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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-17 · Heft 21 (17.5.1864) · p. Seite 319

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 21 (17.5.1864)
Date
1864-05-17
Page
Seite 319 (sequence 5)
Language
German
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319 deutlich, daß sie jeden Commentar, ja jede noch so geringfügige Bemerkung überflüssig machen. Eingetheilt ist das Buch in 7 Abschnitte, deren jeder eine größere oder kleinere Menge der interessantesten Actenstncke rc., enthaltend des Verfassers Grundansicht, „daß die Fortdauer des weltlichen Regiments des Papstes eine reine Unmöglichkeit geworden", nach einer andern Richtung hin beleuchtet und bestätigt. Die Urkunden des 6. Abschnittes sollen (nach der ihm gegebenen Ueberschrift) Nachweisen, daß die päpstliche Herrschaft mit dem gegenwärtigen Zustande der Sittlichkeit und der Religion unverträglich sei. Da hebt denn der Vers, ganz besonders einen „Hirtenbrief des Großinquisitors Bertolotti" hervor, durch welchen im Jahre 1843 die „Vorschriften gegen den Umgang mit Juden" eingeschärft resp. die diesen Gegenstand betreffenden allgemeinen Verordnungen vom 15. September 1841 wiederholt worden. Nach diesen nun ist es namentlich jedem in den Handelsstädten Ancona und Sinigalia wohnenden Juden strengstens untersagt, „einen Christen zu bewirthen" oder „einen Christen in seine Dienste zu nehmen." — Ferner ist allen Juden geboten, „ihre liegende und bewegliche Habe bei Strafe der Confiscation und der öffentlichen Versteigerung binnen drei Monaten zu verkaufen." — Auf den Verkauf irgend eines Buches durch einen Juden folgt für diesen die „Bestrafung mit 100 römisch. Thalern Geldbuße und 7 Jahren Gefängniß." — Welcher Jude „eine Nacht außer dem Ghetto zubringt" oder „mit Christen Umgang hat", verfällt der Strafe der Inquisition. Letztere allein ist „zur Ertheilung von Pässen an Juden berechtigt", wie sie allein und ausschließlich „den competenten Gerichtshof für politische Verbrechen" bildet. — Neigebauer, welcher über das vorliegende Buch in Lehmann's M. f. d. L. d. A. referirt, fügt hinzu, daß in dieser höchst wichtigen Sammlung von Urkunden sich übrigens auch alle die Verhandlungen befinden, welche auf den Raub des Judenkindes Mortara zu Bologna Bezug haben. H. Ludwig Meinardus. So heißt der Componist des neuen Oratoriums „G i d e o n", das unlängst in Bremen zur Aufführung kam und von welchem der Redacteur des dort erscheinenden „Literarischen Wegweisers", Dr. Pletzer, sagt, daß es den hohen sittlichen Ernst der biblischen Erzählung mit der ganzen Beweglichkeit und Freiheit der Behandlung vereinige, welche Felix Mendelssohn seinen Oratorien verliehen — eine Behandlung, die seitdem maßgebend und zur Forderung des gebildeten musikalischen Pubicums geworden." — Meinardus ist ein Jünger Mendelssohns und hat — wie das genannte Blatt hinzufügt — dem Vorgänge des Meisters in dessen „Elias" folgend, den Triumph der Gottes-Idee und der Wahrheit über den Eilelleits- und Hoffarts-Dienst des Heidenthums zum Gegenstände seiner Composition gemacht, zu welcher er sich den Tert selbst aus der Bibel zusammengestellt. — Wenn wir — so schließt der betreffende Bericht — auf Grund des Schrittes, den Mendelssohn gethan, eine ganze Reihe von vortrefflichen Werken erhalten haben, so sei der „Gideon" des Meinardus gewiß eines, welches seinen Platz rühmlichst ausfülle. — III. Mosenthal. Dieses dramatischen Schriftstellers „Deborah" ist unter dem Titel: „Lea" ins Englische übertragen und auf einer londoner Bühne 100 Mal hintereinander gegeben worden. Die „Europa" berichtet, daß Miß Kote Batman, die gefeierte Darstellerin des Judenmädchens Deborah, nach der letzten Vorstellung, welche ihr Benefiz gewesen, dem Dichter Mosenthal die Hälfte der Einnahme zugesendet habe. — Echt englisch. — Was nun das in Rede stehende Schauspiel selber anlangt, so haben wir es — viele andere Mängel abgerechnet — niemals begreifen können, was den Dichter bewogen, das Geschick seiner Deborah — die er uns doch gewissermaßen als „erhabenes Wesen", ja als „Priesterin der Tugend" vorführt, so eng und einig mit dem Geschicke eines Bauersohnes wie Joseph zu verknüpfen, welcher — bei all seiner Biederkeit und sonstigen trefflichen Eigenschaften — sich doch nicht über das Niveau des Alltäglichen erhebt und am allerwenigsten „Herr der damals herrschenden Vorurtheile gegen^die Juden" zu werden vermag. — Wehl. | Nekrologe. j Am zweiten Mai, morgens 6 Uhr, ist Me herbe er verstorben. Die außerordentliche Theilnahme, welche in Paris und Berlin und wohl an vielen anderen Orten das Absterben dieses Componisten erregte, ist ein Zeugniß mehr für die Bedeutung dieses Meisters. War er auch ein sehr lauer Jude, der, ungeachtet mehrfacher Gesuche von seiten großer Gemeinden,

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