Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1864)
- Date
- 1864-04-26
- Page
- Seite 269 (sequence 3)
- Language
- German
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26S aus dem Druck der Verachtung und tiefen Erniedrigung Israels unter den Völkern zog. Er zeigt, daß die gegenwärtige Erniedrigung Israels nothwendig sei zur Erfüllung dieses Berufes, weil die Erhöhung dieses erniedrigten, die Verherrlichung dieses verachteten Volkes den Völkern die Erlösungskraft des Einigen, den Israel anbetet, so klar, so überraschend vor Augen stellen wird, daß sie sich zum Einigen bekennen werden. Ja, der Prophet geht weiter, indem er die Leiden Israels überhaupt nur als für das Heil der Völker, um diese aus ihrer sündigen Abgötterei zu der reinen ^Erkenntniß Gottes zu bringen, von Israel getragen erklärt. Sie sind die Märtyrer der Erkenntniß des Einigen, durch deren Erhöhung die Völker auf den Einigen überzeugend gewiesen werden. — Im 56. Kap. erklärt der Prophet ausdrücklich, daß niemand aus allen Völkern vom göttlichen Bunde ausgeschloffen und jeder, der sich dem Ewigen treu anschließt, dem Israeliten gleich geachtet sei, „denn mein Haus wird ein Bethaus für alle Völker heißen"; und 66, 21., daß aus den anderen Völkern auch Priester und Leviten genommen werden sollen, und fügt hinzu V. 23: „Und es geschieht, je von Monde zu Mond und je von Schabbath zu Schabbath wird kommen alles Fleisch, anzubeten vor mir, spricht der Ewige." — Von einem persönlichen Messias ist also bei Jeschajah II keine Spur, denn die einzige Stelle, die darauf bezogen werden könnte, 55, Z. 4. spricht lediglich das Lob des von Israel stets hochverehrten Königs David aus, wie der Zusammenhang unwiderleglich zeigt. So ist denn auch der Beiname Gottes, den dieser Prophet am öftersten gebraucht, „der Erlöser Israels." — Auch derjenige Prophet, welcher von den drei Propheten, die nach dem babylonischen Exil lebten, sich über die messianische Zeit ausspricht, Secharjah II (Kap. 1—8) knüpft diese nicht an eine Persönlichkeit, wie die beiden folgenden Stellen lehren, 2, 14. 15.: „Juble und freue dich, Tochter Zijons, denn sieh, ich komme und wohne in deiner Mitte, spricht der Ewige. Und viele Völker schließen sich dem Ewigen an an selbigem Tage und werden mir zum Volke; und ich wohne in deiner Mitte und du erkennest, daß der Ewige der Heerscharen mich zu dir gesandt"; und 8, 20—22.: „Also spricht der Ewige der Heerscharen: Fürder werden Völker kommen und Bewohner vieler Städte, und die Bewohner der einen gehen zur andern, sprechend: Lasset uns gehen, vor dem Ewigen anzuflehen und den.Ewigen der Heerscharen zu suchen: und ich gehe hin! Und es kommen viele Völker und mächtige Nationen, den Ewigen der Heerscharen in Jerusalem zu suchen und zu siehen vor dem Ewigen." — Eine eigenthümliche Stellung nimmt noch Meleachi, der letzte der Propheten, ein. Derselbe spricht weder von einem Messias noch von einer messianischen Zeit, sondern von einem Gerichte Gottes, das aber, wie Kap. 3 unzweideutig zeigt, bles in und für Israel vor sich gehen soll. Denn da nämlich Verbrechen, Verhöhnung des Cultus, Zweifel an Gottes Gerechtigkeit und Vorsehung in dem wiederhergestellten Juda allzusehr im Schwange waren und ihr Haupt frech erhoben, so daß die Gerechten und Treuen sehr darunter litten: so verkündet er ihm, daß ein Gericht Gottes eintreten werde, welches zwischen den Gerechten und Sündern unterscheiden, jene zu Glück und Frieden, diese zum Untergang bringen werde. Er beginnt diesen Absatz seiner Rede (3, 1.): „Siehe, ich sende meinen Boten, der bahnt vor mir den Weg; und plötzlich wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr begehrt, und der Bote des Bundes, nach dem ihr verlangt; stehe, er kommt, spricht der Ewige der Heerscharen." Hiernach schildert er das Gericht, das Gott vollbringen werde. Man wird diese Worte verstehen, wenn man weiß, daß es noch jetzt im Oriente Sitte ist, daß, wenn ein Mann von Bedeutung reist, ein Bote vorhergesandt wird, der seine Ankunft meldet und die Vorbereitungen zu seinem Empfange trifft. Ist es eine königliche Person, so geht der Bote lange vorher, um Zeit zu ausgedehnten Vorbereitungen zu haben (Vgl. 1 Mos. 46, 28.). Es sollen also vor dem Eintreten jenes Gerichtes offenbare Anzeichen und Vorbereitungen geschehen. Ueberhaupt mußten die Gerechten nach der Schilderung des Gerichtes und seiner Wirkungen zu der Frage kommen: Woran haben wir bis zum Eintritt des Gerichtes uns zu halten und welche werden jene Vorbereitungen sein? Hierauf antwortet der Pr. in seinen drei Schlußversen, daß sie sich stricte an das Gesetz Mosis zu hallen haben und daß prophetische Einwirkungen nicht fehlen werden, um die Eintracht in den Familien als die sicherste Grundlage des sittlichen Lebens wiederherzustellen, damit bas Verderben nicht allzu groß werde und alle Menschen ergreife. Er drückt dies Vers 23 und 24 so aus: „Siehe, ich sende euch Elijah, den Propheten, bevor der Tag des Ewigen kommt, der große und furchtbare; der wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern zurückwenden, auf daß ich nicht komme und schlage die Erde mit Bann." Hinter Moses als Gesetzgeber 18*