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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-10 · Heft 20 (10.5.1864) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 20 (10.5.1864)
Date
1864-05-10
Page
Seite 308 (sequence 10)
Language
German
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308 Thesen: t) über den Fortbestand einer israelitischen Central-Landes-Oberkirchenbehörde; 2) die Schaffung und Zusammensetzung sowie den Wirkungskreis einer Landessynode; 3) die Borbildung der Rabbinen und Vorsänger; 4) die Anstellung der Rabbinen und Vorsänger, ob durch die Oberkirchenbehörde oder durch die Gemeinden; 5) die Stellung der Rabbinen und Vorsänger im Kirchenvorsteheramte und 6) die Aufhebung und den Ersatz der Personalsteuer als Beitrag zu der Centralkirchenkasse. Nach eingehender Debatte unter dem Vorsitze des Herrn O. I. Prok. Heß aus Ulm wurden die Beschlüsse fast einstimmig gefaßt, und zwar: Es soll eine Landes-Oberkirchenbehörde fortbestehen, in derselben sollen nur solche Männer Stimmrecht haben können, die die nöthige Intelligenz und Bildung besitzen und sich mit ganzem Herzen zum Judenthume bekennen. Dieser Oberbehörde soll eine in regelmäßigen Zeitkäufen sich versammelnde Landessynode zur Seite gegeben werden, deren Mitglieder mindestens zu zwei Dritteln aus Laien und höchstens ein Drittel aus Rabbinen des Landes von den Gemeinden in directer Wahl gewählt werden. In der Oberkirchenbehörde sollen organische oder allgemeine, für alle Gemeinden des Landes giltige Bestimmungen in Betreff des Cultus, gottesdienstlicher oder ritueller Handlungen, des Religionsunterrichts, der Befähigung und Anstellung der Vorsänger, der Landes- und Gemeindeumlagen und Gemeindeverwaltung ohne Zustimmung der Landessynode nicht getroffen werden können, auch soll der letzteren das Antragsrecht in allen diesen Angelegenheiten zustehen und sie wählt diejenigen Mitglieder der Centralkirchenbehörde, die blos Sitz und Stimme, aber kein Referat in derselben haben. Ferner soll Fürsorge getroffen werden, daß die Rabbinats- und Schulamts-Candidaten in den erforderlichen specifisch-jüdischen Wissenschaften und Kenntnissen sich genügend ausbilden können. Der Modus bei Besetzung der Rabbinats- und Vorsängerstellen soll der alte bleiben. Rabbiner uud Vorsänger sollen nicht mehr Vorsitzende des Kirchenvorfteheramtes sein, sondern nur eine belachende Stimme bei demselben haben; nur in Kirchen-, Schul- und Stiftungssachen zählt ihre Stimme. Die Personalfteuer wird aufgehoben, der Ersatz derselben aber späterer Berathung Vorbehalten. Diese Beschlüsse werden in Petitionen formulirt, den Gemeinden zur Unterschrift unterbreitet und den gesetzgebenden Factoren übermittelt. Sobemheim, im April. (Privatmitth.) Wieweit es die protestirenden Rabbinen bereits gebracht haben, kann aus Folgendem ersehen werden. Ihr Blatt brachte die Freude der katholischen Ultramontanen über diese Vorgänge, ausgesprochen durch Herrn Sebastian Brunner. Aber auch noch von einer andern Seite wird ihnen freudig die Hand geboten und gedrückt, das ist von den protestantischen Judenmissionären. Diese lassen in Köln alle Monate ein Blättchen erscheinen: „Missionsblatt", das man zwar jährlich frei durch die Post für 6'/* Sgr. erhalten kann, aber, da die Juden es selbst für diesen Spottpreis nicht haben wollen, ihnen wohl auch sonst zugängig gemacht wird. Da heißt es denn in der „April-Nummer", nachdem ein, man kann denken welcher, Bericht über den Kompert'schen Prozeß gegeben worden, wörtlich: „So muß auch dieser ärgerliche Prozeß der göttlichen Wahrheit dienen. Sie kann aus allen frivolen Fälschungsversuchen nur siegreich hervorgehen. Möchten nur jene 152 Rabbiner und ihre Gesinnungsgenossen die herrlichen Weissagungen jenes 53. Kapitels Jesaia unbefangen mit der Erfüllung derselben im Neuen Testamente vergleichen, sie würden auch noch weiter kommen. Möchten sie nur unermüdlich, ernst und aufrichtig in den Propheten weiter forschen, sie würden den schon erschienenen Messias finden und dann noch eine ganz andere Erklärung abgeben. Jedenfalls gilt von dem jetzt an das Licht eines menschlichen Gerichts gezogenen göttlichen Worte: Du behältst Recht in Deinen Worten, — und bleibst rein, wenn Du gerichtet wirst. Psalm 51, 6." Also aufgemerkt, ihr Israeliten, aus diesem offene» Bekenntniß der Judenmissionäre seht ihr, wen diese als sich ebenbürtig, als sich nahe, als nur einen Schritt weiterzugehen benöthigt, um selbst Judenmissionäre zu werden, erachten, wie sie aber unter den Juden diejenigen für ihre Gegner, für himmelweit von sich getrennt anerkennen, welche für Klärung und Entwickelung des Judenthums kämpfen und darin die Einheit der Religion, die Einigkeit aller ihrer Bekenner erstreben. Es versteht sich daher wie von selbst, daß das „Missionsblatt" dabei auch gleich zuvor einen scheelen Blick auf Sie, Herr Redacteur, und die A. Zeitg. d. Judenthums wirst und meint, Sie hätten zu früh zu triumphiren gemeint. Seht, ihr Unterzeichner jenes Protestes, welchen von b'chri ihr gemacht! Das ist es ja gerade, was

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