Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1864)
- Date
- 1864-05-31
- Page
- Seite 352 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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352 überhaupt anzurathen, sehr empfehlenswerth. Die schwierigen Verse werden ganz übersetzt und dann die Analyse gegeben. Es versteht sich, daß Hierbei eine bestimmte Auffassung angenommen werden mußte und es dem Leh» rer oder späteren Selbstforschen überlasten bleibt, andere Erklärungsweisen aufzusuchen. Die Schwierigkeit derartiger Anleitungen, einerseits vielfache Wiederholungen andererseits die Weglassung schon früher erklärter Formen, hat diese Bearbeitung möglichst zu vermindern gesucht. Wir können uns andere Methoden denken, die hier gewählte ist aber mit Fleiß durchgeführt. — Berthold Auerbach's sämmtliche Werke, 10., 11. und 12. Band, enthalten: „Spinoza" und „Dichter und Kaufmann." Wir werden die erste Muße benutzen, um über diese beiden jüdische »Stoffe bearbeitenden Dichtungen uns auszusprechen. — Wir geben nach dem Jew. Chron. einen Lebensabriß des verstorbenen I. I. Benjamin II., welchen Namen er mit Anspielung auf Benjamin von Tudela, den bekannten Reisenden des zwölften Jahrhunderts, angenommen, während er eigentlich Joseph Israel hieß und in Foltischenh in der Moldau vor etwas mehr als 40 Jahren — wie er sagte, obschon er älter aussah — geboren war. Früh verheirathet und als Holzhändler unglücklich, beschloß er das h. Land zu besuchen und nach den Ueberresten der zehn Stämme zu forschen, ein Gedanke, der ihn durch das ganze Leben beherrschte. Im Januar 1845 ging er von Wien nach Konstantinopel, besuchte alle Städte längs der Küste des mittelländischen Meeres und langte im Juni 1847 in Alexandria an. Von Kairo ging er nach dem h. Lande, das er nach verschiedenen Richtungen durchstreifte, besuchte den Libanon und Damascus, ging nach Aleppo und erreichte Diarbekir. Hierauf wandte er sich zum Tigris und drang in die Gebirge von Kurdistan ein. Er wandte sich nun südwärts, hielt sich in Mosul und Bagdad auf sowie im südlichen Persien und kehrte westwärts nach Bassora am Zusammenfluß des Euphrat und Tigris zurück. Hier schiffte er sich nach Ostindien ein, besuchte Kabul, Affghanistan und langte im April 1851 nach vielen überstandenen Beschwerden und Gefahren glücklich in Bagdad und im August desselben Jahres in Konstantinopel an. Er wanderte nach Men, durchzog Italien, begab sich nach Algerien und drang bis nach Marokko vor. Seine Reise hatte 8 Jahre gewährt, und er beschrieb dieselbe und gab sie zuerst in französischer, dann in deutscher Sprache heraus und ließ sich in Hannover nieder. Bon da ging er 1859 nach Amerika. Drei Jahre später nach Europa zurückgekehrt, veröffentlichte er einen Bericht dieser Reise in deutscher Sprache. Er entwarf jetzt einen Plan, Afrika und Asien noch einmal zu besuchen, und ging nach London, um dort Unterstützungen für seinen Zweck zu suchen. Anfangs kalt ausgenommen, fand er jedoch bald mehr Anklang und eben hatte sich ein Comits gebildet, seine Pläne zu unterstützen, als ihn der Tod ereilte. — Wir fügen dem hinzu. Der verstorbene Benjamin war von mittler Statur, schmächtig, aber kräftig gebaut. Sein sehr getroffenes Portrait befindet sich vor der deutschen Ausgabe der amerikanischen Reise. Es ist sehr zu bedauern, daß ihm jede wissenschaftliche Bildung abging, weshalb seine Reisen die bedeutenden Ergebnisse nicht hatten, die ihnen im andern Falle nicht entzogen wären. Doch verdanken wir ihm viele nützliche Mittheilungen und halten wir uns überzeugt, daß sein Gedanke, Asien und Afrika von einem jüdischen Reisenden durchwandern zu lassen, sowohl um die Zustände unserer dortigen Glaubensgenossen, von denen wir sonst nur durch die Missionäre erfahren, kennen zu lernen, als auch eine Verbindung mit den europäischen Juden für sie anzuknüpfen, nicht untergehen, sondern bald andere Männer zur Verwirklichung anfeuern werde. Der Name Benjamin's wird dann immer dankbar genannt werden als eines jener Factoren, welche die zerstreuten Glieder Israels sich wieder näher gebracht haben.- Nach Beendigung dieser Zeilen erhalten wir folgenden Aufruf: Die Nachricht von dem in London plötzlich erfolgten Tod des rühmlich bekannten Reisenden I. I. Benjamin II. hat sicherlich alle, zu denen die Kunde gedrungen, schmerzlich bewegt. Die Unterzeichneten, welche dem Verstorbenen seit einer Reihe von Jahren näher gestanden, haben in ihm einen Mann von seltener Ehrenhaftigkeit und Biedersinn kennen gelernt. Wir können bezeugen, daß er in uneigennütziger Hingebung und opfervoller Begeisterung sich seinen Reisezwecken, die er als die Aufgabe seines Lebens betrachtete, widmete und mit beinahe beispielloser Energie und Aufopferung gerungen, um nach be-