Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1864)
- Date
- 1864-05-03
- Page
- Seite 288 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie könnte dies alles ohne symbolische Bedeutung verstanden werden? Wir übergehen hier die vielen sophistischen und gesuchten Deutungen, die von Philo an bis Baehr ausgestellt worden, und halten uns vielmehr genau an die eben citirten Worte der Schrift und bemerken dazu, daß der Räucheraltar immer nicht mit den übrigen Geräthen des „Heiligen", sondern mit der Lade und der Sühnplatte, vor denen er (vor dem Vorhang) stehe, in Verbindung gesetzt (2 Mos. 30, 6. 40, 5.) und daS Räucherwerk, vor der Sühnplatte, wo Gott sich offenbare, aufgehend, ausdrücklich angegeben wird (V. 36.), so daß auffallend beide Male, wo das Räuchern vorgeschrieben wird, die Offenbarung Gottes auf der Sühnplatte ausdrücklich erwähnt wird. Hieraus geht hervor, daß die „Wolke des Räucherwerks" die Heiligthümer „verhüllen" und zwischen die Berührung des Sterblichen und der die Offenbarung tragenden Heiligthümer treten soll. Sowie daher die Cherubim die Begrenzer der Offenbarung, der Mittheilung Gottes an die Menschen vorstellen: ebenso tritt die Rauchwolke des Räucherwerks zwischen die Annäherung des Menschen an die die Gottheit repräsentirenden Heiligthümer und muß der Mensch, der an sie ohne jene Rauchwolke tritt, sterben. Von dieser Deutung aus werden alle Einzelnheiten klar, was wir hier nicht weiter verfolgen wollen. — Leuchter und Schaubrottisch müssen miteinander in Verbindung gebracht werden. Auf den letzteren kamen bekanntlich an jedem Sabbath zwölf Brotkuchen in zwei Schichten zu je sechs Broten, auf jeder Schicht eine Handvoll reinen Weihrauchs, wohingegen die alten Brote weggenommen, um von den Priestern am heiligen Orte verzehrt zu werden, und der Weihrauch als Feueropfer verbrannt wurde. Wenn die Lade mit der Sühnplatte die Offenbarung Gottes an den Menschen, der Brandopferaltar aber das Anstreben des Menschen zu Gott trugen und repräsentirten, so mußte das „Heilige" zwischen jenen beiden die Symbole der Momente enthalten, durch welche die Offenbarung und das Anstreben zu Gott im innerlichen Menschen Zusammentreffen und sich vermitteln. Diese Momente sind die Erkenntniß, durch das Licht des Leuchters symbolisirt, und die göttliche Führung, durch das Schaubrot auf dem Tische symbolisirt. Man erinnere sich, daß das Schaubrot anb heißt und D'SD, wenn es von Gott gebraucht wird, immer die unmittelbare göttliche Führung bedeutet. So heißt es 2 Mos. 33, 13.: „Mein Antlitz wird mit dir gehen und ich dich so zur Ruhe leiten." Wenn das Volk Verbrechen, die mit dem Tode bestraft werden sollen, Unbestraft läßt, so wird Gott sein Antlitz wider den Verbrecher richten und ihn ausrotten, d. h. durch die unmittelbare Führung seines Schicksals <3 Mos. 20, 2. ff.). In dem Priestersegen wird verheißen: „Gott wird dein Antlitz dir zuwenden und dir Frieden geben" (4 Mos. 6, 24.); der Friede wird also dadurch, daß Gott seine besondere unmittelbare Führung zuwendet. Aus dieser Führung Gottes, wie sie von uns erkannt wird, geht aber um so zuversichtlicher in uns die Ueberzeugung von Gott, seiner Liebe und Gerechtigkeit auf. Diese unmittelbare Führung wird aber Israel verheißen und findet ihre Ausprägung in dem Erwerbe des Landes, wo Milch und Honig fließt, im reichen Ertrage desselben, im Wohlstände, Vermehrung, hohen Alter u. s. f. Als Repräsentant dieses Wohlstandes dient anb „Brot, Speise, Lebensunterhalt", und somit ist a^sn anb das Brot der Führung Gottes, d. i. der durch Gottes unmittelbare Führung hervorgebrachte Wohlstand. Darum wird auch dieses Brot ein vbi2> rrnn genannt, weil die Verheißung der göttlichen Führung das Hauptmoment des schon mit Abraham geschlossenen Bundes war; darum war die Zahl der Brote zwölf, die zwölf Stämme Israels (wie die zwölf Edelsteine im Brustschild), also den äußern Zustand Israels in seiner Ganzheit umfassend; darum wurde es mit dem Sabbath in Verbindung gesetzt, der insonders das materielle Leben Israels einzuschließen und zu Gott zurückzuführen hatte. Daß das Licht mit dem Leuchter das andere Medium der Offenbarung, die Erkenntniß, wie sie die Offenbarung aufzufaffen vermag und von der Offenbarung ausströmt, vorstellt, ist fast selbstverständlich, denn Licht und Erkenntniß werden sehr oft synonym gebraucht, z. B. Jes. 2, 5. Pslm. 36, 10. 19, 9. 119, 18. Spr.Sal. 6, 23. und oft. Darum mußte dieses Licht v>:an, ununterbrochen, brennen, weil die Erkenntniß nicht aufhört aus der Offenbarung zu strömen und in Israel nicht ausgehen soll. So legt denn auch schon der Prophet Zecharjah den Leuchter mit den sieben Röhren und Lampen als den Geist Gottes aus, der in Israel wieder zu brennen beginne. Die unmittelbare Führung Gottes und die Erkenntniß sind also die beiden Mittel, durch welche die Offenbarung im Menschen zum Verständniß und zur Verwirklichung kommt. Sie tragen sich beide gegenseitig, die eine schöpft ans der andern, nur durch ihre Verbindung gelangt der Mensch zu Glück und Heil, zum mbw, wie beide im Priestersegen als die Faeloren des Dibta verheißen werden.