Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1864)
- Date
- 1864-05-24
- Page
- Seite 335 (sequence 5)
- Language
- German
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335 gehen auf die Quellen, Ture Sahab und Sifte Kohen und stellenweiser Berücksichtigung jüngerer, für die rituelle Praxis wichtiger Casuisten. Eben Haeser: Vom Kap. 1 bis einschließlich Kap. 17, dann von Kap. 119 bis 176 mit Bet Schemuel. Bei den wichtigeren Materien muß auf die talmudischen Quellen gründlich eingegangen werden, bei anderen mit bloßer Beschränkung auf die Citate des Bet Joseph. Nebstdem wird das Studium des Schulchan Aruch, Orach Chajim von Kap. 8 bis 149, 416 bis 428 und 530 bis 697 dem Privatfleiße der Hörer empfohlen und ist von denselben zu verlangen, daß sie zu Ende des Curses den für die rituelle Praxis wichtigsten Theil davon dem wesentlichen Inhalte nach innehaben. An Hilchot Rosch Chodesch knüpft sich ein Cyclus von einigen Borträgen über das jüdische Kalenderwesen mit systematischer Darstellung desselben auf mathematischastronomischer Grundlage und Verweisung auf die einschlägige Literatur. Zur Unterstützung und Ergänzung des rituellen Studiums werden die Hörer bei einzelnen Materien zum Nachlesen der wichtigsten, in den Codices citirten und sonstigen einschlägigen Responsen angewiesen und mit diesem Literaturzweige überhaupt bekannt gemacht." Wie man in drei Jahren mit diesen Gegenständen und der Bibelexegese sammt den Commentatoren, der hebräischen und aramäischen Sprache mit allen Grammatikern, der ganzen Midraschliteratur, der Geschichte der Juden mit ihren Quellen und Hilfsbüchern, der Religionsphilosophie und Ethik mit Soadia, Juda Halevy und Maimuni u. s. w., der Einleitung in Mischna und Talmud, der Pädagogik, Katechetik und Homiletik, wie man mit allen diesen ungeheueren Gegenständen in drei Jahren fertig werden will, ohne daß nicht alles dies in höchst mangelhaftem Maße und einem wirren Durcheinander bleibe, können wir nicht begreifen. Doch legen wir hierauf kein großes Gewicht, da, wie gesagt, wenn die Anstalt ins Leben tritt, der Director und daS Lehrercollegium die Lehrobjecte und die Vertheilung der Curse doch erst ordnen, begrenzen und ergänzen müssen. (Schluß folgt.) Einige kritische Sticke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimonides. VII. Es ist nicht unsere Absicht, den ausführlichen Abschnitt des Maimonides über Zweck und Grund der Opfergesetze, den 46., in seinem Detail zu verfolgen. Es würde dies uns hier zu weit führen und nur einen geringen Kreis unserer Leser intßressiren. Bei der, wie wir erwiesen zu haben glauben, irrigen und sehr äußerlichen Grundansicht des M. über die Opfer im mosaischen Cultus, daß sie lediglich ein Zugeständniß an die damalige Sitte und ohne allen innern Gedankeninhalt waren, kann auch die Deutung des Zweckes im einzelnen von keinem erheblichen Werthe sein. Denn er sieht in allen einzelnen Veordnungen über die Opfer nichts als die Absicht, gerade das vorzuschreiben, was die heidnischen Opfergebräuche nicht haben, und das zu untersagen, was jene enthielten. Heben wir daher nur als Beispiel hervor, daß Maimonides gerade nur die drei Thierarten (Rind, Schaf und Ziege) opfern läßt, weil die Heiden diese nicht opferten, sondern andere Thiere, eine Behauptung, die bekanntlich sactisch unrichtig ist und nur aus der damals geringen Kenntniß des Alterthums erfließen konnte. So heißt es bei ihm auch: „Da aber die Götzendiener kein Brot sondern Sauerteig darbrachten, ferner süße Stoffe zu ihren Opfern wählten und diese mit Honig vermischten, wie zu ersehen ist aus den Schriften, welche ich anführte, da sie sich auch bei keinem ihrer Opfer des Salzes bedienten, darum untersagte Gott sowohl Sauerteig als Honig zu opsern, gebot aber den immerwährenden Gebrauch des Salzes, sowie es heißt (3 B. Mos. 2, 13.): „Bei jedem deiner Opfer sollst du Salz darbringen." Vielmehr müssen wir uns vergegenwärtigen, daß die genannten Thiere die Hauptbestandtheile des Reichthums der Israeliten ausmachten und so als Repräsentanten des Volkseigenthums und der materiellen Volksexistenz beim Opfer hingegeben wurden, ganz ebenso wie im Speiseopfer Mehl, Oel und Wein als Repräsentanten der Agricultur, als die eigentlichen Landesproducte, auf welchen die äußere Existenz Israels beruhte, und somit im Material des Opfers alles das hingegeben werden sollte, was Israels Eigenthum repräsentirte, wie dies schon in der Geschichte Kain's und Abel's hervortritt. Darum waren die genannten Thiere aus der Reihe derer, welche als rein zum Verzehren gestaltet