Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1864)
- Date
- 1864-05-10
- Page
- Seite 306 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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306 gend*) die Lehren des Christenthums heranzieht, was sicherlich nicht zur Abschwächung des jüdischen Glaubenseifers führt und die Liebe zum Judenthume nicht erkältet. Daß aber Israel jetzt ohne Gefahr, ja selbst ohne Erbitterung zu erregen, mit geistigen Waffen das Christenthum bekämpfen kann, beweist am besten, daß wir ohne die Erscheinung einer messianischen Persönlichkeit der messianischen Zeit nach rein biblischem Sinne sehr nahe gerückt sind. Ohne die Verketzerung und Angeberei einer berüchtigten Persönlichkeit mit der kleinen Schar seiner Schildknappen zu fürchten, lehrt der Verf. offen und frei (§. 55), daß nach den rein biblischen Grundsätzen Gott allein der Erlöser Israels und der ganzen Menschheit sei und man unter dem bildlichen Ausdrucke „Messias" am füglichsten das Volk des wahren Glaubens in seinen Kämpfen und Leiden, Siegen und Freuden verstehe. Zu den bekannten Beweisen für das hohe Alter dieser als eine neue Häresie verschrienen Lehre ist noch die interessante Mittheilung aus der Schrift: Jggereth Hageula, bei Albo 4, 42 von Chajim Gallipapa beizufügen. Diese Schrift ist wohl identisch mit der von den Bibliographen erwähnten Schrift dieses Verfassers: Emek Refaim. Ohne nähere Begründung hat der Verf. in diesem §. eine Ansicht über die rnmnO und m?:nnö im Pentateuch niedergelegt, die, wenn richtig, von ungemeiner Tragweite und Wichtigkeit für die biblische Kritik wäre. Die Zusammenstellung von Bestandtheilen gleichartigen Inhalts aus verschiedenen Urkundenquellen ist nach dem Verf. durch eine „offen" gelaffene große Lücke nninv getrennt; Sätze verschiedenen Inhalts aus einer und derselben Urkundenquelle sind nur durch eine vom beiderseitigen Schrifttexte „eingeschlossene" kleine Lücke mainö voneinander geschieden. Wenn wir diese Regel kritisch anwenden wollen, so lösten sich allerdings so manche Schwierigkeiten im Schrifttexte auf. Es wären z. B. nach dieser Ansicht die Zehnworte im Deuter., die alle mit 'o gezeichnet sind, aus einer Urkundenquelle zusammengestellt; ebenso die Zehnworte im Exodus mit Ausnahme des Sabbathgebots, das hier mit 's gezeichnet ist, was daher aus einer andern Urkundenquelle entnommen ist und daher darin seine Erklärung findet, warum hier ‘tot und dort ‘tjeuj steht. — So sind auch die Lobgesänge Mo¬ *) Aber das vorliegende zweite Heft ist nicht für die Jugend, sondern für Lehrer und Fachmänner bestimmt. Die Redaction. ses und Mirjams beim Auszug auS Egypten beide durch 's im Texte getrennt; sie sind demnach aus zwei verschiedenen Relationen zusammengestellt. Die Hindeutungen mögen genügen, um zu weiterer Untersuchung dieser Hypothese anzuregen. Der Verf. hat in diesem Schriftchen die Resultate seiner Studien und Forschungen kurz zusammengefaßt und bei der sichtbaren Oekonomie der ganzen Zusammenstellung dürfen wir es ihm nicht zum Vorwurf machen, daß er keine Vorarbeiten erwähnt und selbst in den historischen Artikeln keine Quelle angibt, wodurch er sich sicher so manchen Widerspruch erspart hätte. So hat er §. 50 bei Cyrus nur die Berichte von Tenophon berücksichtigt und Herodot stillschweigend übergangen, dessen Angaben aber auch mit den biblischen Relationen weniger übereinstimmen als die von Xerrophon (Gesenius Jes. 469). Der Ahasverus in ersterem wird als Cyaxares II erkannt, gegen die Meinung anderer, die ihn mit Astyages oder Terxes identificiren, was aber unbedingt*) zu verwerfen ist (des Vignales, Josts Annalen 1841). Wir haben bei diesem Referat nur auf das Material für die biblische Kritik, womit der Verfasser dieses Schriftchen ausgestattet hat, aufmerksam gemacht, ohne das religionsphilosophifche Gebiet zu berühren, auf dem nicht minder so manches Neue zu finden ist. Kh m. Frankfurt a/O., 27. März. (Literarische Notizen.) Galileo Galilei. Von der, unserer Glaubensgenossenschaft angehörenden, so sehr begabten Schriftstellerin Lina Morgenstern — über deren literarisches Wirken theils vom Unterzeichneten theils von Herrn Emil Breslaur in diesen Blättern bereits berichtet worden — ist vor kurzem wiederum eine Schrift erschienen, welche, obschon sie gerade keinen jüdischen Gegenstand behandelt, an diesem Orte doch eine kurze Erwähnung verdient. Das Büchlein (nur 40 Seiten stark) ist eine Gelegenheitsschrift, es ist ein „Gedenkblatt" zur Feier des 300jährigen Geburtstags des großen Astronomen Galileo Galilei, welcher bekanntlich am 18. Februar 1564 zu Pisa geboren wurde. Die Verfasserin hat ihr „DaS Leben Galileo Galilei's" betiteltes Merkchen dem, ebenfalls unserm Bekenntnisse angehörenden, Professor Dr. L. Traube in Berlin gewidmet und sagt in der *) Dieses „unbedingt" müssen wir den Referenten allein vertreten lassen, wie so manche andere Behauptung. Die Redaction.