Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1864)
- Date
- 1864-05-10
- Page
- Seite 307 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Dedieation u. o. wie folgt: „Es ist ein charakteristisches Zeichen unserer Zeit, in der die Wissenschaft immermehr Gemeingut wird, daß besonders die Frau, eingedenk ihres hohen Berufs als Erzieherin deS Menschenkindes, anfängt ein offenes Auge zu haben für die Culturgeschichte der Menschheit, für die Gesetze des Lebens und der Natur, für das große Ganze, dessen Glied wir sind — ohne daß sie deshalb aufhören will, für den ihr bestimmten engen Kreis der Familie zu sorgen und zu schaffen. Die Frau hat die eigentliche Aufgabe, alle edlen Beispiele großer Menschen in sich aufzunehmen und zu verarbeiten, um ihre Kinder, vorzugsweise die Knaben, an den ideellen Vorbildern zu tüchtigen Menschen zu bilden." — Wir eitiren diese Worte, weil es uns besonders freut, sie aus der Feder und aus dem Herzen einer jüdischen Frau, einer jüdischen Mutter fließen zu sehen. O, wenn doch recht viele Frauen, recht viele Mütter unter uns so dächten, so fühlten! — Als Hauptquelle hat die Verfasserin, wie sie selber sagt, Libri's 1840 erschienene „llistoire d68 Sciences mathemaliques en Italic" benutzt, und beschreibt sie auch nur das „Leben" des großen florentinischen Weisen, so gibt sie doch da und dort deutlich genug zu erkennen, daß ihr das Gebiet, auf welchem wir sonst die Gebildeten ihres Geschlechts gerade nichts weniger als einheimisch finden, nämlich das der „Naturwissenschaft", kein verschlossener Tempel geblieben. — In geographischer Beziehung ist uns indeß eine Jneorreetheit sehr aufgefallen, nämlich die Seite 14 vorkommende Bemerkung, daß man von den Thürmen und Gebäuden in Venedig durch galileische Fernröhre die Schiffe aus dem atlantischen Oeean betrachtet hätte. — Die Sprache ist schön und fließend, wie wir sie an dieser Literatin von je gewohnt sind. Der Gegenstand, an und für sich interessant, wird von ihr nur noch interessanter, unterhaltender, anziehender gemacht. — Und je weiter wir lesen, desto deutlicher, desto lebendiger steht vor uns das Bild des Mannes, den man als Ketzer und Gottesleugner verdammte, weil man im blinden Fanatismus und finstersten Buchstabenglauben vermeinte und behauptete, daß seine Lehre von der „Bewegung der Erde" gegen das Bibelwort: „Du hast sie fest begründet" arg verstieße, — des Mannes, den man gemartert und gefoltert, eingekerkert und in Nacht und Elend gestoßen um der Wahrheit willen, die er verkündete, und der zuletzt noch das große und ewig unvergängliche Wort gesprochen: „Und sie bewegt sich doch!" — „Himmel!" — ruft die Verfasserin bei der Schilderung der von päpstlich-jesuitischer Seite dem Galilei zugefügten Leiden aus — „welche Ausgeburten hast du in Menschengestalt geboren sein lassen — nur eine Ruthe zu schaffen — ganzen Geschlechtern!" — Das ist ein Thema, wobei wir Juden auch manch Wörtchen mitzureden hätten. — Galileo Galilei war ein großer Mann, ein erhabener Geist — und was ihn ganz besonders hoch stellt, es ist, daß er litt und duldete um der Wahrheit willen. — In unserer Nation hat es an großen und edlen Märtyrern der Wahrheit nimmer gefehlt. — Wir scheiden von der Verfasserin mit dem Wunsche, daß sie auch einmal einen jüdischen Märtyrer oder überhaupt einen jüdischen Stoff bearbeiten möchte. Um ein interessantes Sujet dürfte sie gewiß nicht verlegen werden. Louis Wehl. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aschaffenburg, 11. April. Zur Errichtung eines Nationaldenkmals für unseren höchstseligen König Max hat sich nunmehr auch hier ein Comits gebildet, aus allen Ständen zusammengesetzt. Weil München gleicherweise voranging, hat man auch hier zwei Juden, darunter den hiesigen Rabbiner, in dasselbe berufen zu müssen geglaubt, was aber ja niemanden auf den Glauben bringen soll, daß die hier von jeher heimische Intoleranz, der hier im Volke tief eingewurzelte Judenhaß, irgendwie abgenommen habe. Bewahre! Hat doch erst vor kurzem wieder die hiesige Gesellschaft „Frohsinn", fast durchgängig Bürger aus den verschiedensten Schichten der Bevölkerung zu ihren Mitgliedern zählend, einem höchst achtbaren hiesigen Kaufmann, gegen den sich nichts Nachtheiliges sagen läßt, blos weil er Jude ist, die Aufnahme als Mitglied verweigert. Ulm, 27. April. (Schw. M.) Am Sonntag den 24. April versammelten sich hier sämmtliche israelitische Kirchenvorsteher des Donaukreises, um die Neugestaltung des israelitischen Kirchenwesens zu berathen und die Wünsche der Gemeinden festzustellen. Das aufgestellte Programm erstreckte sich über folgende 20