Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1864)
- Date
- 1864-05-17
- Page
- Seite 321 (sequence 7)
- Language
- German
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321 Der Abend-Moniteur schreibt: Eine Commission hat sich gebildet, um die Ehrenbezeugungen, welche Frankreich Meherbeer schuldet, so feierlich als nur immer möglich zu machen. Diese Commission besteht aus den Herren: Camille Doucet (Direktor des Theater-Büreaus im Ministerium des kaiserlichen Hauses und der schönen Künste), de Saint George (dem bekannten Libretto- Dichter), Baron Taylor (Präsidenten der 8aciöte des gens de lettres), Emil Perrin (früherem Direktor der großen Oper), Auber, Georges Kästner, Ed. Mormais Fiorentino (dem bekannten Musik-Kritiker, der in der France mit seinem eigenen Namen, im Moniteur mit de Ranvray unterzeichnet), Julius Beer (einem Verwandten Meyerbeer's, sein Neffe, der ebenfalls Componist ist) und Louis Brandus (dem bekannten Verleger unseres großen Landsmannes). Freitag um 1 Uhr verlassen die sterblichen Ueberreste Meyerbeer's das Haus No. 2 in der Rue Montaigne, um nach dem Nordbahnhofe gebracht zu werden. Dort werden mehrere Reden gehalten werden, worauf die Leiche des berühmten Componisten auf einem besonder» Zuge nach Berlin abgehen wird. Herr Emil Perrin und einige andere Personen geleiten die Leiche bis an die Grenze. Herr Julius Beer und Brandus folgen ihr bis nach Berlin, wo sie Samstag Nachmittag eintreffen wird. Dort findet montags um 2 Uhr das Leichenbegängniß statt, worauf die sterblichen Ueberreste in der Familiengruft beigesetzt werden. Das Testament Meyerbeer's wird nach seinem ausdrücklichen Willen erst in Berlin eröffnet werden. Der Kaiser hat angeordnet, daß die Büste Meyerbeer's im Foyer der neuen Oper ausgestellt werde. Einer der ersten Künstler wurde mit der Ausführung derselben betraut. An die älteste Tochter Meyerbeer's (Frau Baronin v. Korff) hat der Kaiser einen Condolationsbrief geschrieben. London, 6. Mai. Nach dem 6br. haben wir mitzutheilen, daß der bekannte Reisende I. I. Benjamin, der sich, wie man weiß, zu einer neuen Reise nach Afrika anschickte, am 4. d. verstorben. Näheres mit Nächstem. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt a/M., 28. April. Unsere gesetzgebende Versammlung hat gestern ihre Berathung der Grundzüge der neuen Verfassung beendigt und die Ergebnisse zur Schlußredaction an die betreffende Commission zurückverwiesen; ebenso einige Anträge, welche den Senat ersucht wissen wollen, daß er diejenigen Punkte, über welche ein volles oder fast volles Einverständniß mit seinen Vorlagen erzielt worden, vor allen übrigen Punkten zur Erledigung (zur Abstimmung an die Bürgerschaft) bringen möge, namentlich die Gleichstellung der Israeliten und Landbewohner. Aus Rheinhessen, im April. (Privatmitth.) Ihr geschätztes Blatt brachte jüngst aus unserer Provinz die Nachricht von dem Tode des greisen Rabbiners „Lemberger" in Worms. Es ist wahr, daß wenig besondere Thaten als sprechende Zeugen seiner amtlichen Wirksamkeit auftreten. Darum beschränkte sich die Correspondenz auch wohl auf eine kurze Mittheilung von seinem Heimgange. Dieser Mann stand eigentlich auf der Scheide der alten und neuen Zeit, mit seiner Richtung ganz in der alten Zeit wurzelnd, in der er geboren ward, aber nicht wissend, ob er nicht einen Schritt hinüberragen solle in die neue Zeit, in der er lebe. Daher seine Unentschlossenheit und Thatenlosigkeit. Jedoch dafür gehörte der Mann auch nicht zu den enragirten Fanatikern und blinden Hyperorthodoxen, denn er war gelehrt und — tolerant, dabei seinem Aeußern nach eine würdevolle Erscheinung und somit in wie außerhalb seiner Gemeinde geachtet. Davon gab auch sein Leichenbegängniß Kunde, zu welchem eine große Menge selbst von auswärts herbeigeeilt war, auch mehrere Rabbiner, von denen einige am Grabe sprachen, andere einen Trauergottesdienst in ihrer Gemeinde abhielten. Auch die christliche Gemeinde betheiligte sich, sogar mit ihren Spitzen und Honoratioren, die Administrations- und Gerichtsbehörden, das Militär und die Geistlichkeit, was um so bedeutungsvoller ist, als gerade Charfreitag war, einer der höchsten Feiertage der christlichen Kirche und so ganz geeignet, bei einer fanatischen Geistlichkeit und Menge feindselige oder doch gehässige Gedanken und Erinnerungen gegen die Juden