Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-26 · Heft 18 (26.4.1864) · p. Seite 270

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 18 (26.4.1864)
Date
1864-04-26
Page
Seite 270 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226437--22091-3259343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

270 tritt hier Elijah als Repräsentant der Prophetie auf, wie dieser schon immer den Beinamen „der Prophet" erhalten (1 Kön. 18, 36. 2 Ehr. 2t, 12.), sich durch seinen glühenden Eifer für die Gotteslehre ausgezeichnet hatte und darin aus einer düstern Vorzeit hervorleuchtet. — *) Dies sind die Stellen, welche bei den Propheten die *) Wie man voraussetzen wird, wurden früher diese Worte als ein wirkliches Wiedererscheinen ELijah's gedeutet und spielt daher dieser in der später« Ausmalung als „Vorläufer des Messias" eine große Rolle. Auch V. 1 erklärte mancher den als Elijah, andere den Messias, Raschi und Kimchi einen Enget. — Wir haben hier noch die Stelle bei Daniel 4, 13. 14. zu erwähnen, wenn auch Daniel nicht zu den Propheten, wie schon der Talmud ausdrücklich bemerkt, gerechnet wird: „Ich schaute in den nächtlichen Gesichten, und siehe, mit den Wolken des Himmels kam wie ein Menschensohn und gelangte bis zu dem Hochbetagten, und vor denselben hin brachte man ihn. Und ihm ward Herrschaft und Herrlichkeit und Reich gegeben, und alle Völker, Nationen und Zungen dienten ihm, seine Herrschaft eine ewige Herrschaft, die nie vergeht, und sem Reich, das nie zerstört wird." Es lag sehr nahe, diese Verse auf einen persönlichen Messias zu beziehen, wie es auch Saadja, Raschi u. a. gethan. Und dennoch ist es nicht so, sondern die Worte „mit den Wolken des Himmels kam wie ein Menschensohn" bezeichnen nichts anderes als das Volk Israel, wie schon Jben-Esra erkannte. Sehen wir nämlich V. 17 die Erklärung der Erscheinung, V. 22 den Bericht und V. 24 die specielle Deutung, wo fast dieselben Worte wiederholt werden, so bedeutet „wie ein Menschensohn" nichts anderes als „das Volk der Heiligen des Höchsten" in V. 27, die Heiligen des Höchsten V. 18. 21. Die früheren Herrschaften heidnischer Völker werden durch Thiere, ihre Könige durch Hörner shmbolistrt; so konnte auch das Volk Israel nicht an sich auftreten, sondern mußte durch etwas symbolisirt werden, und zwar nicht durch ein Thier, denn dann wäre es den heidnischen Völkern gleichgestellt, aber auch nicht durch einen Engel, weil ihm sonst die irdische Natur genommen worden, also eben nur durch eine Menschengestalt als das wahre geläuterte Menschenwesen. Darum heißt es auch „wie ein Menschensohn", sowie die früheren Reiche „wie ein Löwe, wie ein Bär" u. s. f. Wäre wirklich ein persönlicher Messias hier gemeint, so hätte er im Folgenden doch wieder erwähnt werden müssen, während in der Erklärung der Vision alles dem Volke Israel übertragen wird. Als das siegreiche, mit ewiger Herrschaft zu belohnende Israel kommt es nicht von unten und nicht aus der Höhe des Himmels, sondern „mit den Wolken des Himmels" (nicht „auf") vor den in der Höhe thronenden Richter. Verkündigungen über die Zukunft der Menschheit enthalten. Sie stimmen sämmtlich darin überein, daß diese in einer Vereinigung aller Völker zur lauteren Erkermtniß und Anbetung eines einzigen Gottes, zur unbedingten Uebung des Rechtes und zu einem allgemeinen Frieden bestehen werde. Wir haben gesehen, daß nur zwei unter allen, Jeschajah I und Secharjah I, und auch nur zusammen an drei Stellen den Eintritt dieser Zukunft an eine messianische Persönlichkeit, welche noch dazu bei Jeschajah durchsichtig der Königssohn Chiskijah ist, knüpfen: alle übrigen wissen nur von einer messianischen Zeit. — Hiernach entscheidet sich auch die jetzt wieder zur Sprache gebrachte Frage und es ist überklar erwiesen, daß diejenigen vollständig auf dem Boden des schriftgemäßen Judenthums stehen, welche sich die messianische Zeit auch ohne eine messianische Persönlichkeit vorstellen, da die Propheten bis auf so wenige Stellen jene ohne diese verkündigen. Zustände in Milan. Aus Mi tau, im April 1864. Vor einiger Zeit sind in diesen Blättern über die Ebräer in Kurland und namentlich über die der kurländischen Gouvernementsstadl Mitau von verschiedenen Seiten so diametral entgegengesetzte Ansichten veröffentlicht worden, das Auswärtige, welche die hiesigen Verhältnisse nicht kennen, dadurch nur irregeleitet werden müssen. Während z. B. ein angeblicher „Reisender" in einem Correspondenz-Artikel (Ztg. d. Judth. 1862, No. 32) die Ebräergemeinden dieser erwähnten deutsch-russischen Provinz und namentlich der Gouvernementsstadt Mitau für nicht viel besser als eine Rotte Korah, Datan und Abiram zu halten schien, oder, unter vielen anderen Beschuldigungen, sie fast durchgehends mindestens als Individuen ohne allen Gemeinstnn, ohne Intelligenz, Cnltur und Sitte charakterisiren wollte, rief dieser Aufsatz in No. 40 desselben Jahrg. eine von den verschiedenen Notabilitäten Mitaus Unterzeichnete „Entgegnung" hervor, welche — ohne übrigens auf die Einzelnheiten der in ersterer Correspondenz umständlich ausgesprochenen Beschuldigungen — von denen, wenn zwar nicht alle, doch aber manche derselben vielleicht eben nicht so ganz unbegründet gewesen sind — näher einzugehen und dieselben durch sachgemäße Motive zu entkräftigen — nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.