Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1864)
- Date
- 1864-05-03
- Page
- Seite 291 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ml Die Adresse, übrigens erst am letzten Tage angeregt, konnte wegen Kürze der Zeit sehr vielen ehrenwerthen sog. Orthodoxen nicht einmal vorgelegt werden. Nach Ihrer Argumentation müßten sich diese Leute nun erst recht „vom Bannstrahl" getroffen (?) fühlen." — L. Jolenberg. Wir haben zu diesem Schreiben nur Folgendes hinzuzufügen: In unserer Bemerkung heißt es ausdrücklich: „vorausgesetzt, daß die Mittheilung richtig ist", ausdrücklich: „daß wir es niemandem verdenken, der sich gedrungen fühlt, Sr. Majestät mit einer Geburtstagsgratulation zu nahen." Es kam also nur daraus a», ob die Unterzeichner der Adresse unterzeichnet hatten: „Die orthodoxen Juden Berlins." Dies ist der einzige Punkt, um den es sich handelt, der einzige Punkt, welchem unsere Bemerkung galt. Hätte nun Herr I. einfach dies verneint, so wäre unsere Bemerkung gegenstandslos und von selbst gefallen. Da er aber dies nicht thut, so erscheinen uns seine Auslassungen für die Sache selbst nicht entscheidend. Auf die weiteren Bemerkungen des Herrn I. einzugehen, haben wir keine Veranlassung. Die Redaction. Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 8. April. Die „Generalcorrespondenz" (so viel wir wissen, ein officiöses Blatt) enthält eine ausführliche Mittheilung über den Verlauf und die Ergebnisse der vielbesprochenen Conferenz in Ofen, die wir des großen Interesses der Sache wegen hier vollständig wiedergeben. „Die soeben in Ofen beendeten Conferenzen israel. Vertrauensmänner in Angelegenheit des ungarischisraelitischen Unterrichtswesens fanden unter dem Vorsitz des zweiten Vicepräses der Statthalterei, Herrn v. Hueber, statt; außerdem nahmen daran Theil der königl. Rath und Oberstudiendirector v. Feßtl, der Statthaltereirath Kotlasevich, der Concipient v. Mesaros, welcher das Protokoll führte, und ein Beamter der Staatsbuchhaltung, der über den Stand des ungarischisraelitischen Schulfonds Auskunft ertheilte. — Von den Zinsen dieses Fonds sind gegenwärtig 46,600 und einige 100 Gulden jährlicher Ueberschuß, der bisher verwendet blieb und über dessen Verwendung die Conferenz eben ihr Gutachten abzugeben hatte. — Ungefähr 20,000 fl. wird das zu errichtende Rabbinenseminar in Anspruch nehmen. Was den übrigen Theil des UeberschusseS betrifft, so wurde der Conferenz von seiten der Statthalterei die Errichtung noch zweier Musterhauptschulen prvponirt. Hiergegen gab der arader Oberrabbiner, Herr Steinhardt, den Gegenantrag zu Protokoll, daß keine neueren Musterhauptschulen zu errichten, dafür aber die ärmeren Provinz-Gemeinden, namentlich in Gegenden, wo noch nicht einmal Elementarschulen existiren, mit den nöthigen Geldmitteln zu unterstützen feien. Dieser überhaupt gut motivirte Antrag wurde von seinem Urheber unter anderem auch mit dem Grunde unterstützt, daß Mnsterhauptschulen nur in größeren Gemeinden errichtet werden, die ohnehin in der Lage sind, zweckmäßige Volksschulen zu unterhalten. — Ferner sprach sich die Conferenz dafür aus, daß außer der bereits bestehenden vom Ertrage des Schulfonds keine weitere Präparandie zu errichten sei; dagegen sollen die Gehalte der bisherigen Musterlehrer um ein Geringes aufgebessert werden und sie Quartierzulagen im Belaufe von 20 Procent ihrer Gehalte bekommen. — Ueber alle diese Modalitäten der Verwendung der vorhandenen Mittel war die Conferenz einstimmig, mit dem Vorbehalte jedoch, daß diese Ausgaben nur insofern als votirt zu betrachten sein sollen, als nach deu für das Rabbinenseminar und die Schulinspection nöthigen Kosten noch ein genügender Ueberschuß disponibel sein wird. — Was nun zuförderst das Rabbineuseminar anbelangt, so wurde das betreffende Operat des Herrn Steinhardt, das die hohe Statthalterei adoptirt hatte, vom Vorsitzenden der Conferenz vorgelegt, von dieser in Privatconferenzen einer reiflichen Prüfung unterzogen, in allen Punkten gebilligt, anerkannt und einstimmig angenommen. Das Präsidium lenkt die Aufmerksamkeit der Conferenzmitglieder auf Gegengesuche, die gegen die Errichtung des Rabbinenseminars gerichtet sind und von einigen nordungarischen Rabbinern ausgehen — was zu einer gründlichen Erörterung der Sache Anlaß gab, welche damit endigte, daß sämmtliche Mitglieder der Conferenz die Errichtung des Seminars als eine unaufschiebbare, äußerst dringende Maßregel bezeichncten. — Was den Ort anbelangt, wo die Rabbinerschule zu errichten wäre, wurde nur principiell so viel festgesetzt, daß von großen Städten, wo die Zöglinge des Seminars durch Zerstreuungen u. s. w. von ihren Berufsstudien abgelenkt werden könnten, und von solchen Gemeinden, wo ohnedies schon stark besuchte Rabbinerschulen bestehen, Umgang genommen und das Seminar in Altofen, 19