Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1864)
- Date
- 1864-05-17
- Page
- Seite 320 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feilt Fünkchen seiner Begabung für die Verherrlichung des jüdischen Gottesdienstes verwendet hat und der seine Töchter der Heirathen wegen zum Katholicismus hat übergehen lassen, so hat er doch als Jude sich seine hohen Verdienste und seinen Ruhm und zwar in seiner Vaterstadt mit großer Mühe erworben und ist als Jude gestorben. Wir sind daher verpflichtet, ihm an dieser Stelle einige Notizen zu widmen, indem wir zugleich eine unsererseits schon mehrmals gemachte Bemerkung wiederholen, daß in nicht wenigen seiner Melodien der Eindruck sichtbar wird, den in seiner Jugend die Sangweisen der Synagoge auf ihn gemacht haben. Man schreibt aus Berlin: Der berühmte Tonkünstler war in Berlin und nach den Geburtsregistern der jüdischen Gemeinde am 23. September 1791 geboren, hatte also ein Alter von 72 Jahren und etwas über 7 Monaten erreicht. Es ist das um so mehr zu constatiren, als in Lebensbeschreibungen und sonst auch Meyerbeer, der eigentlich Meier Beer hieß und sich erst später Jakob Meyerbeer nannte, jünger angegeben ist, er es auch liebte, sich jünger zu machen. Sein Vater, der 1825 hier verstorbene angesehene und geachtete Zuckersiedereibesitzer Jakob Herz Beer, hatte außer Meier, dem ältesten Sohne, noch drei Söhne, von denen zwei sich gleichfalls einen Namen gemacht, so der 1833 in München verstorbene dramatische Dichter Michael Beer und der 1550 hier verstorbene Wilhelm Beer, der mit Mädler Mondkarten herausgegeben und bis zu seinem Tode Mitglied der damaligen Ersten Kammer war, in welcher er der äußersten Rechte angehörte. Meyerbeer gehörte auch zu den ersten dreißig Rittern der Friedensclasse deS Ordens pour le merite für Wissenschaften und Künste. Bei der Krönung des Königs Majestät erhielt er den neugestifteten Kronen-Orden und zwar in der zweiten Elaste. (Der dritte Bruder, Heinrich Beer, war ein eifriger Anhänger und Hörer Hegel's, konnte es aber seinen Brüdern an Resultaten nicht gleich thun. Redact. d. A. Ztg. d. Judenth.) Man schreibt aus Paris: Meyerbeer war allerdings in seiner Wohnung, Rue Montaigne, längere Zeit unwohl, aber nicht so krank gewesen, daß man für sein Leben hätte fürchten können. In den letzten Tagen war aber sein Zustand sehr bedenklich und seit gestern höchst gefährlich geworden. Der Kaiser hatte sich jeden Tag mehrere Male erkundigt und einen seiner Aerzte ans Lager des Kranken gesandt. Die Leiche wird nach Berlin gebracht und im dortigen Familien-Grabmal beigesetzt werden. — Seine ersten Opern, „Jephta" und „Die beiden Kalifen", hatten keinen Erfolg; auch die in der Zeit von 1818—1825 für verschiedene Theater Italiens componirten Opern machten kein besonderes Glück; nur die letzte, „Jl Crociato", errang einen größeren Beifall. Nach längerer Pause trat dann Meyerbeer 1830 in Paris mit „Robert der Teufel" hervor, der ihm denn auch die Bahn zum Ruhme brach. Durch „Die Hugenotten" (1836) gewann er sich festen Boden auch in Deutschland. Die berliner Akademie der Künste wählte ihn zum Mitgliede und der König Friedrich Wilhelm IV. ernannte ihn 1842 zum General-Musikvirector. In demselben Jahre componirte er „Das Feldlager in Schlesien", das er später zum „Nordstern" umarbeitete. Zum „Struensee", dem Trauerspiele seines Bruders Michael Beer, schrieb er 1845 Ouvertüre, Chöre, Märsche und Tänze; im Jahre 1849 kam in Paris der viel erwartete „Prophet" zur ersten Aufführung. Es folgten dann noch der „Nordstern" und „Dinorah"; bisher erwartet wurde bekanntlich „Die Afrikanerin." Obgleich sein Tod erst heute nachmittags bekannt wurde, so widmen ihm doch bereits alle Journale einen warmen Nachruf. „Es ist eine Trauer für die Kunst", meint der Abend-Moniteur, „deren Tragweite sich nicht bemessen läßt. Die Größe eines solchen Verlustes mißt sich nach der universellen Bewunderung." Die sterblichen Ueberreste des großen Meisters werden seinem Wunsche gemäß nach Berlin gebracht werden, um in seiner Familiengruft beigesetzt zu werden. Meyerbeer starb an einer Unterleibskrankheit. Er legte sich erst am letzten Samstag. Vor 8 Tagen hatte er noch seine Vorbereitungen zu einer kleinen Reise getroffen. Während seiner kurzen Krankheit behielt er sein volles Bewußtsein; nur gegen das Ende wurde er von einer Schwäche ergriffen, die nichts Schmerzliches hatte. Sein Tod war höchst sanft. Meyerbeer hat genaue Instructionen darüber hinterlaffen, wie seine Beerdigung stattfinden soll. In Paris werden seine sterblichen Ueberreste drei Tage ausgestellt bleiben und dann auf eine von ihm im voraus fetzgesetzte Weise nach Berlin gebracht werden. — *) *) Eine ausführlichere Lebensskizze geben wir im „Jüdischen Volksblatte." Die Redaction.