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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-03 · Heft 19 (3.5.1864) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 19 (3.5.1864)
Date
1864-05-03
Page
Seite 293 (sequence 11)
Language
German
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293 entzückt sind, werden Sie natürlich finden. Wie wir erfahren, haben die Deputirten aus Ungarn in der Audienz nichts Geringeres erbeten, als anstatt der Eröffnung eines Rabbinerseminars die Errichtung einer Versorgungsanstalt für jüdische Invaliden. Bei den extremen Ansichten der ungarischen Rabbinen wissen wir nicht, ob es nicht gerathener wäre, das Rabbinerseminar nach Preßburg zu verlegen, und wir sind gewiß, daß selbst die orthodoxesten Professoren gleich dem preßburger Magid Rabbi Feisch Fischmann, der heute schon deutsche Dichter von der Kanzel herab recitirt, in das Lager der aufgeklärten Rabbinen übergehen werden. — .— Das Finanzministerium hat aus Anlaß einer vorgekommenen Verhandlung bekanntgegeben, daß die Kettuba (die religiöse Trauungsbestätigung) und die Chaliza (der Dispens von der eventuellen Ehe mit dem Bruder ihres Gatten), welche bei Heirathen zwischen Israeliten ausgefertigt werden, kein Gegenstand einer Stempelabgabe sind. .— In der gestrigen Plenarversammlung des medicinischen Doctoren-Collegiums wurde dem Decan der von 28 Mitgliedern Unterzeichnete Dringlichkeitsantrag überreicht, daß im Namen des Collegiums bei Sr. Majestät dem Kaiser um die Rehabilitirung des Hrn. Dr. Fischhof eingeschritten werden möge. Der Antrag wurde mit 64 gegen 4 Stimmen angenommen. (Diese Mittheilung wird die vielen Freunde dieses ehrenhaften Charakters erfreuen. Die Redaction.) Lemberg, l 2. April. Das Ministerium für Handel und Volkswirthschaft hat die Wiederwahl des Meyer Kallir zum Präsidenten der Handels- und Gewerbe- Kammer zu Lemberg bestätigt. Aus Oberimgarn, 18. April. (Privatmitth.) Unsere Rabbinen aus Unghvar, S. Sct. Peter, Groß- Küroly und S. A. Ujhely sind bereits von Wien in ihrer Heimath angelangt und erwarten sehnsuchtsvoll die Erfüllung ihrer Wünsche. Nachdem 18 Rabbinen gegen die Eröffnung des Rabbinerseminars ein Bittgesuch an den h. ung. Statthaltereirath gerichtet hatten, begaben sich die 7, unter denen auch der Rabbiner in Preßburg, nach Wien, um an allerhöchster Stelle gegen die Eröffnung des Rabbinerseminars in Pesth, Ofen oder Gyöngyös Einsprache zu erheben. Wie wir vernehmen, haben einige hundert Rabbinen Ungarns dieses an S. k. apostol. Majestät gerichtete Bittgesuch unterzeichnet, und war der Empfang der Rabbinen ein überaus gnädiger. Als Sprecher wählten unsere Frommen den Oberrabbi Jeremias Löv aus S. A. Ujhely, die Audienz dauerte nahe an 30 Minuten und gestattete S. Majestät nicht nur das Sprechen des Segensspruches in hebräischer Sprache mit bedecktem Haupte, sondern erkundigte sich auch genau nach dem Stande der fraglichen Angelegenheit. Nachdem fast nur Greise an dieser Audienz Theil nahmen und nicht einmal vr. Hildesheimer, Rabbine in Eisenstadt, das Glück hatte, zu den Vertrauten sich zu zählen, so läßt sich daS tiefe Stillschweigen, in welches sich diese Männer hüllen, nur zu leicht erklären. — Bei der eigenthümlichen Lage unserer ung. israel. Verhältnisse wollen Sie sich, hochwürdigster Redacteur, nicht wundern, wenn ich melde, daß auch Herr Oberrabbi Fasset in Groß-Kanischa im eignen Namen und dem seiner Gemeinde Protest gegen das Vorgehen der Vertrauensmänner eingelegt hat. Es wäre auch wirklich staunenerregend, wenn bei Errichtung eines Rabbinerseminars und Schulfragen überhaupt acht Laien den Ausschlag geben sollten. Nach unserer Ueberzeugung möchte es gerathener sein, gerade die Altorthodoxen zu einer Conferenz hinzuzuziehen und ihre Stimmen zu hören, da ihre Zahl in Ungarn enorm groß ist und die Masse des Volkes auf ihrer Seite theil - weise steht.*) Nach diesen haben die der Reform angehörigen Rabbinen den meisten Anhang, der der neuorthodoxen Schule angehörige reducirt sich bei uns aus Null. In der Frage der Schulinspection sind wir mit den Vertrauensmännern durchaus nicht einverstanden; gerade der besoldete Jnspector, der aber vor allem Rabbiner oder Lehrer sein müßte, könnte bei uns in Oberungarn für Schule Heilsames wirken, der unbesoldete würde ermüden und höchstens nur im Chicaniren der Lehrer, die unter ihm stehen, sein Wirken suchen und finden. In Oberungarn genügen 10 Jnspectoren, von denen 6 Lehrer und 4 Rabbinen sein könnten. Würde den aus dem Schulfonds honorirten Lehrer-Jnspector noch ein Unterlehrer beigegeben, *) Weiß unser Herr Correspondent nicht, daß mit jenen Herren gar nicht zu verhandeln ist, wenn man nicht ganz nach ihrem Willen verfährt? Ihr System ist: alles bleibe unverändert — und da ist denn jede Unterhandlung vergebens. Die Redaction. 19**

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