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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-17 · Heft 21 (17.5.1864) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 21 (17.5.1864)
Date
1864-05-17
Page
Seite 324 (sequence 10)
Language
German
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324 ihr eingelassen habe. Doch dieses war durchaus nicht meine Absicht, und zwar aus mannigfachen Gründen. Die „Wiener Kirchenzeitung" schreibt über Juden und Judenthum, ohne im Stande zu sein, zwei Zeilen hebräisch zu lesen oder zu verstehen. Wir wollen davon schweigen, was wohl die „Kirchenzeitung" thäte, wenn ein Jude mit ähnlichem Wissen ausgerüstet über das Christenthum und seine Dogmen schriebe, wie würde die „Kirchenzeitung" Zeter und Halloh schreien und alle Staatsanwälte der Monarchie in Bewegung setzen! Es war nicht unsere Absicht, der „Kirchenzeitung" Unterricht im Hebräischen und in der Auffassung jüdischen Schriftthums zu geben. Es heißt auch:!Xe mittatis margaritas etc. Möge sie fortfahren, Auszüge aus Eisenmenger rc. zu bringen. Vernünftige Menschen hören nicht auf sie und lesen sie blos als „Kladderadatsch" besonderer Sorte. Wien, 29. April. (Privatmitth.) Bekanntlich wollte man bei Gelegenheit des Jubiläums des Herrn Predigers Mannheimer dem Jubilar auch ein Ehrengeschenk, 4009 fl. in österreichischen Staatspapieren übergeben. Herr Mannheimer wollte jedoch durchaus kein Geldgeschenk annehmen. Dieses Capital wurde daher zu einer Stiftung, die den Namen „Prediger Mannheimerstiftung" trägt, verwendet, und zwar werden die Interessen derselben an Rabbiner, Prediger oder Lehrer in Oesterreich, welche zehn Jahre in einer Gemeinde zur Zufriedenheit gewirkt und arbeitsunfähig geworden sind, oder an deren Witwen und Waisen als Unterstützung gegeben. Das Zinsenerträgniß wird nur — außer bei besonderen Ausnahmsfällen — an einen Petenten gegeben, um in solcher Weise gewissermaßen ausgiebig zu helfen. Beamte großer reicher Gemeinden sowie sehr kleiner — die nicht 50 Mitglieder zählen — werden nicht berücksichtigt. Am 17. October d. I. (und so alljährlich) wird die Unterstützung zuerkannt und am 1. Nov. erfolgt die Auszahlung derselben (200 fl. nach Abzug der Couponssteuer). Die Gesuche sind bis zum 1. Juli an die Canzlei der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde für das Curatorium der Prediger Mannheimerstistung einzusenden. Das Curatorium besteht jetzt aus den Herren: Jg. Bobelle, L. Fischet, Jul. Ritter v. Goldschmidt, Dr. 8. Kompert und Dr. G. Wolf. Sollte in Oesterreich ein Pensionsinftitut für jüdische Lehrer, Prediger und Rabbiner entstehen, welches Garantien für seinen Bestand bietet, so kann diesem Institute das genannte Capital zugewiesen werden. — Bei Gelegenheit der Debatte über das Armengesetz im niederösterreichischen Landtage bemerkte der Cardinal Rauscher, daß die Mildthätigkeit dem Christenthume ihr Entstehen zu verdanken habe. Es wundert uns nicht, daß Se. Eminenz nicht im Talmud rc. bewandert ist (der Kirchenvater Hieronymus fand es freilich nicht unter seiner Würde, einen Juden zum Lehrer zu haben und bei ihm hebräisch zu lernen), wir glaubten jedoch, daß der Kirchenfürst das alte Testament gut kenne. Aus dem oben angeführten Ausspruche geht jedoch hervor, daß er dasselbe gar nicht kennt; sonst wäre es ihm wohl bekannt gewesen, daß nirgends die Wohlthätigkeit so sehr betont und die Armuth so sehr berücksichtigt wird wie eben im alten Testamente. Und in demselben Geiste lehrt auch der Talmud: Der Israelit ist verpflichtet, für jüdische wie für nichtjüdische Arme zu sorgen. "-sw cu *) Lemberg, 1. Mai. Wir haben bereits mitgetheilt, daß die galizische Statthalterei vom lemberger Stadtmagistrat ein Memorandum über die Stellung und Rechte der Juden gefordert und erhalten hatte, welches sich im feindlichsten Sinne aussprach, und daß daher die Statthalterei jenes der lemberger Policeidirection zuwies, um ein Gutachten über das Gutachten des Magistrats vorzulegen und sich über die Judenfrage auf Grund ihrer gemachten Wahrnehmungen und auf Thatsachen begründet auszusprechen. Dieses Gutachten der Policeidirection aus einer Stadt, wo die Juden mindestens drei Viertel der ganzen Bevölkerung ausmachen, ist so ausgezeichnet, so vorurtheilslos, wahrheitsliebend, offenmüthig und umsichtig, daß es in unserem Blatte nicht fehlen darf: Die lemberger Policeidirection verurtheilt den Ausspruch des Stadtmagistrates als die Ausgeburt verrotteter anti-civilisatorischer Ansichten, die mit dem Zeitgeist durchaus im Conflicte und von kleinlichen, spießbürgerlichen Particularinteressen eingegeben sind. Die Regierungserlässe, auf welche sich der Magistrat stützt, gehören einer abgeschlossenen Periode an. Es sei falsch, daß die Doktrinen des Talmud, welcher übrigens viel von seiner Autorität bereits eingebüßt, *1 Hierbei ist auch nicht zu vergessen, daß selbst das Wort „Almosen" dem Islam zu verdanken ist. Die Redaction.

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