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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-07 · Heft 24 (7.6.1864) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 24 (7.6.1864)
Date
1864-06-07
Page
Seite 365 (sequence 3)
Language
German
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365 meinbett gebracht haben, den Rückschritt, wo sie es konnten, den Stillstand, wo sie nicht durchdrangen, erwirkten, alle besseren Bestrebungen mindestens in den Staub zogen und so dem Mehlthau gleichen, der den aufsprießenden Saaten das Mark vergiftet und das Aussehen schwärzt. Nun, was dagegen zu thun? Vor allem sich nicht auf dieselbe Linie mit ihnen zu stellen, das Feld der Jntrigue, des Haders, der Beschimpfung, der Lüge und des Hasses ihnen zu überlassen und dagegen den Ernst, die Bildung, die Wahrheitsliebe in keinerlei Weise aufzugeben. Dann in der begonnenen Arbeit, auf der beschrittenen Bahn energisch fortzufahren, sich das Ideal des reinen, in Bildung und Cultur verklärten Judenthums nicht entweihen zu lassen, die Schöpfung und Ausbildung tüchtiger Institute in Gemeinde, Schule, Synagoge und Literatur anzustreben. Von hier aus alle Versuche, Einbrüche und Angriffe jener Gegner kräftig zurückzuweisen, jeder gerechten Forderung zu genügen, jede aufrichtige Meinungsverschiedenheit zu würdigen, aber jede Heuchelei zu entlarven, jede Herrschsucht zu verdrängen, jedes hierarchische Gelüste zu unterdrücken und jedes frömmelnde Gebühren auf seinen wahren Werth zurückzuführen. Das Judenthum hat das Glück, selbständig und autonom zu sein. Darum lag und liegt aber sein wahres Geschick in den Händen der Juden selbst. Für oder gegen dasselbe, für oder gegen sein wahres Heil und Gedeihen zu wirken ist jeder Einzelne berufen und befähigt. Es ist dies keine bloße Phrase, sondern zeigt sich täglich in jeder einzelnen Gemeinde. Das Leben des Iudenthums kommt daher aus der Brust jedes einzelnen seiner Bekenner. Darum ist es Sache aller, ob das, was wir oben als das Erbtheil unserer Vater bezeichneten, gewahrt, fortgebildet und zu schönem Ziele geführt, oder ob es in den Staub getreten, verunstaltet oder gar vernichtet werden solle. Es kann nicht genügen, gleichgiltig zuzusehen, hinzunehmen, wie es sich macht, sondern wachsam und thätig zu sein, einzustehen und zu wirken, zu fördern und Opfer zu bringen. Dazu müssen sich alle Einsichtsvollen und- Gutgesinnten aufraffen und ein jeder in seinem Kreise dafür thätig sein. Nicht äußerlich, aber in Wort und That, in Streben und Schaffen müssen sie sich hierin vereinigen! Ist dem Hebel erst seine Grenze gezogen, ist jener zelotischen Partei mit allen ihren Schattirungen der Spielraum auf die eigenen Genoffen beschränkt, so ist ihr der Nerv abgeschnitten und sie wird sich wieder in die Ohnmacht verlieren, die ihr früher eigen war. Der Entwurf?ur Errichtung einer Uabbinerschule in Angarn. *) Besprochen von S. H. Fisch man, Rabb. zu Kecskemöt. Zur Beleuchtung unseres Standpunktes in dieser Frage gestehen wir im vorhinein, daß wir bereits vor der soeben geschehenen Veröffentlichung des Eingangs genannten Entwurfes gegen die beabsichtigte Errichtung der Rabbinerschule in nicht geringem Maße eingenommen waren. Eine im Abendblatte des pesther Lloyd No. 81 enthaltene Correspondenz über die in Ofen anfangs April beendeten Conferenzen in Angelegenheit des ungar. jüd. Unterrichtswesens berichtete nämlich von der beantragten Creirung eines allh. Orts zu ernennenden, aus drei Rabbinern und vier Laien nebst einem Secretär bestehenden Centralorgan, welches Auskünfte und Gutachten über das ung. jüd. Schulwesen zu ertheilen und die Oberleitung der Rabbinerschule zu übernehmen hätte. Beim Lesen dieses Berichtes überfiel uns eine tiefe Schwermuth, denn wir glaubten von einem Kirchenrathe in optima lonma gelesen zu haben. Vergebens nahmen wir das unseren Händen entfallene Blatt wieder auf, rieben uns die von düstern Ahnungen getrübten Augen, lasen zu wiederholtenmalen die ominöse Stelle und überzeugten uns, daß hier bloß von einem Centralorgane mit vorzugsweise informativem Wirkungskreise die Rede ist; vergebens stellten wir uns vor, daß ja jedenfalls zur Ueberwachung der Rabbinerschule irgend ein Organ geschaffen werden müsse. Alles umsonst! Wir konnten uns des kirchenräthlichen Gespenstes nicht mehr erwehren und sahen bereits im Geiste die Kirchenrathe tagen, in ihrer Mitte mehrere Herren, die, weil erleichtert von vielem religiösen Ballast, einen gewaltigen Vorsprung vor uns genommen hatten und nur in ihrer unendlichen Großmuth auf uns warten, bis wir keuchend und schweißtriefend ihnen nachhinken. Unsere Phantasie zeigte uns be- *) Wir halten es für geboten, verschiedene Stimmen über den obigen wichtigen Gegenstand vernehmen zu lassen, umsomehr, da hierdurch über die ganze Frage der Rabbinerschulen — nicht blos der ungarischen — einmal ausführlicher gehandelt wird. Die Redaction. 24*

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