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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-31 · Heft 23 (31.5.1864) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 23 (31.5.1864)
Date
1864-05-31
Page
Seite 357 (sequence 11)
Language
German
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357 Knaben verstehen keine zwei Verse des Pentateuchs, von den Propheten und dem Talmud gar keine Spur, Schreiben, weder jüdisch noch deutsch, wird nicht gelehrt. Der Neubau des Hospitals, der vor zwei Jahren begonnen wurde, ist eingestellt au- Mangel an Geldmitteln. Die 'np '-an, die Geld genug besitzt, liegt im größten Chaos, namentlich der Friedhof, wo die Gräber übereinander gehäuft sind und man über dieselben hinwegtreten muß. Interessant ist der Briefwechsel, den die hiesigen Chassidim mit zwei heiligen Männern führen, die vor einigen Jahren verstorben sind. Alle Angelegenheiten, welche hier Vorkommen, werden ihnen nach dem Jenseits berichtet und Bescheid darüber verlangt. Hinsichtlich des Kompert'schen Processes hatte Hr. Hildesheimer den hiesigen Oberrabbiner zum Hauptagitator für Galizien bestimmt. Seine Agitation blieb jedoch ohne Erfolg, denn nur sechs galizische Rabbinen schlossen sich dem Proteste an. Makö (Ungarn), 8. Mai. iPrivatmitth.) Bor einigen Tagen versuchte hier die kleine chassidische Rotte einen Aufstand wider die Gemeinde und den Cultusvorstand zu Stande zu bringen, indem sie den Rebbe Hillel aus Szikßö berief. Der k. Oberstuhlrichter ließ den Rebbe sammt seinem Gefolge zum Orte hinausweisen, und da er nicht gehorchen wollte, durch Gensdarmen hinausschaffen. Um Entstellungen vorzubeugen, ließ der Cultusvorstand eine „offene Erklärung" drucken, von der Sie anbei I Exemplar erhalten. Um das große Publicum zu unterrichten, was wir hier zu Lande von diesen Umtrieben zu leiden haben, heben Sie wohl folgende Stelle hervor: „In unserer Cultusgemeinde hat sich seit einiger Zeit eine aus wenigen obscuren Menschen bestehende chassidäische Partei gebildet, die, unzufrieden damit, jeden nüchternen, mit der Religion unserer Väter vereinbarlichen Fortschritt im Gemeinde- und CultuSwesen gewaltsam zu hemmen, sich die Aufgabe gestellt, ihren retrograden Bestrebungen um jeden Preis Geltung und ihren wahrhaft zelotischen Gebräuchen und hhperorthodoxen Anschauungen Eingang zu verschaffen. Dieser etwa aus fünfzehn Gemeindemitgliedern bestehenden Partei war kein Mittel zu schlecht, ihre lichtscheuen Absichten dnrchzuführen^ und nachdem alle ihre Versuche gescheitert und selbst ihre Anklagen und Denunciationen bei der Behörde ohne Erfolg geblieben, nachdem der Cultusvorstand, gestützt aus die Zustimmung der überwiegenden Majorität der stimmfähigen Gemeindemitglieder, die Einrichtung eines geregelten Gottesdienstes mit Beibehaltung aller üblichen Gebete durchgeführt und die Anstellung eines zeitgemäß gebildeten Rabbiners beschlossen; nachdem dies alles geschehen in der friedlichsten Weise seitens des Cultusvorstandes, nachdem endlich der Cultusvorstand in seiner friedlichen Gesinnung so weit gegangen, daß er, um dieser zanksüchtigen Partei jede Gelegenheit zu Skandalen zu benehmen, stillschweigend duldete, daß sie, noch bevor von der Einrichtung des Choralgottesdienstes auch nur die Rede war, aus Anlaß dessen, weil die Borbeter in der Synagoge an Sabbath- und Feiertagen Kappen und Betmäntel trugen, die Synagoge für eine Tume erklärte und sich eine Winkelsynagoge einrichtete; nachdem dies alles ohne günstige Erfolge für die Hader und Streit suchende Partei geblieben, nahm sie ihre Zuflucht zu dem Arcanum ihrer Gesinnungsgenossen anderer Orte. Sie schickte nämlich zu dem heiligen Rebbe in Szikßö und auf den Ruf: 712b 8&nra°> 'b nan nsbi ppy •’b m« erschien dieser Heros der Finsterniß, der, wenn er auch dem Namen nach ein bbn ist, doch nicht zu den ziner bw ■pvnbn zählt und weder ein aibia am« noch ein üibia t|Tn ist." — Um dem Skandal nöthigenfalls vorzubeugen, erhielt der Cultusvorstand vom k. Oberstuhlrichter einen Ausweisebefehl gegen den Rebbe Hillel, behielt den Befehl aber bei sich, bis wirkliche Gefahr vorhanden sei. Bald aber überzeugte sich der k. Oberstuhlrichter von der Heftigkeit der Umtriebe persönlich und veranlaßte — ohne Verabredung mit dem Vorstande die Hinwegschaffung des Hillel selbst. Er hielt in einem Nachbardorfe seine Philippika, doch ist Mako davon bis jetzt nicht untergegangen. Znaim (Mähren), 12. Mai. (Presse.) Der hies. Gemeinderath hat in seiner Sitzung vom 1. Mai einen seit 30 Jahren hier domicilirenden Israeliten, der sich des besten Rufes und eines gesegneten Wohlstandes erfreut, in den Gemeindeverband ausgenommen. Darüber erhob man nun von gewisser Seite eine lebhafte Agitation; es circulirte eine Mißtrauens-Adresse gegen die Majorität unserer Gemeindevertretung, in welcher dieselbe wegen ihres Beschlusses hart angelassen wird, und man wußte bereits 136 Unterschriften für dieselbe aufzubringen; allerdings gehören viele dieser Unterschriften Leuten an, welche selbst nicht einmal 23**

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