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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-24 · Heft 22 (24.5.1864) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 22 (24.5.1864)
Date
1864-05-24
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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zr« waren, gewählt. Hierzu kommt, daß allerdings die Tendenz des ganzen mosaischen Opferritus auf Vereinfachung hinausgeht und daher mitten durch die zahllosen Opfergegenstände des Heidenthums, mit denen die verschiedensten und ausschweifendsten Ideen von der Gottheit verbunden waren, die einfachsten, dem Menschen nächsten Thiere zu Opfern bestimmt wurden. Auch darin war M. falsch berichtet, wenn er glaubte, daß nur Sauerteig von den Heiden geopfert wurde, denn gerade bei den Egyptern gehörte auch Brot zu den Opfergegenständen. Sehen wir aber zunächst zu, wie es sich mit dem Salze verhält. Denn hier haben wir einen ganz bestimmten Anhalt in der Schrift. Auf jedes Opfer sollte Salz gestreut werden (3 Mos. 2, 13.) und an dieser Stelle wird dieses Salz ‘pnb« m'-D nb?3 „das Salz des Bundes deines Gottes" genannt; nun wird aber umgekehrt nbiz rvna parallel mit übi? rvnn (2 Chron. 13, 5.) und übiy nb» (4 Mos. 18, 19.) gesagt. Es ist noch jetzt arabische Sitte, bei Schließung eines Bundes einige Salzköruer zu genießen sowie den unverbrüchlichsten Eid bei dem Genüsse von Salz zu schwören, so daß ihnen Salz das Bild der Treue, der Dauer, der Unverletzlichkeit ist (Schulz, Schultens, Arvieue, Nibicho). Hieraus ist offenbar, daß das Salz auf den Opfern Symbol des göttlichen Bundes mit Israel ist, innerhalb desien die Vermittelung durch Opfer geschehen sollte. Hierzu ist das Salz befähigt, indem es, im Gegensätze von Sauerteig und Honig, die Fäulniß verhindert, somit das Unheilige, Todte entfernt und die Reinheit und Beständigkeit festhält. Honig und Sauerteig sind sich in der Eigenschaft gleich, daß sie die Säuerung und Gährung befördern;*) es sollte also durch das Weglassen von Sauerteig und Honig jede Säuerung und Gährung im Speiseopfer vermieden werden (3 Mos. 6, 9. 10.), indem das Säuernde, Gährende, Faulende gleichbedeutend mit Unreinem, Unheiligem, Todtem war, so daß wie bei den thierischen Opfern jedes körperliche Gebrechen, so bei den vegetabilischen Opfern jedes Säuernde und Gährende fehlen mußte, um das Opfer in der Integrität, Vollkommenheit, Heiligkeit zu erhalten.**) Das *) nrrnft heißt Baba Mezia 38, 1. säuern, verderben, wo es im Tos. geradezu yvznf: erklärt wird. **) Schon bei den alten Rabbinen galt der Sauerteig für das Symbol des snn -i2", das Ungesäuerte als das Symbol des -lasp, so auch Sohar (ed. Amstelod. 8.) zu Exod. p. 40. Weglassen des Sauerteigs und Honigs bedeutet also negativ, was das Hinzuthun des Salzes positiv. Weil M. von dieser Idee sich einmal beherrschen ließ, erklärt er das Verbot, Blut zu verzehren, daraus, daß die alten Heiden durch den Genuß des Blutes mit den Dämonen in Verbindung zu kommen glaubten, so daß diese sie besuchen und ihnen den Schleier der Zukunft enthüllen würden, sowie sie auch die Vorstellung hatten, daß die Dämonen das Blut als ihre Speise genießen, weshalb sie es in ein Gefäß oder in eine Grube gossen, während sie darumsitzend das Fleisch aßen. Deshalb verbiete das Gesetz so nachdrücklich den Genuß des Blutes, das doch sonst als rein, ja sogar heiligend erklärt wurde, weshalb es an die Altäre und sogar auf die Kleider des Hohenpriesters gespritzt wurde, um diese zu heiligen. Die heil. Schrift weiß von diesem Zwecke des Verbotes des Blutgenusses nichts. Sie spricht sich vielmehr gerade über dieses Verbot wiederholt und bestimmt aus: „Denn die Seele (wv:) alles Fleisches ist sein Blut mit seiner Seele, darum sprach ich mit den Söhnen Israels: Das Blut des Fleisches sollt ihr nicht verzehren, denn die Seele alles Fleisches ist sein Blut" (3 Mos. 17, 14.). Ebenso: „Sei üur fest, nicht das Blut zu essen, denn das Blut ist die Seele und du sollst nicht die Seele mit dem Fleische verzehren" (5 Mos. 12, 23. vgl. schon 1 Mos. 9, 4.). Im Blute ist also nach dem Worte der Schrift das thierische Lebensprincip (dessen Nephesch) enthalten und dieses soll von dem menschlichen Lebensprincip immerdar geschieden bleiben, um nicht das menschliche durch das thierische zu depraviren und zur Annäherung an Gott unfähig zu machen. Die Erfahrung hat dies auch bestätigt und in dem häusigen Genüsse des Blutes eine Ursache der Verwilderung und brutaler Leidenschaftlichkeit gefunden. Die Seele ist mit dem Körper vom Schöpfer in eine ebenso feine und zarte wie enge Verbindung gesetzt, der Körper ist so sehr das Organ der Seele, daß die Beschaffenheit desselben allerdings auf die Beschaffenheit der Seele, auf die Stärke ihrer Neigungen, auf ihre Richtung und Entwickelung einen sehr bedeutenden Einfluß übt, der sich freilich unserer Beobachtung oft entzieht. In derselben Anschauung liegt aber auch der Grund, warum das Blut auf den Altar u. s. w. gesprengt wurde, um die Sünde des Menschen zu „bedecken" haD), zu versöhnen. Es versteht sich, daß es sich hierbei nicht um den eigentlich moralischen Theil der Sünde handelte, der durch Reue, Bekenntniß und Ersatz schon gesühnt sein mußte, sondern

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