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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-31 · Heft 23 (31.5.1864) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 23 (31.5.1864)
Date
1864-05-31
Page
Seite 349 (sequence 3)
Language
German
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349 dasselbe verschmäht, und daß er, wenn er auch nicht selbst abfällt, doch seine Familie vom Iudenthume abfallen läßt: wie bald werden sie seinem Beispiele folgen! Dies hat uns denn auch die neuere Geschichte hinlänglich gezeigt und diese ganze Reihe von Künstlern u. s. w., welche wir ans unserem Stamme hervorgehen sahen, ist mit wenigen Ausnahmen für uns gar nicht vorhanden, ja hat nur schädlich und entnervend für uns gewirkt. Nehmen wir z. B. gerade die Musik. Bon welchem unmeßbaren Bortheile wäre es für uns gewesen, wenn Meyerbeer sich nur etwas des musikalischen Theils des jüdischen Gottesdienstes angenommen, wenn er zur Regelung und Bereicherung deffelben sich nur irgendwie bemüht hätte! Nicht blos, daß er uns einige herrliche Pieren dargeboten, sondern sein Vorgehen selbst hätte auf die Gesammtmaffe belebend influirt. Meint ihr, daß es um seine Zeit und Mühe schade gewesen, wenn er etwa darüber seinen „Nordstern" nicht componirt hätte? Meint ihr, daß er daran ein weniger würdiges Sujet gehabt hätte als an seinen „Kreuzfahrern", seiner „Wallfahrt nach Ploermel", ja selbst als an seinem „Propheten"? Sicherlich nicht. Dies ist der Standpunkt, von dem aus wir sämmtliche Künstler jüdischen Glaubens beurtheilen; dies die Forderung, die wir an sie stellen; dies die Pflicht, die wir ihnen obliegen glauben. Es ist nun nicht unsere Absicht, Meyerbeer von hier aus speciell zu beurtheilen, es kann dies ein jeder für sich thun. Neben dem Sarge Meyerbeer's erblicken wir die letzte Ruhestätte seines Bruders, Michel Beer's. Hier sind d.ie Ueberreste des Dichters geborgen, welcher in seinem „Paria" sein ganzes volles Herz für den unterdrückten Theil der Menschheit ausschüttete und unter dem Bilde des Indiers seinen verfolgten väterlichen Stamm gezeichnet, gerechtfertigt und emaneipirt hat, des Dichters, der in seinem letzten Willen noch durch eine schöne Stiftung für arme jüdische Jünglinge sorgte, in welchen der Genius der Kunst mit dem Mangel an äußeren Mitteln kämpft. Dieses Zusammentreffen ruft allerdings zu Vergleichungen auf. Nein! wir begnügen uns nicht mehr damit, große Männer zu verehren, weil sie zufällig als Juden geboren sind; wir sind nicht mehr stolz auf sie, obschon sie uns den Rücken zuwenden; fast steigt schon eine Schamröthe über solche auf unseren Wangen auf. Sie sollen mehr sein; sie sollen auch Juden sein; sie sollen an dem großen religiösen Geistesringen Theil nehmen und sich darin als Männer von Juda bekunden. Erntet den Ruhm da, wo ihr ihn suchtet. Fordert von uns keine Palme, wenn ihr die Erde verschmähet, auf der diese wächst! Das ungarische Uabbinerseminar. (Schluß von III.) Ueber den Geist und die Richtung in der beabsichtigten Anstalt läßt sich der Entwurf folgendermaßen aus: „Sowie es in der Aufgabe der Rabbinerschule liegt, den Geist wissenschaftlicher Forschung nicht nur bei ihren Schülern anzuregen und zu pflegen, sondern mittelbar durch die Ergebnisse ihres Wirkens auch in weiteren Kreisen zu beleben und zu fördern, so darf andererseits weder in der Behandlung der bezeichneten Disciplinen noch in den etwaigen außerordentlichen Vorlesungen, überhaupt in keinem Theile des Unterrichts der Boden des positiven, historischen Judenthums verlassen werden. Der Lehrkörper muß vielmehr, eingedenk seiner schweren Verantwortlichkeit vor Gott, aufs eifrigste bestrebt sein, die ihm anvertrauten Jünglinge vor jeder mit dem heiligen Ernst der Wissenschaft unverträglichen Leichtfertigkeit im Urtheile sowie vor jeder Zweifelsucht und Verirrung zu bewahren, ihren Geist für die Erkenntniß der ewigen und unveränderlichen Wahrheiten des Judenthums zu erschließen, in ihnen die Ueberzeugung von dem göttlichen Ursprünge seiner geoffenbarten und überlieferten Lehren zu begründen und zu befestigen und die Pietät für seine Träger und Verkünder in ihrem Gemüthe zu nähren und zu kräftigen." Die Unterrichtssprache soll theils deutsch theils ungarisch fein. „Der Lehrkörper der Rabbinerschule besteht aus einem Direetor, der sich zugleich an dem theologischen Unterrichte betheiligt, vier Lehrern mit der Befähigung und Bestimmung für den Unterricht in den Gymnasialgegenständen und vier Lehrern mit der Befähigung und Bestimmung für den Unterricht in den theologischen Fächern." „Als Direetor und Lehrer an der Rabbinerschule dürfen nur Männer von bewährtem religiös-sittlichen Charakter angestellt werden. Der Direetor muß ein Mann von umfassender wissenschaftlicher Bildung und gründlicher theologischer Gelehrsamkeit und zur Beaufsichtigung und Leitung des gesummten Unterrichts befähigt sein. Bei der ersten Besetzung der Direetorstelle kann dem Direetor die Kennt- 23 *

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