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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-17 · Heft 21 (17.5.1864) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 21 (17.5.1864)
Date
1864-05-17
Page
Seite 323 (sequence 9)
Language
German
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323 also für die Stiftung t 562 Thlr. Sobald das Comite sich bestimmt für den von uns aufgestellten Zweck erklärt und einen angemessenen Organisationsplan aufstellt, übergeben wir ihm diese Summe. Im andern Falle setzen wir unsere Sammlung fort, bis die Summe von 3000 Thlrn. erreicht ist. Dann soll die Organisation vorgenommen und die Dertheilnng der Unterstützungen begonnen werden. Um dem Comite in keiner Weise entgegenzutreten, haben wir jede weitere Aufforderung, jede directe Bitte unterlassen und unseren Fonds nur durch freiwillig uns zugesandte Beiträge anwachsen lassen. Es wurde uns dies schwer, weil die Sache darunter leiden mußte, aber wir hielten dieses Verfahren für loyal und darum für unsere Pflicht. Einstweilen werden wir daher weitere Spenden in Empfang nehmen und veröffentlichen. Trier, 1. Mai. lPrivatmitth.) Obgleich von der Staatsbehörde die Aufforderung, den Sieg bei Düppel gottesdienstlich zu feiern, nur an die beiden christlichen Kirchen ergangen ist, wie dies bei allen freudigen und traurigen Staatsereignissen seit längerer Zeit geübt und die Synagoge principiell ignorirt wird, so haben doch gewiß viele jüdische Gemeinden es nicht unterlassen, auch gottesdienstlich dem Herrn der Schlachten ihr Dankesopfer darzubringen. Haben doch auch unsere Söhne gleich allen des gemeinsamen Vaterlandes den Kampf der Waffen auf jenem vielbestrittenen Erbe Deutschlands mitgefochten. Auch hier unterließ unser Herr Oberrabbiner Kahn es nicht, am letzten Pessachtage diesen Gefühlen Ausdruck zu geben, was er in sehr ergreifender Weise mit der Bedeutung des Tages in Verbindung zu bringen verstand. Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 2. Mai. Die „Presse" schreibt: Unser Correspondent in Venedig berichtete jüngst der „Presse" über das Gutachten der Handelskammer, betreffend die Zulassung der Juden zum Notariate. Das gibt einem Freunde unseres Blattes Anlaß, uns mitzutheilen, welche Ansicht der Feldmarschall Radetzky über diese Frage gehabt. Bekanntlich stellte im Jahre 1854 der damalige Minister Bach an die Statthalter der Kronländer zehn Fragen bezüglich der Stellung der Juden im Staate. Im lombardisch-venezianischen Königreiche waren die Juden seit der französischen Herrschaft den anderen Staatsbürgern gleichgestellt. Die österreichische Regierung beließ die Juden in ihren Rechten; nur ließ sie keinen derselben zu einem Amte zu. Der Feldmarschall befürwortete die Emancipation der Juden und schließt sein Votum ddo. Monza, 22. Juli 1855: „Ich kann übrigens nicht ohne die Bemerkung schließen, daß es im wohlverstandenen Interesse der Regierung liege, eine Elaste, die durch Intelligenz und Besitz Einfluß genießt und sich mit der Masse der Bevölkerung nicht amalgamirt, durch die angetragenen nicht sehr erheblichen Concessionen für sich zu gewinnen." Preßburg, 26. April. lPrivatmitth.) In unseren hiesigen Rabbinatskreisen herrscht große Verstimmung. Cs folgte Schlag auf Schlag. Zuerst der Erlaß der Hofkanzlei, daß nur diejenigen „Bachurim" vom Militärdienste befreit sein sollen, die während sechs Jahren hier studirt haben — dadurch wird das Privilegium dieser Rabbinatsschule ziemlich illusorisch — und dann die Conferenz zur Errichtung eines Rabbinerseminars, durch welches der hiesigen Rabbinatsschule in optima forma der Todtenschein ausgefertigt wird. Unser Rabbiner war jüngst in Wien, wo er mit mehreren anderen Rabbinern eine Audienz beim Kaiser und bei den Ministern hatte; aber die Zeiten haben sich geändert. Herr Ignaz Deutsch hat in letzter Zeit an Ansehen durchaus verloren, aus Gründen, die nicht hierher gehören — ein Factum, welches dem Verfasser der „jüdischen Tartüffe" noch unbekannt war — und Herr v. Schmerling will sich durchaus nicht zu der Ansicht bekehren lassen, als seien die sogenannten orthodoxen Juden auch die besseren und loyaleren. Er soll sogar vor einiger Zeit geäußert haben: die Karäer haben den Talmud gänzlich verworfen und nichts destoweniger zeichnen sie sich durch ihre Rechtlichkeit und Redlichkeit aus, weshalb sie auch von der österreichischen Regierung schon unter der Kaiserin Maria Theresia den anderen Juden gegenüber bevorzugt wurden. Herr v. Schmerling meint daher, das Judenthum sei nur interne Angelegenheit der Juden, um die sich der Staat als solcher nicht zu kümmern braucht. Hoffentlich werden sich die Dinge bald klären und das Judenthum aus all den Wirren geläuterter und herrlicher hervorgehen. Die „Wiener Kirchenzeitung" wunderte sich, daß ich sie in meiner letzten Correspondenz blos gestreift und mich nicht in eine echte und rechte Polemik mit 21

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