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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-10 · Heft 20 (10.5.1864) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 20 (10.5.1864)
Date
1864-05-10
Page
Seite 305 (sequence 7)
Language
German
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305 baude der Menschheit nur einfache Bausteine unter den zahllosen gleichartigen abgaben, die sich dem Auge bald entzogen haben würden. — Aber man meine nur nicht, daß wir hier blos von dem äußerlichen Rühme und Erfolge sprechen. Nein, wir haben dabei die fortgesetzte, sich immer wiederholende Wirksamkeit im Auge, die jene und andere Männer auf diesem speciellen Gebiete in den Geistern der Enkel und Urenkel ausüben. Noch heute schöpfen wir aus der reichen Geistesquelle des Maimonides und Leben und Kraft ergießen sich aus ihr durch die ganze jüdische Glaubensgenoffenschaft. Hätte Maimonides ganz dieselbe Geisteskraft allein auf die Philosophie und Medicin verwendet, so würde er bei günstigem Geschick noch jetzt eine ehrenhafte Stellung in der arabischen Philosophie und Medicin einnehmen; dies wäre aber auch alles. Wie beschränkt wäre nach dem damaligen Standpunkte dieser beiden Wissenschaften doch nur sein Gesichtskreis geblieben und wie wenigen wäre es gegeben, sich mit ihm zu beschäftigen und aus ihm zu schöpfen! Denn die Wissenschaft geht schnell über die Einzelnen hinweg; ihre Aufgaben sind so groß, daß sie von den Einzelnen nur in einem geringen Maße gelöst werden können, welches in der nächsten Zeit schon wieder überschritten wird. Die Anforderungen der Kunst sind so umfassend, daß in der großen Reihe ihrer Jünger es nur immer wenigen riesenhaften Geistern gegeben ist, dauernd eine hervorragende Stellung und Wirksamkeit einzunehmen. Wie viele daher, die sich „auf der Höhe der Zeit" glaubten, sind in der Allgemeinheit nach kurzer Zeit sammt ihren Arbeiten vergessen. Wie viele, die sich einer allgemeinen Anerkennung rühmen, sinken, wenn nicht schon bei Lebzeiten, doch schon kurz nach ihrem Scheiden von ihrer Höhe herab. Dankbarer aber sind die nachfolgenden Geschlechter für diejenigen, welche auf einem speciellen Gebiete ihr ganzes Leben für Schaffen und Wirken einsetzten. Da haben sie dauernden Segen verbreitet und bleibendes Verdienst erworben. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a/M., im April. Religionsphilosophische Erläuterungen zur biblischen reinen Glaubens- und Pflichtenlehre, von vr. Hochstädter. Wenn auch die jüdische Literatur mit Religions- und Erbquungsschrifter, reichlich bedacht ist, so ist doch der Kreis ihrer Leser in der Regel nur auf die Fachgenoffen beschränkt; man betrachtet sie gewöhnlich gleichsam wie identische Noten der Theologen, so daß eine derartige Schrift gelesen zu haben für alle andere genüge. In obgenanntem Schriftchen, das sich dem vor einigen Jahren vom Verf. ebirtcn; „Glaubens- und Pflichtenlehre" anschließt und solches ergänzt, sind aber so manche neue von der Zeit hervorgerufene Untersuchungen dem gewöhnlichen Lehrstoffe beigefügt, daß wir dasselbe zur allgemeinen Berücksichtigung hervorheben müssen. So hat z. B. der Berf. (§. 7) alles kurz und bündig zusammengefaßt, was zur Uebereinstimmung der mosaischen Schöpfungsgeschichte mit den neueren geologischen und physikalischen Forschungen gesagt worden ist. Man darf es freilich bei dieser so schwierigen und tief einschneidenden Untersuchung nicht so genau nehmen und etwa beanspruchen, daß das biblische göttliche Fiat ganz genau den Gebilden der sich entwickelnden Formationen, wie die Geologie es lehrt, entspreche. So bestand z. B. die Flora der Steinkohlenperiode aus Farrenkräutern, Lepidodendren rc., aber nicht schon aus fruchttragenden Bäumen, wie es die h. Schrift lehrt; ebenso ist es nach den Gesetzen der Natur nicht ganz erklärlich, wie überhaupt ohne Sonnenlicht, das doch nach der biblischen Kosmogonie erst in der vierten Zeitperiode sichtbar wurde, eine Vegetation von nur grünem Grase gedeihen könne. Dem Verf. ist es aber auch gelungen, so mancher agadischen Stelle ein wissenschaftliches Gepräge aufzudrücken; so erklärt er, die von Maimon. schon gerügte Stelle in Pirke d. R. Elieser: „Woraus wurden die Himmel (das heiße die leuchtenden Himmelskörper) gebildet? Vom Lichtgewande Gottes", wolle sagen: Aus dem von Gott geschaffenen Lichtäther; „Woraus wurde die Erde gebildet? Von dem Schnee unter seinem Throne", wolle sagen: Durch die Abkühlung der Erdrinde. Ist auch diese Erklärung dem dortigen Nachsätze: „Er warf Schnee auf das Gewässer und es erstarrte und wurde Erde", nicht einmal anzupaffen, so kann denn doch der Gedanke von einer Abkühlung des Centralfeuers im Hintergründe liegen, wenn man durchaus selbst in den agadischen Worten zweifelhaften Ursprungs alles das finden will, was die Forschung der Neuzeit nicht ohne Widerspruch festgesetzt hat. In mehreren tz§. hat der Verf. auch die Lehren Md Dogmen des Christenthums und seine Gegensätze zum Judenthume mit der größten Freimüthigkeit, aber ohne polemischen Stachel besprochen. Unseres Wissens ist der Verf. der erste, der in einem Religionsbuche für die In-

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