. V. 13.) Von der „Klage" des Hiob sagt der Verf., daß sie etwas Stilles, Düsteres, Magisches an sich habe. Denn „während er die Würmer in seinen Geschwüren mit einem Scherben abkratzt, ruft er die Gestirne an, spricht er zu Orion, den Hyaden, die er die Glucke nennt, und zu den Sternen, die gegen Mittag." — Ganz besonders hebt Victor Hugo es hervor, daß Hiob sagt: „Gott setzt dem Fürsten ein Ende", und daß er den Diamanten, der verborgen ist, den „Stein der Dunkelheit" nennt. — Wiederum kein richtiges Verständniß der einfachen Worte, die im 3. Verse des 28. Kap. enthalten. „In seiner Noth — fährt der Verf. fort — gedenkt Hiob auch des Unglücks anderer, und er findet tragische Worte, die erkälten wie Eis. Aber er lächelt auch, und dann wird er noch grauenvoller. Bei ihm sind Eliphas, Bildad und Zophar drei Musterbilder neugieriger Freunde, denen er mit Bitterkeit vorwirft, daß sie auf ihm spielen wie auf einem Saitenspiele. Hiob's Rede, Gott gegenüber, demüthig und unterwürfig, ist bitter gegen die Fürsten dieser Erde, die er damit geißelt, daß sie das Wüste bauen, (172b in 6. 3. V. 14.) ohne anzudeuten, ob er ihr Grabmal oder ihr Reich meint." *) Und widerlegt worden. Die Red.

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