Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-17 · Heft 21 (17.5.1864) · p. Seite 322

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 21 (17.5.1864)
Date
1864-05-17
Page
Seite 322 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226440--22146-3259401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

322 wach zu rufen. Danken wir Gott für diesen Fortschritt, welchen das Judenthum und mit ihm die Civilisation, die Judenheit und mit ihr die Menschheit darin erreicht hat und feiert. Als ein Zeichen fortschreitender Humanität und Toleranz gilt auch, daß nunmehr der Verein zur Versorgung der jüdischen Armen in Worms mit Brennmaterial seine segensreiche Wirksamkeit auch ans die christlichen Armen der Stadt auszudehnen beschlossen hat. Von solchen Fortschritten der Humanität und Toleranz gibt auch ein anderer Vorfall noch Kunde, welcher in verschiedenen Zeitungen als ein „nachahmungswürdiges Beispiel" besprochen worden ist. In Alzey nämlich hat bei der Schlußfeier der Realschule auf Veranlassung des Directoriums der Rabbiner Di-. Rothschild, alttrnirend mit den übrigen Geistlichen, die gemeinsame religiöse Andacht gehalten. Die ultramontane (katholische) Partei hat großes Aergerniß daran genommen, aber um so mehr jubelt die liberale (evangelische-. Elftere scheint auch bei der Regierung Schritte dagegen thun zu wollen, aber man hofft mit Recht, vergebens. Preußen. Berlin, im Mai. (Privatmitth.) Wir lesen in der Bossisch. Ztg. vom 27. April aus Potsdam: „Am 8. d. M. hielt vor einer sehr zahlreichen Versammlung der „literarischen Gesellschaft" der Rabbiner Dr. Tobias Cohn einen sehr interessanten Vortrag über den Talmud.*) Zufällig wohnte Schreiber dieses der Vorlesung bei und kann nicht unterlassen zu bemerken, daß es zu den sehr dankenswerthen Unternehmungen gehört, vor einem gebildeten christlichen Publicum einen Bortrag dieses Inhalts zu halten, der im Stande ist, so viele noch herrschende Vorurtheile zu zerstreuen, dem gebildeten Christen die jüdische Literatur, die jüdische Anschauungsweise näher zu führen und ihn zugleich zu überzeugen, daß von all den Ungeheuerlichkeiten, Ausschreitungen und was sonst ein vieltausendjähriger Haß wieder und wieder dem Talmud andichtete, nichts vorhanden ist. Der Vortrag war aber auch vortrefflich und Dr. Cohn verstand es, durch gediegene Form den < Inhalt noch fesselnder zu machen, so daß durch den *) Eine ausführliche Analyse dieses Vortrages wird in dem „Jüd. Volksblatte" gegeben werden. tiefen Eindruck, den derselbe auf diese Gesellschaft, die Elite des gebildeten Potsdams, hervorbrachte, das Band herzlichen Verständnisses und edler Borurtheilslosigkeit, das in dieser Gesellschaft die Bekenner aller Religionen umfaßt, verstärkt und für immer gefestigt ward. Bonn, 5. Mai. (Privatmitth.) Gern hätten wir dem theilnehmenden Publicum zur ersten „Jahreszeit" des verewigten Rießer's schon etwas Sicheres über die Herausgabe seiner Schriften und die Herstellung der Rießerstiftung zur Unterstützung wissenschaftlicher Capacitäten, die um ihres Glaubens willen ihre Carrieren verschlossen finden, mitgethcilt. Allein da diese Angelegenheit nicht mehr von uns allein abhängt, sondern von dem in Frankfurt am Main zusammengetretenen Comitv, dieses aber bis jetzt einen öffentlichen Bericht über seine Resultate noch nicht gegeben, so können wir in diesem Augenblicke nur Folgendes referiren. Bei dem Comitv sind etwas über 4000 Thlr. eingelaufen, von denen eine verhältnißmäßige Summe für Exemplare der herauszugebenden Schriften zu 53/« Thlrn. bestimmt ist. Das Comits denkt daher jetzt an die Herausgabe zu gehen und finden darüber die nothwendigen Verhandlungen gegenwärtig statt. Hinsichtlich der für die Stiftung übrig bleibenden Gelder, so will das Comite den von uns aufgestellten Zweck adoptiren, aber zugleich auch den von Stipendien für Studirende verbinden. Offen gesagt, begreifen wir dies kaum. Die bis jetzt bei uns wie beim Comitö zusammengekommenen Mittel bieten noch einen so kleinen Zinsertrag, daß kaum einigermaßen Beträchtliches für den einen Zweck geschehen kann, um sie noch für einen andern zersplittern zu dürfen. Es würde dann für beide Zwecke NennenswertheS nicht geschehen können. Hierzu kommt, daß die Unterstützung Studirender durchaus sich vielmehr localisiren und von vielen Orten aus geschehen und betrieben werden muß, um genügende Kräfte dazu zu erlangen. Ein Centralfonds für diesen Zweck würde darum nur nachtheilig wirken, weil man sich andern Orts damit beruhigen würde, während er doch bei dem bedeutenden Umfang der Anforderungen niemals auch nur annähernd ausreichen würde. Wir hoffen daher, daß das Comits diese Absicht aufgeben werde. Was uns betrifft, so verfolgen wir unverändert unseren Plan. Von den 2040 Thlrn., die bei uns eingelausen, haben wir vom Comite 83 Exemplare ä 53/4 Thlr. zu beziehen, also 478 Thlr. zu zahlen, bleiben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.