Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-31 · Heft 23 (31.5.1864) · p. Seite 354

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 23 (31.5.1864)
Date
1864-05-31
Page
Seite 354 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226442--22180-3259437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

354 David Samostz hat sich durch seine Kenntniß der althebräischen Literatur und durch vielfache schriftstellerische Thätigkeit in dem Gebiete derselben nicht blos seinen Glaubensgenossen bekannt gemacht, sondern hatte auch die Aufmerksamkeit eines Gesenius, David Friedländer, Pr. Fürst auf sich gelenkt, mit denen er in brieflichem Verkehre stand. Durch bedeutenden Sprachreichthum war es ihm möglich, viele belehrende Jugendschristen christlicher Autoren in faßlicher, reiner und leicht verständlicher Uebersetzung seinen in früherer Zeit zum Theil mit Vorurtheilen gegen deutsche Schriften erfüllten Glaubensbrüdern zugänglich zu machen. Ein Verzeichniß dieser Werke befindet sich in Fürst's Biblio- Iheca Judaica, tom. II. — Aber nicht blos diese Leistungen, auch seine Verdienste um die breslauer jüdische Gemeinde durch 25jährige Verwaltung des Amtes eines Armenvorstehers, sein Wohlthätigkeitssinn, sein bescheidner frommer Wandel, sein selbst in den traurigsten Lagen unerschütterliches Gottvertrauen, das Hr. Landrabbiner Tiktin in seiner trefflichen Grabrede insbesondere hervorhob, endlich seine Bereitwilligkeit, bei den verschiedensten Gelegenheiten mit seinem dichterischen Talente sich in uneigennützigster Weise gefällig zu zeigen, werden seinem Namen ein ehrenvolles Andenken sichern. Paris, 17. Mai. Heute hat die Leichenfeier des verstorbenen Baron Salomon v. Rothschild (dessen Tod wir bereits gemeldet haben) stattgefunden. Schon am frühen Morgen umstanden zahlreiche Theilnehmende das Sterbehaus im Faubourg Saint Honore und um IO Uhr waren die nun zu einer Trauerstätte umgeschaffenen Salons dergestalt erfüllt, daß ein großer Theil derer, die der Leiche folgen wollten, im Hofe Platz nehmen mußte. Nach einer kurzen, nach jüdischem Ritus abgehaltenen Ceremonie setzte sich der ungeheure Zug über die Boulevards nach dem Pere Lachaise in Bewegung. Baron James, den eine Verletzung am Fuße schon seit Wochen auf dem Ruhebette gefesselt hält, wollte dem geliebten Sohne dennoch das letzte Geleit geben und hatte den Muth, bis zum Friedhofe auszuhalten. Im Zuge befanden sich die hier residirenden Botschafter und Gesandten, die vornehmsten Familien aus Paris, aber auch eine unabsehbare Menge von Armen, welchen die Wohlthaten des Verstorbenen in reichem Maße zugeflossen waren. Der jüd. Kirchhof bildet eine Enclave des Pere Lachaise, zu welcher man durch das große Thor und dann durch ein rechts gelegenes Seitenthor gelangt. Gleich am Eingänge bemerkt man das Mausoleum Rachel's. Die Gruft der Familie Rothschild erhebt sich etwa in der Mitte des Friedhofes; vor derselben wurde die Leichenfeier abgehalten. Nach den Sänger-Chören der hies. Synagoge hielt der Rabbiner eine ergreifende Rede, in welcher er den Schmerz der ganzen Gemeinde schilderte. Hervorragende Mitglieder des Consistoriums schlossen sich ihrerseits mit Reden an, worauf nach neuen Gebeten der Sarg in seine letzte Ruhestätte hinabgesenkt wurde. Zeitungsnachrichten. Preußen. Bonn, 20. Mai. (Privatmitth.) Die Redaction hat in den letzten Tagen aus mehreren Städten der Provinz Posen — wir nennen z. B. den wahrhaft schönen Brief des Herrn Marcus Reith zu Schwerfenz — und Ungarns Zuschriften erhalten, welche sich in anerkennender und zustimmender Weise über die die Messiasidee betreffenden Artikel in No. 17, 18 u. 20 d. Ztg. aussprechen und von denen einige die Ansicht ausdrücken, es wäre wohl angemessen, wenn recht viele zustimmende Erklärungen einliefen und veröffentlicht würden, um die Gegner zu überzeugen, daß sie keinen Halt im Herzen der Glaubensgenossenschaft besitzen. Diese Zuschriften haben uns die Befriedigung bereitet, zu sehen, wie das aufrichtige Streben, welches nicht um die Gunst der Extremen buhlt, sondern ehrlich und ungescheut der Wahrheit nachringt und das Judenthum in seinen ewigen Grundlagen und seiner geschichtlichen Entfaltung zu erfassen sucht, alle aufrichtigen und ehrlichen Geister für sich hat. Aber alles Weitere müsse» wir ablehnen. Wir dürfen nicht in den Fehler der Gegner verfallen; wir dürfen keine Partei machen und aufstellen wollen; wir müssen sein und bleiben im ganzen und ungetheilten Judenthume; diese Ueberzeugung müssen wir festhalten und nicht durch persönliche Erklärungen, so viele oder so wenige zuflössen, eine heilige Sache der Allgemeinheit zum AuSspruche von Persönlichkeiten wandeln. Die Redaction.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.