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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-31 · Heft 23 (31.5.1864) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 23 (31.5.1864)
Date
1864-05-31
Page
Seite 351 (sequence 5)
Language
German
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351 wir fest glauben, ein Todesurtheil über dieses Seminar, das im Wesen und Wirkung verkümmern müßte, dessen Jünger eine traurige, zwitterhafte Gestalt annehmen würden, das den Bedürfnissen der Gemeinden nach keiner Seite hin genügen könnte und dem daher die bisherigen Verhältnisse vorzuziehen wären. Sieht man doch leicht ein, daß selbst die Lehrer der Anstalt in solcher Localität, abgeschlossen von allem wissenschaftlichen Leben, umgeben und umdrängt von den kleinlichsten Verhältnissen, bald in die schmälste Einseitigkeit verfallen müssen. Vorgänge der jüngsten Zeit haben gezeigt — wir erinnern an Miskolz und Mako — welchen Auftritten die jüdischen Gemeinden in den ungarischen Landstädten ausgesetzt sind, und wir sind noch der schimpflichen Streitigkeiten eingedenk, die z. B. früher in Papa vorgefallen. Sind es denn blos die in großen Städten öfter vorkommenden Zeichen der Irreligiosität, die man fürchtet, und nicht ebenso oder noch viel mehr der Obscurantismus und Chassidismus in den Landstädten, die ihre Waffen und Jntriguen doch zuerst und unerbittlich gegen das Seminar wenden werden, welches mit einem wissenschaftlichen Apparat auftritt, so ernst oder so oberflächlich dieser auch gemeint sein mag? Die bisherige Erfahrung spricht sich denn auch entschieden dagegen ans. Die Rabbinerschulen in Breslau und Padua bestehen an Universitätsplätzen; die französische Rabbinerschule wurde vor vier Jahren auf das nachdrückliche Betreiben der Consistorialrabbinen aus Metz nach Paris verpflanzt — und in Ungarn will man das neue Seminar nach einer entfernten Landstadt verbannen! Ohne verdächtigen zu wollen, drängt sich da unwillkürlich der Gedanke auf, selbst unbewußt sei hier das Streben verwaltend, den wissenschaftlichen Zweck und die wissenschaftliche Gestalt zu einem bloßen Scheine zu machen. Wir werden es uns immer als ein Verdienst anrechnen, der erste gewesen zu sein, der den Gedanken einer wissenschaftlichen Rabbinerlehranstalt in Deutschland energisch ausgesprochen und populär gemacht, d. h. zum Bewußtsein des allgemeinen jüdischen Publikums gebracht hat. Es geschah dies 1837. Aber von welchem Gedanken gingen wir damals aus und welcher war es, der sich allgemeine Anerkennung verschaffte? Der, daß eine jüdisch-theologische Facultät an einer großen Landes - Universität gegründet werde. Dieser Gedanke setzt natürlich Präparandenschulen voraus, deren nach Bedürfniß mehrere oder viele bestehen können, was in vielen Beziehungen vortheilhafter und zweckgemäßer ist. Die höhere theologische Ausbildung der Rabbinatsstudirendett aber sollte an einer tüchtigen, vollständigen und geordneten Facultät, die einer Universität eingeordnet ist, erlangt werden. Nur hierin liegt die Bürgschaft, daß eine gründliche rabbinische mit einer wissenschaftlichen Bildung vereinigt werde) nur hierin die Bürgschaft, daß eine wahre Wissenschaft des Judenthums geschaffen und gelehrt werde und daß Männer hervorgehen, welche auf den jetzigen Zustand, auf die gegenwärtige Beschaffenheit der Gemeinden einen eingreifenden und segensreichen Einfluß üben können und werden. Was seitdem in dieser Beziehung geschehen ist, sind allerdings erst annähernde Schritte, erweisen aber deutlich, daß die Zeit bis zur Verwirklichung dieses Gedankes hinführen wird. Wir sind daher durch die Erfahrung in unserm ursprünglichen Gedanken nur bestärkt worden. Wird aber das Rabbinerseminar nach jenen Beschlüssen der Conferenz gegründet, so wäre dies ein Rückschritt, dessen Folgen bald zu Tage kommen würden. — Wir können daher nur wünschen, daß man zu dem ursprünglichen Elaborat wieder zurückkehre. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 17. Mai. Angekommen: Der achte Theil der von Herrn A. Salomon zu Tilsit veranstalteten Talmudausgabe in 4**, Jebamoth enthaltend. Das Unternehmen schreitet rüstig vor. — „Freund und Marx' Präparationen zum Alten Testament. Präparation zum Pentateuch. Zum Gebrauch für die Schule und den Privatunterricht. Heft 1 und 2 (bis 4 M. 31.) Leipzig, 1864." Der Prospeet sagt: „Uebereinstimmend in Anlage und Ausführung mit den so beliebten und in vielen Tausenden von Exemplaren verbreiteten Freund'fchen Präparationen zu den griechischen und römischen Schulclassikern, sollen die Präparationen zum Alten Testament den Schüler in den Stand setzen, den hebräischen Text nach Form und Inhalt zu verstehen; es ist daher bei Besprechung der einzelnen Stellen auf Grammatik, Lexikographie, Geographie, Geschichte und Alterthümer in möglichst weiter Ausdehnung Rücksicht genommen und keine Stelle, die dem Schüler in irgend einer Hinsicht Schwierigkeit bereiten könnte, unbesprochen geblieben." Dieser Zweck ist in anerkennungswerther Weise erreicht und das Werk, soweit der Gebrauch eines solchen

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