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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-31 · Heft 23 (31.5.1864) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 23 (31.5.1864)
Date
1864-05-31
Page
Seite 356 (sequence 10)
Language
German
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356 sich mit dem Gedanken herumtragen muß: du hinterläßt trotz aller deiner Arbeit deine Familie in den dürftigsten Umständen. Und dieses ist der Fall bei den Lehrern, die sich so große Verdienste um die Jugend erwerben, die in ihre zarte'Seele den ersten Keim zur Tugend und Gottesfurcht einpflanzen. Um daher die hinterlassenen Familien vor dem bittern Gespenste des Mangels zu bewahren, haben sich in den letzten Zeiten, namentlich in Westfalen und in der Rheinprovinz, Süddeutschland, Hannover u. dgl. Lehrervereine gebildet, deren hochherziges Streben darauf hinausgeht, die Hinterbliebenen Lehrerwitwen und Waisen zu unterstützen. Der Herr hat diese edlen Bestrebungen gesegnet, indem sich solche Vereine des besten Bestandes und beständigen Wachsens erfreuen. So zählt der Pestalozzi-Verein in Königsberg, der erst seit 3 Jahren besteht, bereits über 3000 Mitglieder. Solche Vereine zur Unterstützung jüdischer Lehrerwitwen und Waisen bestehen meines Wissens noch nicht für die Provinzen Preußen und Posen. Darum erlasse ich an euch, meine lieben Collegen und Mitbrüder, die ihr im Weinberge des Herrn arbeitet, der leider für viele von uns statt der Trauben nur Herlinge treibt, die Bitte: Rufet einen derartigen Verein ins Leben, damit dem Lehrer, der ohnehin schon mit vielen Nahrungssorgen zu kämpfen hat, da so mancher Lehrer, um die Seinigen nicht der Noch preiszugeben, gezwungen ist, seine Freistunden, die zur Erholung doch so nothwendig sind, zu opfern, um nur ein paar Groschen durch Privatunterricht zu verdienen, durch einen kleinen jährlichen Beitrag das Bewußtsein bleibt, bei seinem Tode seine Familie nicht gänzlich unversorgt zu hinterlassen. Lehrer Posen er in Könitz, Westpreußen. (Dieser „Aufruf" ist sicherlich sehr zeitgemäß und kann nur nachdrücklich empfohlen werden. Wenn ein großer, ein weites Ländergebiet umfassender Verein sich aus mehrfachen Gründen nicht bewährt hat, so müssen Vereine, die mehrere Provinzen zum gemeinsamen Zwecke verbinden, ihre Wirksamkeit concentriren. Allein mit einem „Aufruf" ist noch wenig geschehen — die Hauptsache ist, daß mehrere Männer, welche von der Idee erfaßt sind und Vertrauen besitzen, sich zusammenthun, um die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und zur Ausführung zu bringen. Hierbei wollen wir die Bemerkung nicht unterdrücken, daß eigenthümlicherweise gerade die Provinz Posen seit mehr als 3 Decennien einen sehr tüchtigen und in seiner äußern Stellung geschützten jüdischen Lehrerstand besitzt und dieser dennoch bis jetzt noch nicht die geringste Neigung gezeigt hat, sich zur Förderung seiner geistigen, pädagogischen und anderweitigen Interessen zu vereinen. Die Redact.) Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 10. Mai. Die in vor. No. besprochenen Streitigkeiten scheinen nunmehr ihr Ende gefunden zu haben. Der „Wiener Lloyd" berichtet darüber folgendermaßen: „Da in früheren Jahren die hiesigen jüdischen Bethäuser zur Zeit der hohen Festtage für die jüdische Population nicht genügten, so hatte der Cultusvorstand im Einverständniß mit der Policeibehörde die Erlaubniß zur Eröffnung einiger Privatbetstuben über die jeweilige Dauer der jüdischen Festtage ertheilt; aus diesen Betstuben hatten sich mit der Zeit bei der mangelnden Exekutivgewalt des Cultusvorstandes förmliche Bethäuser mit täglicher Versammlung herausgebildet. Seit Vollendung des Cultustempels in der Leopoldstadt und der Adaptirung eines Hauses in der Stadt (Schönlaterngasse) zu einem Bethause nach altem Ritus fiel die Nothwendigkeit des Bestandes dieser Privatbetstuben weg. Nichtsdestoweniger gelang es dem Eultusvorstande nicht, die Schließung derselben zu veranlassen, da die Eigenthümer dieser Betstuben, der Mehrzahl nach jüdische Gastwirthe, die aus denselben Nutzen ziehen, der Policeibehörde stets darzustellen wußten, daß der öffentlichen Bethäuser und namentlich jener des alten Ritus noch immer zu wenige seien. Erst infolge wiederholter in den letzten Tagen von dem hiesigen Eultusvorstande gemachten energischen Vorstellungen sah sich endlich die Policeibehörde veranlaßt, die sofortige Schließung aller Betstuben, die nicht unter der Verwaltung der Cultusgemeinde stehen, anzuordnen." Krakau, 3. Mai. (Privatmitth.) So gerechtfertigt auch die Verhängung des Belagerungszustandes über Galizien war, so drückend fühlen wir doch die Wirkung in allen commerciellen und industriellen Kreisen. Handel und Gewerbe liegen darnieder und niemand wagt ein Unternehmen zu beginnen. Was Wunder, daß auch in dm jüdischen Gemeindevcrhältnissen die vollständigste Stagnation herrscht, so dringend auch gerade hierin die größte Energie und Kraftanstrengung wäre. Unsere Talmud-Thora, die sehr bedeutende Einkünfte hat, liegt gänzlich in Verfall. Vierzehnjährige

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