Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1864)
- Date
- 1864-05-31
- Page
- Seite 353 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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353 9 sten Kräften den Interessen der Wissenschaft zn dienen. Vier Welttheile hat er bereist — von Hindostan bis Vaneouver-JSland — ohne besondere Unterstützung von fremder Hand, auf seine eigene Kraft und seine eigenen Mittel angewiesen;- — überall, wo es galt, für seine unterdrückten Brüder die Stimme zu erheben, da hat er nicht zurückgchalten. Seit Jahren war sein Streben, z« welchem Humboldt, Ritter, Petermann und andere Gelehrte ihn ermunterten, noch einmal Arabien und China zu durchreisen, und gerade jetzt, in dem Augenblicke, wo er mit größerer Aussicht auf Unterstützung zu dieser neuen, gefahrvollen Wanderung sich anschicken wollte, ereilt ihn der Tod — und reißt ihm den Wanderstab aus der Hand. Er ist dahingeschieden, bevor er erreichen konnte, wonach er sich seit 18 Jahren gesehnt, wofür er 18 Jahre lang alles dahingegeben, was sonst das Menschenherz erfreut — die Ruhe, das Familienleben. Uns liegt eine heilige Pflicht ob. An irdischen Gütern hat er nichts zurückgelassen. Für Weib und Kind, an welchen sein Herz mit der innigsten Zärtlichkeit hing, sorgte er stets während seiner Reisen und reichte ihnen das Nothwendigste aus dem Erlös seiner Schriften. Er hoffte, daß nach dieser — durch den Rathschluß des Allerhöchsten vereitelten — großen Reise ihm Zeit und Gelegenheit bleiben werde, ihre Existenz dauernd zu sichern. Gott hat es anders gefügt und Weib und Kind sind zurückgeblieben, ohne von ihrem Gatten und Vater etwas anderes zu erben als sein ehrenvolles Andenken. Noch und drückende Armuth sind die Aussichten, die ihnen sich für die Zukunft eröffnen. Wir erlauben uns daher die Bitte, sich der Hinterbliebenen Benjamin's anzunehmen. Mögen überall, wo sein Name gekannt ist, Sammlungen veranstaltet werden und die Summen, die für seine Reisezwecke bestimmt sind, seinen Hinterbliebenen zugute kommen. Was geschehen soll, muß rasch geschehen, wenn nicht dringende Sorgen sich der tiefgebeugten, kränklichen Frau bemächtigen sollen. Die zu diesem Zwecke eingehenden Beträge bitten wir an Herrn Jsr. Meyerhos, Firma: Simon May & Co. in Hannover, woselbst sich Frau Benjamin mit ihrer Tochter befindet, zu richten. Hannover, den 10. Mai 1864. M. A. Behrens. Jsr. Meherhof. Dr. S. Kahserling. I. I. Krimke, Stiftsrabbiner. Jsaac Hirsch. Wir schließen uns gern diesem Aufrufe an und empfehlen ihn dringend allen edelherzigen Glaubensgenossen. Wie leicht vermögen viele selbst durch kleine Opfer zu helfen! Sorgen wir, daß die Hinterlassenen derer unter uns, welche gemeinnützige Zwecke verfolgen, nicht zu bedauern haben, daß ihre Geschiedenen der Sache des Judenthums sich gewidmet hatten. Die Redaction d. A. Z. d. Judenth. Breslau. Am 1. Mai geleitete ein ansehnlicher Trauerzug unfern vieljährigen Mitbürger und Bürgerjubilar, den jüdischen Gelehrten David Samostz zur ewigen Ruhe. — David Samostz wurde in Kempen an der schl. Grenze im Jahre 1790 geboren. Sein Vater Josef gab ihm als frommer Talmudist eine jüdische Erziehung nach alter Weise; er unterrichtete ihn nur in Bibel, Talmud und hebräischer Grammatik. Dreizehn Jahre alt verließ David ohne alle Subsistenzmittel, im tiefsten Drange nach Kenntnissen, das elterliche Haus. Zunächst wandte er sich nach Breslau. Hier nahm sich seiner der Dajan Salomo ha-Levi an, von dem er auch den Chabertitel erhielt. Nach der Belagerung Breslaus wurde er genöthigt, eine Hauslehrerstelle in einem Dorfe bei Oppeln anzunehmen; aber schon nach einem Jahre kehrte er nach Breslau zurück, wo er bei dem Dajan Aharon Karfunkel, der früher Rabbiner in Nachod war, Hauslehrer wurde und auch von diesem den Chabertitel erhielt. Nach einigen Jahren vertauschte er diese Stelle mit der eines Privatlehrers, welche er 10 Jahre innehatte, während deren manche später berühmt gewordene Aerzte seine Schüler waren. — Als armer, bereits zum zweiten Male verheiratheter Lehrer erhielt er im I. 1822 einen Hauptgewinn in der Lotterie und das Lehramt wurde leider mit dem Kaufmannsstand vertauscht. Wir sagen leider, denn die rein poetisch angelegte Natur unseres David wußte sich wenig in das Geschäftsleben zu finden; so und durch zu große Gutmüthigkeit kam es denn, daß nach einem Zeiträume von 20 Jahren von diesem Vermögen nichts gerettet war als die gute Erziehung der Kinder (der älteste Sohn Josef S., jetzt prakt. Arzt zu Strehlen in Schlesien, wurde 1842 zum Dr. med., der jüngste, Emanuel, Gymnasiallehrer zu Leipzig, 1856 zum De. phil. promovirt), das erhebende Bewußtsein, so manchem Sorgengebeugten auf zarteste Weise geholfen zu haben, und die Liebe zur hebr. Muse. —