Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1864)
- Date
- 1864-04-26
- Page
- Seite 275 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226437--22096-3259348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
275 nur Künstler, aber kein Jude; er interessirt uns als ersterer, aber nicht als letzterer, und man kann an die Juden keinen besonderen Anspruch zu seiner Unterstützung erheben. Sobald er aber Gegenstände behandelt, welche zur Veranschaulichung und Verherrlichung unserer Religion und Geschichte dienen, so wirkt er auf und für unser eigenstes Wesen und wir sind ihm dann nicht allein Dank und Unterstützung schuldig, sondern sie werden ihm wie von selbst kommen. Möge daher Herr Pichler den von ihm beschrittenen Pfad mit allem Ernste verfolgen, sich aber durch bereits erlangte Anerkennung nur zu einem angestrengten Vorwärts streben beeifern lassen. Gr.-Becskerek, 7. April, 'nmn ♦ baw N22 wbfi* ♦ * ♦ NÄ2 prtf ^211 NO mtöpyE Nb2N na?a ♦ ni pna^ •»* 2nni •primtt Wien, 1864. 90b S'rH'n ♦ D^n wnn p^a Selbstverlag des Verfassers. 8. 22 S. Angezeigt von D. Oppenheim, Rabbiner. Höchst selten haben wir noch eine Streitschrift gelesen, die mit so viel bewunderungswürdiger Ruhe, mit solch feinem Takte und Gleichmuthe, mit so vielem Aufwande von Wissenschaft, in einem so durchsichtigen und eleganten Stile geschrieben ist, wie die angezeigte. In einer unbefangenen, ernsten und überzeugenden Sprache suchte Hr. I. H. Weiß, der gelehrte Herausgeber des Sifra re., das unwissenschaftliche Treiben und die völlig unberechtigten Beschuldigungen gegen die Rabbiner Horwitz und Mannheimer von seiten der bekannten Führer der mit Recht genannten Hyperorthodoxen, die jede noch so kleine Meinungsdifferenz gleich verketzern, jede ihrer Ansicht widerstreitende Auslegung unnachsichtlich und ohne Prüfung als Häresie öffentlich verdammen, Schritt für Schritt nachzuweisen und darzustellen. — Wahrlich, wer nicht von vornherein von Parteianschauungen ganz geblendet ist, muß durch diese lehr- und geistreiche Broschüre zur Ueberzeugung gelangen, daß Horwitz und Mannheimer unrechtmäßig, in heimtückischer Weise angegriffen wurden und daß selbst die Erklärung des Rabbiners Hildesheim nebst den 148 Mitunterzeichnelen trotz ihrer anscheinenden Rechtgläubigkeit sehr viel Falsches und Unrichtiges enthält. In dogmatischer Hinsicht kann überhaupt das qöiten bs (wer zu viel behauptet, zu viel glaubt, der muß endlich alle Principien der gesunden Vernunft und der Religion verleugnen) nicht genug beherzigt werden! — Wir können hier nicht, nämlich bei einem rein theologischen Thema, speciell auf den Inhalt der Controverse eingehen, da wir sonst das ganze Merkchen excerpiren müßten, und es bleibt uns nichts anderes übrig, als den geehrten Leser auf dasselbe zu verweisen, der es gewiß, welchen Standpunkt er immer einnehmen mag, nicht ohne innere Befriedigung aus der Hand legen wird. Es verdient die Stimme deS Herrn Weiß (der weder ein Rabbinat noch sonst eine öffentliche Stelle innehat) die vollste Beachtung und Anerkennung, weil sie von einem völlig unparteiischen Gelehrten ausgeht, gegen dessen unbescholtene Orthodoxie in der wahren, edlen Bedeutung des Wortes, sowie gegen dessen gründliche, ausgebreitete talmudische Gelehrsamkeit gewiß niemand den leisesten Zweifel zu hegen wagen darf. Hr. Weiß hat blos der Wahrheit zu Liebe das Wort ergriffen und — um womöglich die Herren Hildesheim und Hirsch vor weiteren Schritten und Chillnl Haschem, da dieselben in dieser traurigen Angelegenheit bereits genug angerichtet haben, und wofür denselben Herr Sebastian Brunner und alle bekannten Judenfeinde auch wirklich offen und unverholen in den klerikalen Blättern lausend Dank wissen, ferner abzuhalten. — Sehr richtig bemerkt Hr. Weiß, daß die Ausdrücke: Orthodoxie, orthodox, die der Unverstand seit einigen Jahren von der Kirche in die Synagoge übertragen, daselbst gar keinen Sinn haben. Denn in der Kirche, die sich bereits schon in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens wegen der verschiedenen Auffassung der meist dunkeln, mysteriösen Glaubenssätze, z. B. in Betreff der Trinität, der Homousia und Homoeusia rc. rc. in viele sich gegenseitig verketzernde Secten spaltete, mußten die Päpste und die Concilien einschreiten und durch Stimmenmehrheit, durch Machtsprüche und andere Beweggründe zwischen Ortho- und Heterodoxie entscheiden, während hingegen im Judenthume, dessen Basis der Glaube an den Einig-Einzigen, '-di baTia*1 W, sowie der damit innig zusammenhängende Glaube an den einstigen Sieg der Wahrheit und des Rechtes, also an den endlichen messianischen Sieg der Gottesidee (Jes. 11, 1—10. Zach. 14, 10.) ist, alle diese abgeborgten Terminologien falsch, schädlich und historisch gänzlich unbegründet sind. Darum stellt auch der Talmud als Gegensatz zu den in ihrer Erklärung schwankenden, unbegreifbaren Dogmen des Christenthums die merkwürdige Behauptung von der Einheit des Glaubensbegriffes des Juden thums auf: ba iö« anpa nnb; ■mm anps rnr sm-aya -isian sttd* rrnwn; siapn bto in«) wro *»sb iyis-t 18